M'ERA LUNA FESTIVAL 2005

13.08. und 14.8.2005 auf dem Hildesheimer Flugplatz


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Mit einem Hanomag zum Mera Luna...

Zum 6. Male bot der Hildesheimer Flughafen die Kulisse für das M'era Luna Festival. Zum 6. Male bot der Hildesheimer Flughafen die Kulisse für das M'era Luna Festival. Das führte nicht nur 40 Bands, 20000Besucher in die hüglige Gegend. Auch ganze Kneipen machten das Wochenende zu einem Familienausflug. Ein Kleinbus, ein Chevrolet, ein Taxi, ein PKW und Ein großer Oldtimer "Hanomag" Funkwagen, der die Wüste sicherlich schon mehr als einmal gesehen hatte, bildeten Stützpunkt des so genannten "Sixtina-Lagers". Die Leipziger Absintherie war mitsamt Chefs, Barpersonal und Stammgästen eine der größten Party-Monopolen auf dem Camping und Wohnwagenplatz.

Schon Freitag Nachmittag, nachdem sich Zelte wie kleine Ameisenhaufen um, an und auf dem Funkwagen/Hanomag aufgetürmt hatten, lag die erste Alkoholleiche auf dem Rasen herum. Auf dem Hanomag unter einem großen Schirm trohnte die Sixtina Crew mit Ausblick auf die abertausenden von Autos, die sich ihren Weg auf den Parkplatz bahnten. Nachdem die erste Regenhusche vorbei war, wurde der Grill angeheizt. Nach einer fröhlichen Lagerparty zog es mich dann doch in die heiligen Flughafenhallen zur Pre-Show-Party.
Sich den Weg in die Partyhalle zu bahnen war gar nicht so einfach angesichts der versmmelten Menschenmassen. Als VNV Nation den Plan betrat um die Tanzgäste mit der nötigen Ladung Musikklassiker und Elektroschocks zu versorgen schien die Halle fast zu bersten. Den Ausklang fand die Party dann unter den Pavillons auf dem Zeltplatz in den frühen Morgenstunden.

Doch viel Zeit zum Ausschlafen gab es nicht. Mit lautstarken RAMMSTEIN-Gebrumme, und zwar dem Album in Dauerschleife, wurde ich geweckt. Das war auf jeden Fall besser als das Tic Tac Toe Ohrenbluter-Gequatsche vom Wohnwagen nebenan, was wir vorher ertragen mussten.

Im Sixtina Lager kreisten schon früh die Bierflaschen, um sich für den Tag zu stärken, denn schon um elf ging es in die erste Konzertrunde.
Hangar und Hauptbühne waren gleichvoll besucht und zu Verwirrung kam es, als kurzerhand die Bands vertauscht worden waren und sich die Mittelalterfans plötzlich dem stahlegrüsterklimmenden Frontmann Rogue von den CRÜXSHADOWS gegenüber sahen, anstatt SCHANDMAUL, die sich später erst dem Publikum mit altbekannten Klassikern wie der Walpurgisnacht darboten. Bands wie ATROCITY und die 69 EYES rockten das Publikum dann in den Nachmittagsstunden.

Elektronisch wurde es erst wieder am Abend mit VNV NATION. Die Entscheidung zwischen HOCICO und SKINNY PUPPY als Höhepunkt des Abends fiel deutlich zugunsten von Letztgenannten aus. Seit Jahren der Bühenabstinenz touren die schon 22 Jahre alten "gerupften Hühner" wieder durch Europa und die USA.
Die Kanadier boten eine Show vom Feinsten. Elektronische Sinneseindrücke überfluteten die Gäste. Irgendwo zwischen der Leinwand mit bedrückenden Bildern, Gasmasken und blutigen Show-Einlagen sprang Sänger Ogre im zerfledderten Hühnerkostüm zu betörenden Klängen herum und verspritzte zur Freude der in den vorderen Reihen stehenden nur Sirup anstatt echtem Blut. Als zwei vermummte Terroristen nach der Hinrichtung des Frontmanns sich als grinsende George Bushs entpuppten, war endlich auch jedem Textunkundigen die Message klar. Das Konzert war eindeutig der Höhepunkt des Tages, wenn nicht gar des gesamten Festivals.

Nachdem auch die letzten herumliegenden Komatrinker vom Platz geschmissen worden waren setzte sich die Party auf dem umliegenden Areal fort.
Die Hochstimmung der Gäste war unbremsbar und die Stände hatten zur Freude jener rund um die Uhr geöffnet. Selbst die sonst eher gestressten Becks-Schankwirte waren begeistert und lobten dieses als das friedlichste und schönste Festival. Das nächste Jahr wollen sie als Gäste dabei sein. Auch im Sixtina Lager machte sich Partystimmung breit und feuchtfröhlich lagerte es sich um den Grill auf großen Decken. In der Morgen-Dämmerung war ein Rundgang unabkömmlich und auf dem freien Platz vor dem Eingang kam es dann zum unerwarteten Wiedersehen mit Ausnahmekünstler NOCTULUS. Dieser hatte es sich mit Hündchen, rasierter Königin und einem undefinierbaren beweglichen Thermodeckenknäuel auf einer Decke bequem gemacht und ließ sich, den stilechten Helm auf dem Schädel wieder einmal von einem Fernsehteam interviewen. "Dies sei eine Station auf seiner Deutschlandtournee." Sagt er.
Wieder war erst am hellichten Tag angenehme Nachtruhe auf dem Platz.

Diesmal waren es wohlbekannte Klänge von der Hauptbühne her, die mein Trommelfell dazu veranlassten meinem Wecksinn bescheid zu geben. Dummerweise mischte sich unter den Bass auch das Geräusch unaufhörlichen Regenprasselns auf das Zeltdach. Missmutig blieb ich im Zelt sitzen, und hörte mir FAUN aus der Ferne an, obwohl ich viel lieber vor der Bühne gestanden hätte.
Nachdem es sich als sinnlos herausstellte das Ende des Regengusses zu erwarten, machte ich mich erstmal auf die Suche nach einem Schirm, den ich zuhause liegengelassen hatte. Nichts an den Verkaufsständen, weder Lackkostüm noch kunstvoller Kettenstring reizte mich so sehr wie ein einfacher schwarzer Regenschirm.
Als ich bei THE GATE, einer norwegischen Gruppe, endlich das Areal betrat, stand der Platz vor der Bühne unter Wasser und schien recht verlassen. Ein schlechtes Omen für Bayern [Hochwasser zu dieser Zeit in den Alpen - Anm. d. Redaktion] ?

Nach ZERAPHINE zog es mich dann entgültig in den Hangar. Bei FLESH FIELD, die sich auch statementmässig: "Entschuldigung für Bush" abgrenzten stieg die Stimmung wieder stark an, der Körper wurde entsprechend aufgeheizt und nun konnte man sich auch ungehindert den Schlammassen stellen. MELOTRON wurde nach Lied 1 verlassen, um die Raub und Mordchöre von SUBWAY TO SALLY mal wieder in voller Lautstärke hören zu können. Wenigstens war die gute Laue wieder hergestellt und auch der Regen hatte sich endgültig verabschiedet.
Nach DEINE LAKAIEN, wie gewohnt umjubelt, kam es zum großen Headliner-Endgig des Festivals.

Ohne vorhergehende Ankündigung der Moderatorin standen plötzlich THE SISTERS OF MERCY auf der Bühne. In gewohnter Arroganz und dicken voluminösen Nebelschwaden. Nach Lied 6 zog es mich unwillkürlich zum Hangar und ich konnte wenigstens noch die letzten Klänge von The Klinik mitbekommen. Die bessere Stimmung und die ausgelassensten Tänze fand ich hier vor. Nach dem Sisters Konzert war es dann Zeit ins Sixtina Lager zurückzukehren. Schlammrutscher gaben etwas Woodstock Atmosphäre aufs Gelände, ebenso wie der Laster der von acht Leuten erfolglos versucht wurde aus dem Schlamm zu hieven.

Nachdem sich die berüchtigte Rollbahnkreuzung auf dem Campingplatz in einen Fußballplatz verwandelt hatte, auf dem ca 50 Leute zerbeulte Bierfässer hin und her kickten kam es auch wieder zum beliebten Stomp-artigen Trommelkonzert mit allen Gebrauchsgegenständen die sich finden liessen. Traurig stimmte viele dass nun gar kein Stand mehr Alkohol ausgab und so wurden alles Lagerbestände sorgfältig bis zum nächsten Morgen gekillt. Die Nacht endete im Sixtina Lager - dem letzten Party-Bollwerk auf dem Gelände. Hier wurde noch gefeiert als gegen 10 Uhr vormittags die letzten Wagen das Gelände verließen.

Bericht: Mira Sommer
Fotos: Sandro Griesbach

in Kooperation mit Schattenspiegel und www.darkmoments.de

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