November 2004

OUT OF LINE
Festival 2004

2. Electrofestival im Werk II in Leipzig / Sachsen, 12.11.2004 mit Hocico, Icon Of Coil, Spetsnaz, God Module und System Syn

Das Label OUT OF LINE hatte zum gleichnamigen Festival gerufen und die Electrojünger zog es in Scharen von nah und fern nach Leipzig.
Gleich fünf international angesagte Bands sollten an diesem Abend für gute Stimmung, Party und eine gut gefüllte Konzerthalle sorgen. Erfreulich auch der Eintrittspreis, welcher an der Abendkasse bei moderaten 20 Euro lag.

Gegen 19 Uhr betraten die hierzulande noch relativ unbekannten Kalifornier von SYSTEM SYN die Bühne
. Die Songs des Deutschland-Debütalbums "Premeditated" kamen, gemessen am Beifall, gut beim Publikum an. Sänger und Mastermind Clint Carney hatte es trotz guter Performance dennoch nicht leicht, die noch in lockeren Grüppchen vor der Bühne stehenden Besucher mit seinem emotionalen Electro-Pop in Bewegung zu bringen. Den Namen SYSTEM SYN sollte man sich auf jeden Fall für die Zukunft vormerken, denn hier ist einiges Potenzial vorhanden.

Anders dann schon das Bild bei GOD MODULE. Konzertfotos God Module ++ System Syn Das Trio enterte nach kurzer Umbaupause die Bühne und ließ das Werk 2 wahrlich erbeben. Allein schon die gewaltige Erscheinung von Jasyn Bangert trägt Anteil daran sich der Bühne zuzuwenden und den Sounds zu lauschen. Stilistisch geht die US-Electro-Formation bereits eher in eine Richtung mit den Headlinern Hocico. Song für Song löste sich Jasyn mit seinem Keyboarder Byron C. Miller am Mikrofon ab, der dann wie besessen zu den Electrobeats über die Bühne tobte. Die ausgewogene Balance zwischen eingängigen Melodien und der notwendigen Portion Härte kommt an und im Publikum wurde bereits mächtig gepogt.

Auf das nächste Duo Stefan Nilsson/Pontus Stålberg warteten viele bereits gespannt. Wer SPETSNAZ beim diesjährigen Wave-Gotik-Treffen verpasst hatte, bekam hier nochmals Gelegenheit sie live in Leipzig zu erleben. Und ich muß sagen, dass die Songs des Albums "Grand Design - Re Designed" live um einiges energiegeladener rüber kommen und für Begeisterung sorgen. Der straighte Rhythmus geht unwillkürlich in die Beine und kaum einer im Publikum kann sich den simpel gestrickten, aber genial arrangierten, Beats entziehen. Fazit: EBM IS NOT DEAD! Fast bekam man den Eindruck, hier schon die Headlinerband vor sich zu haben.

Doch noch stehen zwei Bands bevor:
Nach wiederum nur 15-minütiger Umbaupause, was kaum ausreichte um sich an den umlagerten Theken mit einem Drink zu versorgen, standen ICON OF COIL im Mittelpunkt. Konzertfotos Icon Of Coil + Spetsnaz Die Norweger traten an diesem Abend als Duo, ohne Sebastian Komor, aber mit Livesetbesetzung der Keyboards durch Christian Lund auf. Auf das Erscheinen des charismatischen Sängers Andy La Plegua wartet besonders die weibliche Fraktion gespannt, da er sich in Stylingdingen immer sehr einfallsreich zeigt. An diesem Abend war sein blonder Iro-Haarschnitt der Blickfang. Doch punkten kann man bei einem solchen Festival selbstverständlich nicht allein durch das Aussehen. Das bewies Andy sogleich, stellte mit seinem Gesang und einer lupenreinen Performance den Kontakt zum Publikum her und heizte die Stimmung an. Die teils geremixten Songs sowie allseits beliebten IOC-Stücken, allesamt im tanzbaren Up-Tempo-Breich, sorgten für ein abwechslungsreiches Set und Kurzweil bei den Besuchern. Nach nur 45 Minuten verließen ICON OF COIL unter reichlichem Beifall die Bühne.

Nun hatte die Stunde der HOCICO -Fans geschlagen (Einige hatten immerhin die letzten Stunden in den vordersten Reihen geduldig ausgeharrt).
Begleitet vom Intro und der im Hintergrund laufenden Videoprojektion betrat Racso unter Jubel zuerst die Bühne um sich hinter den Keyboards zu positionieren. Von ihm bekam man übrigens, zumindestens in den vorderen Reihen stehend, während des gesamten Gigs kaum mehr als den Haarschopf zu sehen.
Konzertfotos Hocico Mit dem Erscheinen von Erk gab es dann kein Halten mehr und die Menge wogte im Takt des über sie hereinbrechenden düster/brachialen Soundgewitters. Die Lautstärke hatten die Techniker dabei gegenüber den Vorbands noch mal um einiges, teilweise bis an die Schmerzgrenze, angezogen. Erk, ausgerüstet mit Knie- und Ellenbogenschonern, wirbelte in gewohnter Manier die zwei Stunden des Auftritts kreuz und quer über die gesamte Bühnenbreite und puschte das Adrenalin der Fans in die Höhe. Als Fotograf hatte man es echt schwer ihn einmal einigermaßen im Sucher der Kamera zu erwischen. Mitten in einem Song versuchte gar ein übereifriger Fan die Bühne zu erobern, was auch ihm fast gelang und letztendlich nur durch den Einsatz der Security verhindert wurde. Hauptaugenmerk, der für das Set ausgewählten Stücke, lag bei dem neuen Album "Wrack And Ruin", aber auch die HOCICO-Klassiker durften selbstverständlich nicht fehlen. Nach zwei Zugabeblöcken wurde das glücklich entkräftete und durchschwitzte Publikum , viele von ihnen sicherlich zusätzlich mit einigen blauen Flecken und einem Rauschen in den Ohren versehen, in die Nacht entlassen.


Zusammenfassend ist das OUT OF LINE FESTIVAL Leipzig lobend zu erwähnen. Die auf eine Zielgruppe ausgerichtete Bandauswahl mit einer guten Mischung aus Newcomern sowie renomierten Acts ist eine gute Basis und wird in Zukunft hoffentlich Wiederholung finden…

FS


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