Wie schnell doch ein Jahr vergehen kann. Noch sehr genau erinnern wir uns an das großartige zweitägige Jubiläumsfestival 2004. Diesmal wurde das beliebte Festival vom sächsischen Glauchau in die Landeshauptstadt nach Dresden verlegt. Die Entscheidung dazu waren vielfältig. So wurde der angestammte Gründelpark gegen das moderne Messegelände eingetauscht. -ein krasser Gegensatz der Lokalitäten
Wir begaben uns auf den Weg nach Dresden, denn das eintägige Festival hatte wieder so einige interessante Namen zu bieten. Klar war, der unangefochtene Publikumsmagnet des Tages würde MARILYN MANSON sein. Er wollte Sachsen an diesem Tag im Rahmen seiner "AGAINST ALL GODS" - TOUR wieder einmal heimsuchen. Bereits vorm Einlaß deuteten an diesem frühen Nachmittag die Outfits vieler Besucher auf den Headliner hin. Der eine oder andere Prediger versuchte hier, mit eher sehr mäßigem Erfolg, die Wartenden vor dem nahenden BÖSEN zu warnen und zu bewahren.
Leider kamen wir etwas zu spät an und vernahmen nur noch die letzten Takte des Openers LIMBOGOTT, welcher auf der Open Air Bühne gespielt hatte.
So bekamen wir nun die Zeit, uns einen Eindruck vom Gelände zu verschaffen. Die große Bühne war sehr gut gestellt und bot den Besucherm aus den verschiedensten Positionen einen passablen Blick auf das Geschehen. Weiter ging es hinein in Richtung der Indoor-Bühne, vorbei am offiziellen Merchandise-Stand, der wie gewohnt mit den unterschiedlichsten Fan-Devotionalien aufwartete. Daneben fanden sich zwei Stände, an denen im Verlauf des Abends fast alle Bands in einer Autogrammstunde zur Verfügung stehen sollten.
Etwas suchen mußten wir nach der angekündigten Mittelaltermeile, die sich dann eher als "Meter" herausstellte und seltsam deplatziert in dieser modern-betonierten Umgebung wirkte. In gutem Abstand zur Bühne lockten dann noch diverse Stände zum Einkauf und Befriedigung des leiblichen Wohls. Enttäuscht wurden Jene, die hier nach guter alter Gründelpark-Tradition mit Decke unter dem Arm ankamen und ein grünes und schattiges Plätzschen zum verweilen suchten.
Mit SUPREME COURT kündigte sich in der Halle der erste Act an. Die Jungs boten selbsbewußt eine Show für Electrofans und so mancher ließ sich zum mittanzen bewegen.
Auf der großen Bühne trat im Anschluß Louis Manke mit seiner Band STAUBKIND
auf und konnte die bereits sehr zahlreich versammelten Besucher in die Nähe der Bühne locken. Der aus dem Dunstkreis von Chris Pohl (TERMINAL CHOICE, BLUTENGEL) stammende Künstler entwickelt seinen eigenen Stil und erfreut sich ständig wachsender Beliebtheit. Das abschließende Highlight des STAUBKIND-Gigs bildete ein Duett mit Ex-BLIND PASSENGER Nik Page.
In neuer Besetzung und pünktlich nach Zeitplan enterte die LETZTE INSTANZ die Bühne und entfachte Begeisterung und Tanzbewegungen im Publikum. Die Band genießt in Dresden ihren Heimvorteil voll aus und der neue Sänger bedankte sich am Ende des Gigs bei den Leuten für die wirklich großartige Stimmung.
Was mochte hinter der israelischen Band mit dem schwer auszusprechenden Namen PTYL wohl stecken? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, begaben wir uns an die Indoor-Bühne. Das neue Signing auf dem DANSE MACABRE-Sektor war sicherlich nicht nach jedermanns Geschmack. Boten sie doch neben einer Bühnenshow, bei welcher der Keyborder seinen Platz teils liegend, teils hockend eingenommen hatte und der selbstbewußte-extravagante Sänger seine elektronisch-experimentelle Message rüberbrachte und damit einen insgesamt sehr bizarren Gesamteindruck lieferte.
Geschmackssache sind sicherlich auch GOETHES ERBEN, die als nächstes auf der Haupbühne zu sehen waren. Mastermind Oswald Henke hatte mit Mindy Kumbalek eine fesselndes 60-minütiges Set zusammengestellt, bei dem auch Ausblicke auf das für Oktober angekündigte Album "Dazwischen" nicht fehlten. So richtig zündete es diesmal aber nicht zwischen Band und Publikum. Augenscheinlich ist die frühe Tageszeit und greller Sonnenschein nicht das richtige Umfeld für dieses ansonsten sehr ansprechend musikalische Projekt.
Eine solide Show, bei der keiner der mittlereweile zu Hits gewordenen Songs, von "Mother Earth" bis hin zu "Stand My Ground", fehlen durfte, präsentierten die niederländischen Goth-Rocker WITHIN TEMPTATION. Etwas zu überladen, fast kitschig, wirkte die Bühne mit künstlicher(?) Grünpflanzendeko zu den bereits bekannten riesigen Engelsfiguren im Hintergrund. Na was soll's. Die attraktive Sängerin Sharon Den Adel weiß mit ihrer Stimme jedenfalls zu überzeugen und wurde dafür mit reichlich Beifall bedacht. Eine solide Rockshow ohne Ecken und Kanten. Einfach zum Dahinschmelzen in der immer noch prasselnden Sonne....
Auf dem Weg zu FIXMER/MCCARTHY-Bühne schauten wir auch bei den Autogrammstunden vorbei. Fast alle Künstler hatten sich dazu bereit erklärt und die Stände waren zu den angekündigten Uhrzeiten dicht umlagert. Witzig: Am Tisch für OOMPH! drängten sich die Fans und schauten auf leere Stühle, während Sänger Dero sich in deren Rücken locker mit Besuchern unterhielt und schon Fotowünsche erfüllte.
"Between The Devil..." rief das nächste Duo aus und bewies dies sogleich mit höllisch hammerharten Beats plus Shout-Gesang. FIXMER/MCCARTHY - drehten volle Kanne auf und die Fans dankten es mit ausgelassener Stimmung und Tanzeinlagen.
Und schnell zurück an das Tageslicht, denn hinter der Bühne warteteten bereits Crap, Flux und Dero alias OOMPH! auf ihren Auftritt. Rauf auf die Bühne und gleich volle Breitseite. Dero, gekleidet in weißere Zwangsjacke, stiebt kreuz und quer über die Bühne, animiert mit kurzen Mikrofonbewegungen das textsichere Publikum zum Mitgröhlen und schiebt einen Hit nach dem anderen, von den Ursprüngen bis zu "Augen Auf", nach. Die OOMPH!-Shows könnten trotz alledem eine Frischzellenkur gut und gern vertragen, denn mit dieser sind sie schon seit langem auf den Bühnen zu sehen und bieten keine Überraschungen mehr. Eine erschöpft, verschwitzte Menge braucht anschließend eine Erfrischung und verteilt sich nach der Show an den zahlreichen Getränkeständen.
UNHEILIGe Songs werden jetzt drinnen vom Grafen angestimmt und die Fans lauschen bedächtig den Melodien und tiefsinnigen Texten. Anfang des Jahres hatte er mit "Gastspiel" ein Livealbum herausgebracht. In etwas die selbe abwechslungse Songauswahl wurde vor Publikum aufgeführt. Auffällig: Sehr viele Mädels haben es sich im vorderen Bereich des Publikumspulks einegfunden und feiern den charismatischen Grafen auf ihre Weise.
Das Messegelände und die Hauptbühne tauchten mittlerweile in die anbrechende Dunkelheit ein und dicht an dicht drängt sich die MANSON-Schar an den Absperrgittern. Der Herr läßt sich Zeit und entert mit 20minütiger Verspätung die Bühne, was man einem Mann seines Schlages gern verzeiht.
Bedrohlich bedächtig eine Leuchte hin und her schwenkend, tritt er, MARILYN MANSON zum ersten Song langsam aus dem Hintergrund hervor an den Bühnenrand. Die Menge ist völlig aus dem Häuschen und frist dem Meister bei der sich anschließenden Show komplett aus der Hand. Eine fesselnd abwechslungsreich und perfekt inszenierter Ablauf läßt uns kaum einen Blick von der Bühne abwenden. Im Hintergrund ist eine riesige Lichtwand aufgebaut, welche geniale Effekte und Schriftzüge hervorzaubert.
Die Menge tobt und der Meister läßt sich feiern, spult professionell die Show ab, reizt mit kleinen Gesten und seiner gekonnten Mimik das dicht an dicht stehende Publikum in den vorderen Reihen.
Leider war die Ernüchterung groß, als nach einem Song das Konzert sein abruptes Ende nahm.
Bühnenlicht aus, die Band wie vom Erdboden verschluckt und davor eine Menge mit offenstehenden Mündern. Erst nach und nach tauchten die Sprechchöre nach Zugaben auf, ab ein Mr. Manson ließ sich nicht erweichen. Keine Zugabe und nach Spielplan hätte es auch noch locker Zeit für einige Stücke gehabt. Enttäuschte Gesichter sah man später trotzdem kaum und ein Großteil machte sich jetzt zufrieden auf den Heimweg.
Der heimliche und vielen MANSON-Anhängern aufgrund einer etwas abweichenden Musikrichtung wahrscheinlich nichtssagende Headliner hatte seinen Auftritt. Die Bühne in der Halle war wie ein Schützengraben dekoriert und in fades Licht gehüllt. FEINDFLUG starteten ihren elektronischen Höllenritt mit Dauerblitzlichtbeschuß aus einer FLAK-Kanone und trommelten unter Führung von Felix im nun folgenden Gig die anwesende Menge in einen wahren Tanzrausch. Selbstverständlich gab die Ausnahmeband und gaben nach dem Ende ihres regulären Set's bereitwillig die geforderten Zugaben. WOW...!!
Obwohl das WOODSTAGE diesmal wegen der Ortsverschiebung seiner direkten Namensherleitung keine Ehre machte, wird die Veranstaltung den Besuchern und uns in guter Erinnerung bleiben. Wir freuen uns bereits auf ein Wiedersehen 2006! Dann vielleicht wieder bepackt mit einer Decke unterm Arm, im beschaulichen Gründelpark in Glauchau. :-)