Leipzig feierte 20 Years Of PLACEBO - Auftritt am 5. November 2016

Geschrieben von Peggy Reichenbach, Falk Sch.. Veröffentlicht in Photoreports 2016

PLACEBO - live in Leipzig 2016 PLACEBO - live in Leipzig 2016 FOTO: Falk Scheuring

PLACEBO in der Arena Leipzig am 05.11.2016

Im Jahr 1994 trafen sich Brian Molko (US-Amerikaner/Brite) und Stefan Olsdal (Schwede) zufällig an der U-Bahn-Station South Kensington in London. Brian lud Stefan zu einem Gig ein, den Brian mit seinem damaligen Drummer Steve Hewitt bestritt. Darauf hin trat Stefan bald der Band bei. So begann also die Erfolgsgeschichte der beiden außergewöhnlichen Musiker. 1996 erschien ihr erstes Album mit Namen "Placebo". Das Ganze ist nun bereits zwanzig Jahre her.

Leipzig feiert eine Geburtstagsparty mit PLACEBO. Eine Party? Ausgerechnet zu den melancholisch-düsteren Songs der Indie-Rocker. Geht dass? Und ob! 11.000 Soulmates erlebten ein wahres Fest und wurden Zeuge eines neuen Meilensteins in der langen Live-History der Band.

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Copyright Fotos: Falk Scheuring

DEAF HAVANA begrüßten die hereinströmenden Massen an diesem grau-kühlen Novemberabend als Supportband in der Veranstaltungsarena. Die ersten Reihen waren da natürlich längst eng belegt. - Die ersten Fans hatten schon lange vor Einlassbeginn, bei nur 6 Grad und teils strömendem Regen, vor den Toren ausgeharrt. Die Londoner spielten zahmen Rock, leider etwas zu beliebig austauschbar. Doch „weh“ tat es keinesfalls und artig applaudierte die in der Halle weiter anwachsende Menge.

PLACEBO 20 - Ein fünfminütiges instrumentales Video-Intro zu „Every You Every Me“ zog die Fans in den Bann. Als die PLACEBO - Brian Molko Leipzig 2016Live-Musiker und schließlich zuerst Stefan Olsdal und dann Brian Molko ins Scheinwerferlicht an ihre Mikrofone traten, gab es ein euphorisch-orkanartigen Ausbruch aus zigtausenden Kehlen. Mit „Pure Morning“ lieferten sie sogleich den ersten Klassiker, immerhin schon von 1998. Mit „Loud Like Love“ ging es dann in die jüngste Vergangenheit, zum Titelstück des letzten Studioalbums von 2013. Die Briten hatten eine Best Of 20 Years-Show versprochen und hielten Wort.

In erstaunlich gutem Deutsch begrüßte Brian die Menge mit einem schwungvollen „Lasst uns eine Geburtstagsparty feiern. - Okay?“ Ein bestens gelaunter Frontmann stand hier und heute auf der Bühne, dies spürten die Fans sofort und zog sich durch das gesamte Konzert.  PLACEBO - Stefan Olsdal in Leipzig 2016Party mit PLACEBO, geht das überhaupt mit diesen schwermütigen Songs der Briten? Fast ungläubig rieben Man(n) und Frau sich Auge und Ohr ob der Redseligkeit und zahlreichen direkten Interaktionen mit dem Publikum zwischen vielen Stücken. Dies ist man von dem androgynen und meist eher introvertiert erscheinenden Briten und dem innewohnenden Konzept der Band, live so nicht gewohnt. Auf diese Weise kam fast eine Art Clubfeeling in der riesigen Halle auf. Großartig! Falls dies für die Tour so geplant sein sollte, wie manche so behaupten, dann kam es auf jeden Fall sehr authentisch und ungekünstelt rüber. Das Sympathie-Barometer stieg dadurch auf jeden Fall steil nach oben.

Eine über die gesamte Bühnenbreite reichende Hintergrund-Leinwand unterstützte zahlreiche Songs. Riesige zusätzliche seitliche Videowände setzten die Hauptakteure gekonnt, und mit Effekten, auch für die hinteren Reihen jederzeit gut sichtbar, in Szene. Mit lediglich ein paar Würfelpodesten war der Bühnenaufbau selbst sehr schlicht gehalten und meist durch eine pulsierende und auf den Punkt abgestimmte Lichtshow eingefärbt. Der klare Sound in der Halle tat sein übriges zum Konzertgenuss. Placebo Fans Leipzig 2016

Schaut euch unsere Show nicht durch eure Handys an, so forderte Brian einleitend zu dem Stück „Too many friends“ auf. Das Stück ist eine musikalische Anspielung und unterschwellige Kritik den überbewerteten virtuellen Welten und Verbindungen. Zumindest für einen kurzen Moment bekam man das Gefühl, ein Großteil der Menge hatte verstanden...
Wieder ein Gitarrenwechsel bei Brian, gefolgt von dem herzzerreißenden Stück "Twenty Years", welches in seiner Intensität und Zerbrechlichkeit von Brians Stimme, wie kaum ein anderes Stück, für den Stil der Band steht.

Eine herzliche Ansprache richtete Brian Molko an Musikerin Fiona Brice. Ein Ständchen zum Geburtstag wurde ihr, die schon seit vielen Jahren die Band als Pianistin, Violinistin und Backgroundsängerin bereichert, von den PLACEBO-Fans entgegen gebracht. - Ein Gänsehautmoment und Fiona konnte man die Rührung ansehen. Einen weiteren ganz großen Moment mit Gänsehautpotential von 100% gab es bei dem Stück „Without You I'm Nothing“, welches PLACEBO seinerzeit mit der Musikerlegende David Bowie eingesungen hatte. Brian Molko - Leipzig 2016Das gleichnamige Album brachte für die Band ab 1998 den endgültigen Durchbruch und hat entsprechend hohe Bedeutung. Während des Songs drehte sich Sänger Brian mehrmals nach hinten in Richtung Videowand, auf welcher er beim Jammen mit seinem Mentor Bowie im Studio zu sehen über die Videowand flimmerte. Verbunden mit einem ausgestreckten Arm und Fingerzeig von Brian gen Himmel und den sinngemäßen Worten „Danke David… ohne dich wären wir nicht hier…!“ endete der Song. Weiter ging es im Set durch die Bandhistory und es blieb bei teilweise sehr getragenen Stücken, wie dem genialen „Space Monkey“ von 2006. Die Krönung bildete dann eine besondere langsame Version von „36 Degrees“.

"Das ist nun das Ende des melancholischen Teils", holte Brian sein Leipziger Publikum aus einer  teilweisen Lethargie. "Ihr wollt tanzen? Ihr sollt tanzen! Feiert mit uns!" Dieser Aufforderung kam die Menge dann nur allzu gern nach und es riss mit „For What It's Worth“ endlich auch diejenigen von den Bänken, die das Wort Sitzplätze in den vollen Rängen bis jetzt noch allzu wörtlich genommen hatten. "Slave To The Wage", "Special K" und "Song To Say Goodbye", das geht dem PLACEBO-Fan runter wie Öl. Die Bandmitglieder erhielten nun auch eine freundliche Vorstellung. - Immerhin sind es fünf Musiker, die bei den Shows hinter Brian und Stefan für satten Sound sorgen. Dazu gehört auch Matt Lunn als Neubesetzung für den beliebten Drummer Steve Forrest. Ein bewegendes Zeichen setzte Stefan Olsdal mit den Worten „Be Who you are!“ und reckte dazu seine bunt-regenbogenfarbige Gitarre demonstrativ hoch über den Kopf. - Ein wichtiges Zeichen, leider aktueller und wichtiger denn je, dies zu betonen.

Mit Ausklingen des Alltime-Hits „The Bitter End“ gingen PLACEBO nach 90 Minuten erstmals von der Bühne, um umjubelt für drei weitere Stücke, darunter „Nancy Boy“ und „Infra-Red“ die Stage zu entern. Bei der Kate Bush-Coverversion „Running Up That Hill (A Deal with God)“ lagen sich schließlich alle in den Armen und ein langgezogenes Gitarren-Outro ließ das Stück langsam ausklingen. Steve und Brian versprachen ein Wiedersehen und bedankten sich heute ungewöhnlich ausgiebig bei den Anwesenden. Brian kletterte dazu auf eine der Frontboxen und winkte der Menge begeistert, während Stefan schon hinunter zu den Fans der ersten Reihe gesprungen war und zahllose sich ihm entgegen reckende Hände abklatschte. Dies tat ihm Brian gleich, bevor beide endgültig in den Katakomben des Backstage verschwanden...

Setlist Leipzig 05.11.2016

01 Every You Every Me (Instrumental Intro)
02 Pure Morning
03 Loud Like Love Placebo in der Arena Leipzig 2016
04 Jesus' Son 2016
05 Soulmates
06 Special Needs
07 Lazarus
08 Too Many Friends
09 Twenty Years
10 I Know
11 Devil in the Details
12 Space Monkey
13 Exit Wounds
14 Protect Me from What I Want
15 Without You I'm Nothing
16 36 Degrees(slow version)
17 Lady of the Flowers
18 For What It's Worth
19 Slave to the Wage
20 Special K
21 Song to Say Goodbye
22 The Bitter End

Zugabe:
23 Teenage Angst (Slow Version)
24 Nancy Boy25 Infra-red

Zugabe 2:
26 Running Up That Hill (A Deal with God)

 

 

Tags: Placebo Arena Leipzig

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