DIE KAMMER - Leipzig - Bericht 2012

Geschrieben von Detlef Fink am . Veröffentlicht in Photoreports 2012

kammer-1-fink.jpg DIE KAMMER - Season I - Releasekonzert 2012
 
Leipzig - Moritzbastei - 30.11.2012
 
Wenn er an Kammern denkt, denkt der Normalverbraucher eher an Räucherkammern, Wäschekammern, Kornkammern, Folterkammern, Besenkammern, Waffenkammern, Pulverkammern oder vielleicht auch an Herzkammern. Leute mit dunkel eingefärbtem Musikinteresse denken vielleicht aber auch seit nicht allzu langer Zeit an DIE KAMMER. DIE KAMMER ist keine Kammer im Sinne der oben angeführten. Sie ist eine sehr eigene, sehr spezielle Kammer, eine Kammer welche Musik macht.

 

 

Copyright Fotos: Michael Zabel / Detlef Fink


 

DIE KAMMER Für die Interessierten braucht es keine Erklärung, für den Normalverbraucher nur so viel: L’ORCHESTRE DE CHAMBRE NOIR (CHAMBER) war eine angesagte Band der dunklen Szene, die es seit geraumer Zeit nicht mehr gibt. Es sah so aus, als ob der Mastermind und die Stimme von CHAMBER, Marcus Testory, in Pension gegangen wären. Dies hat sich nun glücklicherweise nicht bestätigt. Zusammen mit seinem alten Weggefährten bei ASP,  Matthias Ambré, und diversen hochkarätigen Mitstreitern, ist er nun seit einigen Monaten als DIE KAMMER unterwegs. Marcus Testory -- Gesang & Gitarre (ex CHAMBER / ASP)
Matthias Ambré -- Gitarre & Gesang (ex ASP)
Oliver Himmighoffen -- Schlagzeug & Glockenspiel (ex ASP)
Matthias Raue -- Violine (Komponist für Film und Fernsehen, Arrangeur, Musiker z.B. bei Ulla Meinecke und Klaus Hoffmann)
Aline Deinert -- Violine (NEUE WELTEN, HAGGARD)
Tabea Müller -- Cello (Cellolehrerin)
Dirk Klinkhammer -- Tuba (Komponist, Leiter Musikschule) Das erste Mal öffentlich war das feine Orchester beim WGT 2012 vor euphorischem Publikum in der Krypta des Völkerschlachtdenkmals zu erleben. Heute nun ein Auftritt in der MORITZBASTEI in Leipzig.
DIE KAMMER - Leipzig
Nicht ganz überraschend überkommen einem beim Genießen der Töne von DIE KAMMER wohlwollende Erinnerungen an CHAMBER. Genau wie CHAMBER sind DIE KAMMER von CD unbedingt hörenswert, entfalten aber erst live in Gänze die wahre Qualität ihrer Kunst. Dabei sind die Besetzung und die musikalische Ausrichtung vergleichbar aber keinesfalls kongruent. Die stilbestimmende tiefe Stimme von Max Testory erfährt nun gesanglich und gitarristisch Unterstützung von Matze Ambré. Max und Matze  bilden als die Frontleute eine gleichberechtigte Doppelspitze. Die sich aus dieser Konstellation ergebene Situation an der Bühnenfront ermöglicht eine lockere Interaktion untereinander und mit dem Publikum. Es wird gefrotzelt, Problemchen und Missgeschicke werden so locker kommentiert, kompensiert und dabei unter zur Hilfenahme eines Schlückchen Rotweines zum humorigen Bestandteil des Vortrages umfunktioniert. Zusammen mit der Doppelspitze bringen die kleinen Unterschiede in der Besetzung das erlauschbare Alleinstellungsmerkmal der Formation. Neben Cello und zwei Violinen agieren ein reduziertes Schlagzeug und eine Tuba! Was für eine Idee! DIE KAMMER nutzen Cello und Tuba, um den klassischen Bass zu ersetzen. Oftmals zieht das Cello die Basslinie und die Tuba setzt die knackigen Akzente. Und wie! Die Tuba treibt, macht Stimmung und ist nicht nur einmal richtig heavy. Da erzeugen Tubaklänge Gänsehaut!  Auch das eher minimalistische Schlagzeug muss erwähnt werden. Alle Welt redet von den geschmeidigen einfühlsamen Drummern wie z.B. Charly Watts von den ROLLING STONES. Das ist auch so in Ordnung, doch im gleichen Atemzug sollte man auch von Oliver Himmighoffen sprechen. Sein akzentuiertes Agieren, bei Bedarf zurückhaltend jazzig oder fett rollend, bereitet ein überaus edles Fundament für den Sound der Formation.

DIE KAMMER - Leipzig Musikalisch sind die Werke von DIE KAMMER eher dunkel, melancholisch bis sentimental, zum Tanzen und lustig Feiern eher ungeeignet. Diese Grundstimmung schließt aber nicht aus, dass das Material nicht auch rockt. Bestes Beispiel dafür ist unter anderem "SINGING: SURRENDER", bei dem das Volk vor der Bühne nach kurzer Einweisung von Max und klassisch verpenntem Gitarreneinsatz von Matze begeistert klatschend mitging. Überhaupt war es ein überraschend abwechslungsreicher Abend, der hauptsächlich durch die Werke des ersten und bisher einzigen Albums SEASON 1 dominiert war. Alle Titel wurden gespielt, wenn auch nicht unbedingt in der Reihenfolge, wie auf dem Tonträger zu hören (siehe Setliste). Unter die Titel der SEASON 1 wurden geschickt Coverversionen von Titeln gemischt, die den beiden Protagonisten an den Mikrofonen besonders am Herzen lagen. Elegant wurden diese Titel der Grundstimmung des Abends angepasst. Dass "FALLING SLOWLY" eine Coverversion eines Titels von GLEN HANSARD & MARKETA IRGLOVA war, muss man wissen. Ansonsten geht der Song auch als Titel von DIE KAMMER durch. "HURT", im Original von den NINE INCH NAILS, wurde nahe am Arrangement der JOHNNY CASH Version vorgetragen und sorgte für Gänsehaut.
"TOWER OF STRENGTH" von THE MISSION ordnete sich dann wieder fast unbemerkt in das Set ein. Nach "GRAND GRAVEYARD OF HOPES" war "THAT’S WHEN I REACH FOR MY REVOLVER", im Original von MISSION OF BURMA, so richtig bekannt gemacht durch MOBY, die zwei Nummern der ersten Zugabe, und brachte die Fans noch einmal so richtig in Bewegung. Vehement vom Publikum gefordert und bereitwillig von den Musikern dargeboten, bildeten "THE PAINTERMAN’S SPELL" und  "THE ORPHANAGE – REPRISE" dann die zweite und endgültig letzte musikalische Zugabe des Konzertabends.
DIE KAMMER Menschlich gab es erfreulich weitere Zugaben. Nur ganz kurz nach dem Konzert mischten sich fast alle Musiker unter das noch reichlich anwesende Volk. Es wurde geschwatzt, es wurden  Autogramme gegeben und es wurde für Fotos posiert. Da blieb kein Wunsch unerfüllt.
Erstaunlich war, dass die Tonne der MORITZBASTEI nicht ausverkauft war. Es ist eigentlich unverständlich, dass eine Formation mit solcher prominenten Besetzung und beachtlicher Vita der Mitglieder ganz unten anfangen muss.
Doch wie von  Max zu erfahren war, hat er damit kein Problem. Er war zufrieden mit der Anzahl der Anwesenden. Er hatte sogar weniger erwartet. Auch der Rest der anwesenden Orchestermitglieder zeigte sich äußerst entspannt und aufgeschlossen.
Wir als Gäste und die Band dürfen, jeder auf seine Weise, für die Zukunft hoffentlich noch mehr erwarten.
Setlist DIE KAMMER 30.11. 2012 MORITZBASTEI LEIPZIG

THE ORPHANAGE SEASON 1
FATE IS AN ILLUSION SEASON 1
LABYRINTHS OF DESPAIR SEASON 1
THE SEEMING AND THE REAL SEASON 1
DIE KAMMER live in Leipzig
RIDING THE CREST SEASON 1
A BACKWARD GLANCE SEASON 1
FALLING SLOWLY COVER: GLEN HANSARD & MARKETA IRGLOVA
HURT COVER: NINE INCH NAILS
TOWER OF STRENGTH COVER: THE MISSION
BLACK AS COAL SEASON 1
SINGING: SURRENDER SEASON 1
HOME IN YOUR EYES SEASON 1
FINAL DAYS (OF MANKIND) SEASON 1
GRAND GRAVEYARD OF HOPES SEASON 1
THAT'S WHEN I REACH FOR MY REVOLVER COVER: MISSION OF BURMA
THE PAINTERMAN'S SPELL SEASON 1
THE ORPHANAGE - REPRISE
SEASON 1

 

 

 

 
 

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Fotocredit Falk Scheuring

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