Zurück im Tanzbrunnen – So war es beim 12. AMPHI FESTIVAL

Geschrieben von Alexander Jung am . Veröffentlicht in Photoreports 2016

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12. AMPHI FESTIVAL 2016 - Foto Alexander Jung

Über 12.000 Fans feierten ein friedliches Festival im Kölner Tanzbrunnen. Nach dem viel diskutierten Location-Wechsel im Vorjahr, fand die 12. Ausgabe des beliebten Festivals 2016 wieder in gewohnter Umgebung statt. Neben der großen Open Air Stage wurde im Rahmen des Events nach einigen Jahren die Theaterbühne für die Indoor-Konzerte ebenfalls bespielt. Neu hinzugekommen war die "Orbit Stage" auf dem Veranstaltungsschiff MS RheinEnergie. Bei so vielen unterschiedlichen Spielstätten war es kaum möglich sich auch nur ansatzweise jedes Konzert anzuschauen. Nachfolgend findet ihr unsere Eindrücke des Festival-Wochenendes.

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solitary experiments 20160729 2019281748Der Samstag begann für uns recht zeitig gegen 12:10 Uhr mit den Mitsinghymnen von Solitary Experiments. Der sympathische Fronter Dennis Schober versprach nur Hits zu spielen und so war es ihm ein Leichtes die Massen auf seine Seite zu ziehen. Der einsetzende Regen tat sein Übriges und konzentrierte das Publikum im großzügig überdachten Bereich vor der Main Stage. Anschließend ging es für uns zur Theaterbühne zu dem niederländischen Future-Pop Duo von Angels&Agony.

megaherz 20160729 1828901122Während dessen verstärkte sich der Regen im Außenbereich weiter, was wegen des weiter eng zusammenrückenden Publikums dann ebenfalls dem Auftritt der NDH-Heroen von Megaherz sehr entgegen kam. Bereits beim ersten Track „Zombieland“ vom gleichnamigen 2014er Longplayer hatte der ausdrucksstarke Frontmann Alexander 'Lex´ Wohnhaas die Menge im Griff.
lenanon hanover 20160729 1555207274Für die Auftritte von Bloodsucking Zombies From Outerspace und dem von Laura Carbone nahmen wir den gut fünfminütigen Fußmarsch zur Orbit Stage auf uns. Die attraktive Mannheimerin Laura Carbone präsentierte die bittersüßen Songs von ihrem Debüt „Sirens“ bevor dann bei den Post Punkern von Lebenon Hanover der Kahn richtig voll wurde. Zurück auf der Theater-Stage begeistern Stefan und Pontus von Spetsnaz mit handfesten Schweden-EBM, sodass uns die Show von MONO INC. beinahe durch die Lappen ging.

tarja turunen 20160729 1673539583Als erstes optisches und musikalisches Highlight erwartete uns dann das Konzert von Ex-Nightwish-Frontfrau Tarja Turunen. Mit ihrer neuen Platte „The Shadow Self“ im Gepäck hatte die schöne Finnin mit ihrer einzigartigen Stimme das Publikum innerhalb kürzester Zeit in ihren Bann gezogen.
Der Wegfall des Staatenhauses als große Innenraum-Location war natürlich in diesem Jahr besonders spürbar. Man erreichte die Kapazitätsgrenze auf der Theaterstage schon bei der Show von Aesthetic Perfection. Ein Einlassstopp wurde durch die Feuerwehr vor allem deshalb verhängt, weil sich die Besucher vor die Notausgänge gesetzt hatten.

Die Samtags-Co-Headlinerposition auf der Open Air Stage bestritt Peter Heppner mit seinem Programm aus Solowerken wie „Alleinesein“ und natürlich den von den Fans herbeigesehnten WOLFSHEIM-Klassikern wie „The Sparrows And The Nightingales“.
front line assembly 20160729 1538964145Bestens entspannt ging es dann zu unserem persönlichen Headliner des Abends zu FRONT LINE ASSEMBLY auf der Theaterbühne. Ein ausgezeichnet gelaunter Bill Leeb empfing das sehr gut gefüllte Auditorium. Los ging die nordamerikanische Industrial-Orgie mit „Neologic Spasm“ vom 95er Erfolgsalbum „Hard Wired“, gefolgt von „Killing Ground“ und „Blood“ vom letzten offiziellen Longplayer „Echogentic“. Neben seinen Mitstreitern Jeremy Inkel und Jason Bazinet konnte Bill diesmal seinen Wegbegleiter aus den „Millennium“ und „Hard Wired“-Tagen Rhys Fulber an den Keys verpflichten. Es folgte ein episches Set wie es seines Gleichen sucht. Mit den Zugaben „Ghosts“ und dem überragenden „Mindphaser“ wurde gegen 22:00 Uhr ein wunderbarer Abend beschlossen.


tuesn 20160729 1237407525Der Sonntag startete erneut zu früher Stunde mit den deutschen Newcomern von TÜSN. Es ist einfach unglaublich wie Sänger Snöt seine Songs vom sensationellen Album „Schuld“ auf der Bühne, wenn auch anfangs nur hinter dem Keyboard, lebt. Bei „Hannibal“ trat er das erste Mal in den vorderen Bereich der Bühne und krönte selbst sein Haupt. TÜSNs Show war für uns der perfekte Start in den sonnigen Sonntag.
unzucht 20160729 1320026205Ebenfalls von der Main Stage grüßte dann der Schulz von UNZUCHT und verstand es wie kaum ein Zweiter die Auftrittsfläche zu dominieren. Bei den sympathischen Dark-Rockern steht im September mit der neuen Platte „Neuntöter“ eine weitere Veröffentlichung ins Haus, bevor sie dann auf ausgiebige Deutschlandtournee gehen.
Dass es auf der Theaterbühne auch Licht gab, zeigten uns dann die Schweizer Dark Waver von The Beauty of Gemina. Das Trio um Michael Sele ist aktuell aus kaum einem Festival-Line Up wegzudenken.
Wie am Vortag wurde am Sonntag ebenfalls die Orbit Stage auf der MS RheinEnergie bespielt.

cryo 20160729 1471094202Sicher ein Highlight für viele Electronic-Fans war der Auftritt des schwedischen Projekts CRYO. Hinter CRYO stecken Sänger Martin Rudefelt und Progress Productions Label Manager Torny Gottberg, die mit ihren eingängigen Melodien und Sequenzen die Stage rockten. Als besonderes Add On wurde als letzter Track die FRONT 242 Cover-Version von „Body To Body“ zum Besten gegeben.

suicide commando 20160729 1885444292Harsch und brachial ging es, leider deutlich verfrüht, auf der Main Stage mit dem belgischen EBM-Urgestein Johan van Roy aka Suicide Commando weiter. Da man hier deutlich dem Zeitplan voraus war, konnten wir leider die besondere Performance beim Eingangstrack nicht miterleben.
Bevor sich die feinen Herren von Coppelius zunächst für längere Zeit von den Brettern, die die Welt bedeuten, verabschieden, gastierten sie auf der Theaterstage und boten gewohnt epochal ihr musikalisches Schauspiel dar.

covenant 20160729 1261615086Gegen 17:30 Uhr waren mit COVENANT abermals ein paar alte Amphi-Hasen am Start. Neben dem kahlköpfigen Eskil Simonsson standen Daniel Jonasson von Dupont und Haujobb-Mastermind Daniel Myer hinter den Maschinen. Geboten wurde, was das Fan-Herz begehrt. Neben Klassikern wie „Bullet“ oder „Figurehead“ wurde noch die neue Single „Sound Mirrors“ vom bald erscheinenden Album „The Blinding Dark“ gespielt. Teile der im November folgenden Tour sind bereits ausverkauft.

project pitchfork 20160729 1002110047Mit dem Auftritt von Projekt Pitchfork war dann schließlich ein weiterer Höhepunkt an der Reihe. Es ist sicher nachvollziehbar, das Peter Spilles und Mannen unmittelbar den größten Publikumszuspruch fanden, da die Pitchies seit mittlerweile 25 Jahren fest in der deutschen Szene verwurzelt sind. Entsprechend tief griff man bei der Set-Zusammenstellung in den Back Catalogue und zauberte Perlen wie „Conjure“ oder „IO“ aus dem Hut. Für „The Dividing Line“ konnte man dann sogar Sven Friedrich von Solar Fake als Duettpartner gewinnen. Und als sich das Mainset dem Ende näherte, stimmte der großartig gelaunte Fronter ohne Zeit zu verschwenden die Hymne „Souls“ an. Als Vertretung für den gesundheitlich verhinderten Jürgen Jansen stand abermals der Leipziger Tausendsassa Daniel Myer an den Tasten.
editors 20160729 1311039878Mit den Post Punk-Abräumern EDITORS als Festival-Headliner hatten die Veranstalter großen Mut bewiesen, da es bereits im Vorfeld sehr einseitige Fan-Diskussionen diesbezüglich gab. Völlig entgegen dieser Unkenrufe funktionierte die Show der Briten hervorragend. Der charismatische Sänger Tom Smith begeisterte stimmgewaltig mit seiner ganz eigenen Show nicht nur eingefleischte EDITORS-Fans. Licht und Ton waren perfekt inszeniert und bei Songs wie „The Racing Rats“ oder dem ultimativen Hit „Papillon“ ging das Publikum sehr gut mit. Mit „The Pulse“ hatten EDITORS ein neues Stück im Gepäck, welches am Festivalpublikum getestet wurde. Die mitreißende Live-Intonation des finalen Stücks „Marching Orders“ von der aktuellen LP „In Dream“ war für uns ein großartiges Amphi-Finale, welches auf der offiziellen After Show Party mit einem zufälligen persönlichen Treffen mit der Band abgerundet wurde. Wie uns Tom Smith im Gespräch bestätigte, hat er das Konzert sehr genossen und er glaubt, dass EDITORS in ein paar Jahren sicher gern auf das AMPHI zurückkehren. Diesen Worten wollen wir uns anschließen und hoffen, bereits im kommenden Jahr beim 13. AMPHI FESTIVAL für euch vor Ort sein zu dürfen.

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Fotos: Alexander Jung - talecs Konzertfotografie

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