Interview mit Steve Gain aka DOLOR Februar 2006

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Interview mit Steve Gain aka DOLOR
Februar 2006

"Wichtig für mich ist, dass nicht jeder Song gleicher Art ist. Er muss abwechslungsreich und einprägsam sein..."

Dolor entwachsen zielsicher mehr und mehr ihrem Geheimtipp-Status in der Independent-Szene. Das Projekt spielt sich in die Herzen immer neuer Fans und kann auf ein erfolgreiches Jahr 2005 zurückblicken.
Nicht nur das im vergangenen Jahr ihr Album „Komm zu mir" das Licht der Welt erblickte, auch Live waren Dolor alles andere als faul und waren immer wieder auf Deutschlands Bühnen präsent.
Da Dolor am 01.04.06 zu dem Refraktor Festival - Wave Of Darkness - auf Schloß Augustusburg in Weißenfels wieder einmal Live mit zu erleben sein werden, haben wir uns kurzer Hand entschlossen, Masterminder Steve und seine Mitstreiter zu über Vergangenes, aber auch die Zukunftspläne zu löchern.

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Hi Steve, es ist gut 1 ½ Jahre her, dass wir uns das letzte mal unterhalten haben. Seitdem ist viel bei Dolor passiert, ihr hattet einige Auftritte, du hast dein Album „Komm zu mir" veröffentlicht usw.
Vielleicht plauderst du mal etwas ausführlich was so in den letzten 1 ½ so gelaufen ist.

Steve:
Hi Micha, ja es ist in der Zeit so einiges passiert: Mein Werk „Komm Zu Mir" habe ich im letzten Jahr fertig produziert und es gab bisher zu meiner Freude viele gute Resonanzen daraufhin. Auf diversen Samplern hat sich Dolor beteiligt und ich habe mehrere Interviews geben dürfen. Die erste Auflage von „Komm Zu Mir" ist mittlerweile fast vergriffen. Nun wird noch mal eine neu gemasterte und größere Auflage gepresst.
In Sachen "Live" hat sich so einiges getan. Ich habe endlich die richtigen Live-Musiker gefunden, die zusammen meinen Traum von der Live-Bühne ermöglichten. Wir machten gute Gigs wie z.B. den Support von Unheilig und sind heute mittlerweile mit einigen Veranstaltern fest verbündet.
Leider hatte ich einmal etwas überstürzt gehandelt und einen Vertrag mit einer Booking und Promotions Agentur unterzeichnet. Das hatte mir bis auf die enormen Bearbeitungskosten und hohen Gebühren fast gar nichts gebracht. Da war ich erst recht glücklich, als ich wieder aus dem Vertrag raus kam. Nun mache ich wieder lieber alles selbst ;)


Dein neues Album „Komm Zu Mir" ist zwar schon einige Zeit draußen, dennoch würde mich interessieren ob du dich bei der Arbeit an dieser Scheibe selbst etwas unter Erfolgsdruck gesetzt, da es ja sozusagen ein Neubeginn f= FCrDolorwar.PB

Steve:
Sagen wir mal so: Ich mache schon seit einigen Jahren Musik und habe inzwischen, wenn auch nicht nur unter Dolor, einige Musik veröffentlicht. Ich habe mich stets musikalisch weiterentwickelt und ließ dies natürlich auch in meine neue CD mit einfließen. Meine Musik sollte daher zugegeben natürlich ausgereifter und besser sein wie eh und je. Ich weiss nicht, ob man das Erfolgsdruck nennen kann, auch habe ich mich nicht an einer Verkaufsmenge orientiert, da ich nicht finanziell daran gebunden bin.
Mich hat es sehr erfüllt, diese CD zu machen und ich bin froh, dass diese auch recht gut beim Publikum ankommt.


Wie sahen die Reaktionen und Meinungen auf die Scheibe aus?

Steve:
Wie bereits angesprochen wirklich gut. Die CD bekam gute Rezensionen und letztendlich hat das Live- Publikum diese Tatsache bewiesen.
Leider fehlt noch ein geeigneter Vertrieb für die Scheibe. Es gab schon richtig verzweifelte Zuschriften von Leuten, die berichteten, schon alle Plattenmärkte abgeklappert- und nichts gefunden zu haben. Ansonsten habe ich ein Vertrag mit einem Label „Zelltunes", das sich auf den Internet - Vertrieb spezialisiert hat.
Durch einige Sampler-Teilnahmen wie Zillo oder Orkus aber habe ich auch einige Fans aus fernen Landen. Das macht mich schon ganz glücklich :-)
Einige negative Feedbacks bekam ich aber auch, beispielsweise weil man Ähnlichkeiten zu Rammstein usw. erkannt haben wollte. Danach habe ich mich beim Komponieren nicht orientiert. Ich habe meinen eigenen Stil geformt.


Welche Themen hast du in den in den Texten des „Komm zu mir" Albums aufgegriffen? Vielleicht kannst du uns das etwas genauer erzählen.

Steve:
Das sind vor allem im Rhythmus verpackte Sehnsüchte, sowie das Thema Abschied, Trauer und Rache (siehe „Der Clown"). Jeder Song trägt sein eigenes Konzept. Wichtig für mich ist, dass nicht jeder Song gleicher Art ist. Er muss abwechslungsreich und einprägsam sein.


Sollte man Musik nicht stärker als Podium nutzen, auch soziale Inhalte zu transportieren? Welche Rolle spielt dieser Gedanke für euch?

Steve:
Das gibt es schon zu oft, aber aus allem was mich bewegt, könnte ein Text und ein Song werden. Daher wäre das bei Dolor auch nicht ganz auszuschließen. Im Allgemeinen möchte ich mich mit meiner Musik weg vom Alltag und dem Normalen bewegen.


Kannst du dich zu bestimmten Terminen hinsetzten um an neuen Songs zu arbeiten, oder ist dies gänzlich stimmungsabhängig?

Steve:
Natürlich würde ich mich immer gern hinsetzen, um an Songs zu arbeiten. Das Songschreiben ist aber momentan nur ein kleiner Teil von dem, was ich um Dolor erledige. Die Kreativität ist aber wirklich stimmungsabhängig und wenn man mal eine non-kreative Phase hat, dann könnte es schon schwieriger sein, unter Druck zu arbeiten.


Was geht dir durch den Kopf herum, wenn du Musik machst?

Steve:
Beim Komponieren schalte ich völlig ab, gehe in mich und genieße die Emotionen, die da so hoch kommen ... *zwinker*


Schon mal daran gedacht, ein Video Clip zu machen und als Bonus zu veröffentlichen?

Steve:
Ein professioneller Clip wäre schon genial. Nur gibt es Probleme bei der Umsetzung. Auf der Homepage kann man sich einen Live-Clip anschaun. Es werden auch noch andere dieser Art hinzu kommen.


Stehst du eigentlich in Verhandlung mit einem Label, zwecks Plattenvertag für das nächste Dolor Album?

Steve:
Es hat bisher kein neues Musikmaterial mein kleines Studio verlassen … Wenn ein neues Demo da ist, dann geht die Promotions-Kampagne los und dann werde ich schaun, was sich ergibt und worauf ich dann Lust habe.


Mit welchen Schwierigkeiten hast du Momentan am meisten zu kämpfen um mit Dolor weiter zu kommen?

Steve:
Beruflich arbeite ich in Schichten. Das ist eigentlich das tragischste von allem, wenn man sich immer zeitlich umstellen muss. So bleibt mir manchmal noch weniger Zeit zum Komponieren…


Was waren bislang deine wertvollsten Erfahrungen als Musiker?

Steve:
Die wertvollsten Erfahrungen macht man glaube ich immer am besten in Verbindung mit dem Publikum und dem Feedback. DOLOR - Der Clown live


Wie bereits anfänglich erwähnt hast du im vergangen Jahr einige Live Auftritte absolviert. Und aus diesem Grunde hast du um dich herum auch (Live)Musiker versammelt. Vielleicht können sich die beiden Herren einmal selbst vorstellen.

Nigle (Schlagwerk):
Hi! Ich begann 1991 zu trommeln. Bis 1996 spielte ich für Days of Grace (Heavy), nahm während dieser Zeit etwas Schlagzeugunterricht (Grund-techniken, Noten lesen usw.) und sammelte viele Erfahrungen bei Studioarbeiten und diversen Live – Auftritten. Der Besuch eines Toto – Konzerts war ausschlaggebend für den Wandel in meiner Entwicklung als Schlagzeuger. Ich entdeckte die Liebe zum Instrument und beschäftigte mich mit Drummern wie Simon Phillips (Toto), Terry Bozzio, Danny Carey (Tool), Mike Portnoy (Dream Theater), Marco Minnemann (Illegal Aliens), Thomas Lang … Unter anderem trommelte ich auch für die Fabrik-Hausband (Oldie-Pop-Rock) und arbeite an eigenen Ideen. Seit 2005 spiele ich für Dolor als Live – Musiker. Thomas (Gitarren):
Hi, ich bin Thomas. Ich spiele bei Live-Events von DOLOR die Gitarren. Ich habe einige Zeit in Göttingen in diversen Projekten Musik gemacht. Wir haben Rockmusik mit eigenem Material und Cover gespielt. Seit dem ich wieder hier in Naumburg bin, war ich auf der Suche nach einer passenden Band. Mit Nigle und Steve habe ich zwei Musiker gefunden, die ich musikalisch und menschlich sehr schätze. Es macht echt viel Spaß, die qualitativ hochwertigen Songs von DOLOR live umzusetzen. Steve:
Es wird erfreulicher Weise bald wieder ein Bassist dazu kommen und natürlich möchte ich auch "Mr.Machine" und den guten bösen Live Clown nicht vergessen!


Könnt ihr in die Musik von Dolor selbst auch Ideen mit einbringen, oder lässt sich das Masterminder Steve nicht reinreden?

Nigle:
Ich würde sagen, meine Art zu trommeln ist mein Einfluss. Dabei versuche ich die Vorgaben möglichst 1:1 umzusetzen. Meist sind die Songs ja auch schon fertig durcharrangiert, wie z.B. das „Komm zu mir" – Album. Sicherlich lässt mir Steve aber auch gewisse Freiheiten was Fill Ins (Trommelwirbel) oder bestimmte Pattern (Songteile) betrifft. Hauptsächlich liegt für mich der Schwerpunkt aber an der Gestaltung und Umsetzung der Live – Performance und nicht an der Komposition oder dem Arrangement der einzelnen Lieder. Thomas:
Als wir zu DOLOR gestoßen sind, war die CD "Komm zu mir" schon fast fertig. In dieser Beziehung gab es kaum noch was einzubringen. Doch bei den dann entstandenen sowie den unveröffentlichten Songs, die gerade am Entstehen sind, ist Steve an unserer Meinung interessiert.
Klar, dass unsere Ideen Steve dann inspirieren und manches in seine Musik einfließt. Am stärksten bringen wir uns aber in der Gestaltung der Live-Events ein. Da wird eigentlich alles gemeinsam besprochen und geplant. Das Ergebnis seht ihr ja bei unseren Gigs...


Welcher Auftritt hat euch im letzten Jahr am besten gefallen?

Nigle:
Sicherlich war der erste Dolor – Auftritt im Leipziger Hellraiser einer der wichtigsten, da er entscheidend für den Erfolg des Projektes und die Bestätigung für Steves jahrelange Arbeit war. Ich kann nicht sagen, welcher Auftritt der Beste war, jeder hatte etwas Besonderes. Ich kann nur sagen, dass es mit jedem Auftritt besser und schöner wird. Dies liegt an der Harmonie in der Band, aber vor allem an der wachsenden Publikumszahl und dem Zuspruch, den wir erhalten. Danke dafür! Thomas:
Der erste Auftritt mit DOLOR im Hellraiser in Leipzig war sicherlich der spannenste, denn da haben wir zum ersten mal gesehen, wie die neue DOLOR - Scheibe beim Publikum ankommt. Außerdem als Auftakt vor Unheilig zu spielen, war ein verdammt guter Start für uns. Jeder Auftritt hatte was besonderes, Location, Publikum, oder andere Bands, die mit uns gemeinsam auf der Bühne standen. Da fällt es nicht leicht, einen vor die anderen zu stellen. Ich denke aber, dass der Auftritt vor heimischem Publikum in Naumburg im Rock-Cafe was besonderes war.


Ihr werdet am 01.04.06 zum „Wave Of Darkness" Refraktor Festivasl wieder im Weißenfelser Schlosskeller spielen. Was dürfen die Zuschauer von euch erwarten? Werden eventuell auch schon einige neue Songs dem Publikum präsentiert?

Steve:
Es ist prima, dass es wieder in der schönen Location vom Schloskeller geklappt hat und wir freuen uns schon darauf. Ja, man wird etwas Neues zu hören und zu sehen bekommen! Ich empfehle jedem sich das anzuschaun ;)


Gibt es ansonsten schon irgendwelche Live Termine von euch?

Steve:
Einer unter den bestätigten Terminen ist der 30.04.06 auf Schloss Neuenburg in Freiburg. Da wird Dolor den Support von Tanzwut machen und wir werden nach aktuellem Stand auch schon einmal vorher am Nachmittag als Opener der Walpurgisnacht aufspielen. Um auf den aktuellsten Stand zu bleiben, empfehle ich in jedem Fall auf die offizielle Homepage zu schaun! ;-)


Welche Zukunftspläne hast du mit Dolor für das neue Jahr 2006?

Steve:
Es sind natürlich neue Gigs geplant und die Show wird weiter ausgebaut. Einen neuen Basser wird es auf der Live-Bühne zu erleben geben!
In diesem Jahr werde ich mich auch einer EP widmen. Es wird eine Clown Story mit einigen Songs sein, die zusammen die Geschichte vom Untergang eines gutartigen Narren bis zur Wiederauferstehung des boshaften Clowns zeigen. Und wir werden einfach mal schaun, was sich noch so ergibt.


Ich möchte mich wieder bei dir für das Interview bedanken und überlasse dir wie gewohnt die letzten Worte in diesem Interview.

Steve:
Auch ich bedanke mich recht herzlich bei dir, Micha, für das Interview und ich hoffe, dass wir zusammen auch noch so einige gemeinsame Live Events machen werden. Auch an die lieben Leser sei ein Dank für das Interesse ans Herz gelegt.
Wer mehr Infos zum Projekt erfahren möchte, der schaut auf die Offizielle Homepage.
Carpe Noctem!


Februar 2006 Interview geführt von
Michael Strohschein (REFRAKTOR-Magazin)
Bandhomepage: www.dolor-music.de © REFRAKTOR - HELL-ZONE / Februar 2006