OOMPH! Interview am 25.März 2006 in Dresden

Geschrieben von HELL-ZONE am . Veröffentlicht in Interviews

OOMPH! Interview am 25.März 2006 in Dresden

"Keine musikalischen Inzüchtler"

 

Zuletzt sorgten sie bereits mit ihrer Single "Gott ist ein Popstar" und dem zugehörigen Videoclip für einigen Aufruhr in den Massenmedien ;-) . Kürzlich, am 24. März 2006, erschien ihr brandneues Album "GlaubeLiebeTod" und demnächst ist Touren angesagt.
Stoff genug also für ein interessantes Gespräch mit den erfolgreichen und dabei sehr bodenständig gebliebenen Electro-Rockern aus Braunschweig.
Gern erklärte sich das Trio zu unserer Freude für ein Interview bereit.
Laßt euch überraschen!
Mira Sommer:
Mit tatkräftiger Unterstützung von Markus, seines Zeichens selbst Musiker, traf ich mich im Elbflorenz zu einem gemütlichen Plausch mit der Band OOMPH!.
Kulisse - das als Kunsthaus schlechthin bezeichnete art-hotel. Dieses entpuppte sich allerdings als Bahnhofshallenflairpalast. Dafür war das Treffen mit den drei sehr symphatischen Herren Dero, Flux und Crap aber umso gemütlicher. Und aus den geplanten 15 Minuten-Talk wurde ein Stundengespräch. Die "Kurzfassung" könnt ihr hier lesen.

 

Mira: Wie seid ihr auf den Albumtitel "GlaubeLiebeTod" ohne Leerzeichen, Punkt und Komma gekommen? Sind diese drei Begriffe für euch untrennbar miteinander verbunden?

Dero: Als die Songs fertig waren und wir noch keinen Titel für die LP hatten hab ich die ganzen Texte nochmal resümiert.
Mir ist dann schnell bewußt geworden, daß es in allen Songs um diese drei fundamentalen Dinge geht. Entweder um Glaube oder um Liebe oder eben um Tod, im weitesten Sinne. Und ich fand es eine tolle Sache, das Album so zu nennen.
Es sind ja die elementarsten Fragen, die sich die Menschheit seit Anbeginn des Bewußtseins stellt: Woher komm ich? wohin geh ich? was mach ich zwischendurch? Es ist nicht so, daß alles einseitig hinterleuchtet wird. Diese drei Worte werden in den Texten auf dieser Scheibe sehr kritisch bearbeitet. .


Mira: "GlaubeLiebeTod" erscheint in drei Varianten, von der Luxusausführung bis zum Minimalpaket. Wie steht ihr zu der Entwicklung, daß Alben als Gesamtkunstwerke immer archaischer werden?

Crap: Im Endeffekt ist es für einen Künstler immer schlecht.
Von der künstlerischen Seite her wäre es natürlich schöner, wenn der Konsument das fertige Produkt kauft. Mit dem fertigen Coverentwurf wo wir uns ja auch mit einbringen, um das künstlerische Paket vollständig zu machen. Das die CDs jetzt so rausgebracht werden ist in erster Linie plattenfirmen-kaufmännischer Aspekt.
Ich seh jetzt nicht den Riesensinn darin mir, zwar für etwas weniger Geld, ein Album zu holen was aussieht wie gebrannt. Die Plattenfirmen probieren halt sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Es gab ja lange Zeit nur illegale Möglichkeiten zum Downloaden. Die Plattenfirmen haben nicht reagiert, sprich keine legalen Plattformen zur Verfügung gestellt wo man hätte downloaden können.
Mittlerweile ist es in den Köpfen der Leute normal die Sachen zu klauen. Die Mentalität ist eben mittlerweile so. Aber wir würden keinen dafür bestrafen.
Jemanden für fünf Jahre wegen solchen Geschichten in den Knast zu bringen finde ich völlig blöde. Auf der andren Seite muß jeder der die Band hört wissen, dass er dieser Band nach und nach durchs Brennen das das finanzielle Wasser abgräbt und irgendwann ist die Band halt weg.
Dann wird es die nächste Band treffen und die nächste und wenn das so weiter läuft, wird es irgendwann keine Bands mehr geben.
Man versucht mit der drei Scheiben-Aktion dagegen anzugehen. Ob das funktioniert weiß ich nicht. Für uns wärs halt schöner wenns nur eine Variante geben würde oder von mir aus auch zwei. Für die Fans die aufgepumpte Variante und dann halt ne normale Variante. Die dritte Variante, ich hab die heute gesehen, ist halt wirklich nur die CD und ein ganz schmales Cover... Flux: Obwohl es aber auch Leute gab, die DAS genommen haben. Die lassen sich dann vom Preis leiten.
"Die hat doch nur Euro 9,99 gekostet. Das sind ja fast alte Schallplattenpreise..." Crap: Ich schätze mal dass die Plattenindustrie probiert die Verluste aufzufangen. Die Frage ist, wie lang ist das noch möglich? Wie teuer sollen die Alben noch werden? Ich glaube die Politik ist da nicht die richtige. Im Endeffekt ist es so, dass du als Künstler wenig oder so gut wie gar keinen Einfluss darauf hast. So lange du einen Plattenvertrag hast, kannst du der Plattenfirma nicht sagen: "Jetzt mach doch mal die Platten für die Hälfte". Da ist ne Riesenmaschinerie dahinter und die will auch bezahlt werden.
Das ist halt ein echtes Problem. Dero: Als Band kannst du froh sein, so wie wir, wenn du deine eigenen Sachen selbstständig schreiben, produzieren und mixen kannst. Wer macht das heutzutage noch?
Der Rest obliegt der Plattenfirma. Wenn man das nicht möchte, muß man eine eigene Plattenfirma aufmachen. Dazu brauchst du allerdings dann auch wieder das nötige Kleingeld. Crap: Aber wenn du Bands siehst, die eigene Plattenfirmen haben - die machen ihre Platten auch nicht billiger. Zwischen Händlereinstandspreis und dem eigentlichen Verkaufspreis sind ja auch wieder Differenzen.
Also irgendwie will ja DER Markt... Dero: Der Media Markt... Crap: (lacht) Der Mediamarkt sozusagen, ohne da jetzt Namen nennen zu wollen oder Schleichwerbung zu machen. Dero: Der Saturn vielleicht auch... Crap: ..will auch dran verdienen, aber ich frag mich halt auch wo die Reise dann hingehen soll?


Mira: Wozu brauchen wir immer neuere, tollere CD-Komplett-Luxusversionen?

Dero: Was heißt Luxus?
Die Bonusversion ist ja die Limitierte. Die ist wirklich mit allen Extras gefüttert. Das ist sozusagen die Belohnung für die Fans, die gleich als erstes in den Laden gehen.
Wenn es die Scheibe nicht mehr gibt, können sie sagen: "Hey wir haben sie!!". Wenn da ein paar dabei sind die sagen: "Ich brauch eigentlich gar kein Booklet" dann kriegen die eben eine abgespeckte Version. Ich müßte es auch nicht haben, aber wenn die Plattenfirma meint sie müsste es so machen. Das ist ja bei allen SonyBMG Produkten mittlerweile so, ob das nun - (zu Flux) nenn mir mal nen Namen... Flux: Alexander Klaws Dero: Nee, nen internationalen Act. Flux: Shakira Dero: Ob es nun ne Shakira CD ist oder ne OOMPH! CD - die werden alle so rausgebracht. Oder ne "Revolverheld". Mehr fallen mir auch nicht ein die jetzt bei BMG unter vertrag sind.


Mira: A propos Revolverheld: Der Track "Die Schlinge" beinhaltet eine Melodie aus Ennio Morricones Soundtrack zu "Spiel mir das Lied vom Tod".
Wolltet ihr sozusagen einmal eine etwas andere "Coverversion" machen oder wie kam es zu dem Song?

Dero: Weil wir immer schon Lust hatten einen schönen Soundtrack musikalisch umzuwandeln.
Wir sind schon immer große Filmfans gewesen und haben das mit einigen Stücken probiert. Und Ennio Morricones "Man with a harmonica" war der erste Song bei dem es geklappt hat. Das ist natürlich ne besondere Herausforderung gewesen, weil das Original ja gar keinen Text und Gesangsmelodie hat.
Da haben wir gedacht: wir nehmen uns jetzt das Hauptelement des Songs und machen ein OOMPH! Lied draus. Wir mußten natürlich uns die Rechte von Herrn Morricone und Konsorten holen. Das hat ein bisschen gedauert aber es hat geklappt.
Er fand den Song gut und hat gesagt "Könnt ihr machen!".


Mira: Was sind eure persönlichen Favoriten auf dem Album "GlaubeLiebeTod"?

Crap: Sehr schwer zu sagen. Im Endeffekt finden wir ja alle Songs Klasse, sonst hätten wir sie ja nicht auf CD gebrannt und (sehr betont) gebannt.
Bei mir ist es stimmungsabhängig. Es ist auch so, dass ich irgendwann nicht mehr meine eigne Musik höre. Du hörst die so häufig beim komponieren und produzieren. Irgendwann ist das Thema dann für dich durch. Du ziehst die dir danach vielleicht noch ein- zweimal rein.
Und dann erst auf Tour wieder. Dero: Das Laster des Musizierens ist, dass du diesen Abstand des normalen Konsumenten gar nicht mehr haben kannst.
Als Musiker analysierst du, sezierst alles auf musikalischer Ebene so, dass du gar nicht mehr vorbehaltlos Musik geniessen kannst. Du hörst dann einen Song bis er fertig ist vielleicht 500 mal. Spass macht das Anhören dann erst wieder auf der Bühne.


Mira: Warum habt ihr gerade den provokanten Song "Gott ist ein Popstar" für die Singleauskopplung gewählt?

Dero: Weil es ein guter Song ist! Tanzbar, catchy, wie man so sagt, provokativ. Ich denke Provokation einzusetzen, um auf sich aufmerksam zu machen, ist legitim.
Es ist ja zum Glück keine Provokation zum reinen Selbstzweck. Es ist ein Hintergrund da.
Aber wir konnten wir ja gar nicht absehen, dass RTL uns beim Echo und bei Top Of The Pops wieder auslädt, obwohl wir da eigentlich spielen sollten. Denn als wir den Song geschrieben haben und selbst als er schon fertig war, gab es diese Mohammed-Karikaturen Diskussion noch gar nicht!
RTL berief sich aber dann darauf. Sie sagten in etwa: "Im Kontext des Karikaturen- Streites können wir unseren RTL Zuschauern nicht zumuten vielleicht religiös verletzt zu werden." Das hat mich ehrlich gesagt ein bisschen überrascht. Denn RTL ist nun ein Sender der nicht gerade für Sensilbilität gegenüber seinen Zuschauern bekannt ist. Da wird rund um die Uhr Sex and Crime im amerikanischen Stil gezeigt.
Deswegen versteh ich das eigentlich nicht wirklich.
Ich denke der Grund für unsere Ausladung hat auch damit zu tun, dass wir mit dem Lied und mit dem Video, dass ja nicht nur auf die religiöse Ebene zu reduzieren ist, bewiesen haben, dass wir Casting Kritik üben. Mira: Aber das ist ja eigentlich auch ersichtlich.

Dero: Ja!
Und das war auch der Hauptgrund warum sie uns ausgeladen haben. Weil wir nämlich die heilige Kuh von RTL - "Deutschland sucht den Superstar" damit ansatzweise geschlachtet haben.
Das hat denen einfach nicht gepasst. Wir haben denen zu ehrlich den Spiegel vorgehalten. Dieser ganzen schönen heilen Popwelt.
Aber so ein mittelschwerer Skandal hat ja einer Band noch nicht wirklich geschadet…


OOMPH! - Flux Dero Crap Mira: Welches Lied wird die nächste Auskopplung?

Crap: Die nächste Auskopplung wird auf jeden Fall "Das letzte Streichholz".
Wir haben vor drei Tagen das Video dazu gedreht mit einem neuen Regiesseur - Ken Duken, eigentlich eher bekannt als Schauspieler.
Es war auf jeden Fall wieder arschkalt wie bei jedem unserer Videos. Unser Fluch ist, dass wir immer drehen wenn es Jahresbeginn ist. Diesmal war es in einer uralten Villa die auch schon seit Jahren leer stand und dann so richtig schön ausgekühlt war. Da haben wir dann zwei Tage gedreht. Das war zwar schön aber auch ganz schön kalt. Mira: Hab ich das richtig interpretiert, dass es in "Das letzte Streichholz" um Missbrauch geht?

Dero: Natürlich ist das auch eine Interpretationsebene. Ich versuche meine Texte immer so anzulegen ,dass sie möglichst viel interpretatorischen Spielraum lassen.
Dass sich jeder sein eigenes Bild in seine eigene Gefühlswelt reinmalen kann.
Oft kommen nach unseren Konzerten Leute auf uns zu und sagen "Mensch, den einen oder anderen Song hab ich halt so empfunden.." , wo ich dann manchmal denke: "Daran hab ich jetzt eigentlich nicht gedacht aber na klar jetzt wo du mir das sagst könnte man das auch so interpretieren", was ich toll finde. Es gibt nichts schlimmeres als Musik, die gleich von vornherein nur auf eine Art und Weise interpretiert wird und zwar von allen gleich.
Das wäre total langweilig.
Natürlich weist dieser Titel auch die Missbrauchsebene auf, klar.


Mira: Ihr geht ja bald auf Tour. Wie laufen die Vorbereitungen für eure Show?
Könnt ihr ein paar Kleinigkeiten dazu verraten, was die Besucher und langjährigen Fans live erwarten wird?

Flux: Mit der Tour sind wir natürlich auch schon in Vorbereitung. Es ist ja natürlich noch ein bisschen Zeit. Am 18. Mai geht die Tour los.
Aber wir haben uns schon Gedanken gemacht, welche Stücke wir spielen werden und wir werden uns in den nächsten Tagen mit mehreren Licht- und Bühnenedesignern treffen, um zu entscheiden, welches Konzept wir dann nehmen werden.
Wir wollen auf jeden Fall wieder eine visuelle Unterstützung der Musik haben, wie beim letzten Mal. Aber letztendlich gehts uns in erster Linie darum, daß die Leute die Musik hören und die Performer sehen können. Dass da eine energiegeladene Performance rüberkommt und daß wir zusammen mit den Fans ne richtige Party feiern. Bei uns wird man nicht das sehen, was man schon bei anderen Bands perfekt zu sehen gibt. Sprich diese Flammen und Dauerexplosionen usw. . Das war nie unser Ding und wird es auch in Zukunft nicht sein. Dero: Es gibt ganz viele Bands, die eine Art Monolog auf der Bühne abfeiern. Irgendwie feiert sich die Band nur selber auf der Bühne und das find ich immer ein bisschen negativ.
Man sollte am Ende aus dem Konzertsaal gehen und sagen, dass man gefühlt hat, dass Band und Publikum eins waren.
Eigentlich sollte die Band von vornherein auch immer signalisieren dass sie dankbar ist, für jeden Einzelnen ist der gekommen ist und auch mit jedem Einzelnen die Party feiern. Und das ist uns bisher auch immer gut gelungen.
Ich spreche auch grundsätzlich immer ins Publikum. Das ist für mich die visuellste, die körperlichste Form den Leuten zu zeigen, dass man eins ist mit ihnen.


Mira: Nicht nur auf der Bühne versucht ihr eins mit dem Publkum zu werden.
Ihr hattet gerade eine Diskussionsrunde mit Schülern im Rahmen des Religionsunterrichts. Wie war das?

Dero: Das war toll.. Crap: Das Interessante dabei war, dass sie nicht wußten, dass wir kommen.
Es waren 2 oder 3 Religionslehrerinnen die das geplant haben. Das war eine ganze Jahrgangsstufe der 10.Klassen. Alles 17-18jährige.
Die Hausaufgabe war am Tag davor: "Wenn die Band theoretisch da wäre, was würdet ihr ihnen sagen wollen?" und da haben die sich Fragen überlegt. Morgens haben sie dann tatsächlich gehört, dass wir da sind.
Da gab es dann ein großes Bambule und das war superschön und sie haben sehr intelligente Fragen gestellt. Dero: Lass mich mal kurz einhaken. Wer in der 10. Klasse 18 ist, der hat ja irgendwas falsch gemacht.. Crap: Waren die nicht 18? Dero: Nee die waren so 15. Flux: 15, 16. Crap: Haben die nicht 18 gesagt? Dero: In der 10. Klasse Realschule sollte man schon... Crap: Aber ich hab mindestens ein oder zwei 18jährige gesehen. Mira: Die sehen manchmal auch älter aus. Crap: Das kann auch sein, ja. Flux: Die haben da generell Songs untersucht zum Thema Gott, Glaube und Religion. Auch Madonnas "Like a Prayer" war mit dabei. Und... Dero: Xavier Naidoo, wahrscheinlich.. Flux: ..Xavier Naidoo und die Soulsinger Rapsoul, die auch bei unserer Plattenfirma sind. Sie haben über die Songs gesprochen und hatten sich da richtig Fragen überlegt und rosa Kärtchen vorbereitet.
RTL war auch noch da, überraschenderweise, die das gefilmt haben. Allerdings RTL-Regional also nur in Westdeutschland zu sehen.
Die meinten zumindest dass sie das Ganze auch bringen.
Da kamen natürlich auch Fragen zu dem RTL-Echo Ausladungs-Ding die wir auch beantwortet haben.
Man weiß ja nicht wie der Bericht hinterher aussieht. Vielleicht schneiden die das ja dann auch raus. Wir haben den Bericht jedenfalls noch nicht gesehen.


Markus: Seit 15 Jahren macht ihr Musik. Richtig los gings aber erst 1999. Hat sich rückblickend was in eurer Mentalität geändert, nach dem Erfolg?

Dero: Gar nicht. Natürlich muß man grundsätzlich sagen, dass wenn man sich als Mensch weiterentwickelt, man sich natürlich auch als Musiker weiterentwickelt.
Zumindest wenn du ehrlich deinen emotionalen Status Quo in deiner Musik widerspiegelst.
Ich denke es gibt genug Bands die sich gar nicht weiter entwickeln. Der Hauptgrund dafür ist: "Die Nummer sicher. Es war kommerziell erfolgreich also brauch ich auch nichts zu ändern".
Aber eigentlich ist das verlogen, denn normalerweise verändert sich jeder Mensch im Laufe der Zeit, menschlich. Normalerweise müsstest du dich analog dazu auch musikalisch weiter entwickeln oder verändern. Das heißt, Bands die seit mehreren Alben eigentlich identisch klingen, lügen nach geraumer Zeit. Markus: Denkst du dabei an bestimmte Bands? Dero: Das muß jetzt jeder für sich selber entscheiden welche Band auf Nummer sicher geht. Es gibt ja genug Bands, wo man einen Song gehört hat und dann die ganze LP schon kennt.
Aber das war bei uns nie der Fall. Wir sind schon immer ne Band gewesen, die auch Überraschungsmomente setzen kann.
Zum Beispiel ist es auf dem aktuellen Album das erste Mal, dass ich einen Song mit "Spoken Word Performance" mit einem Gedicht gemacht habe.
Irgendwann haben wir mal das erste Duett gemacht mit Nina Hagen.
Wir versuchen immer wieder neue musiklaische Türen zu öffnen und uns ständig weiter zu entwickeln. Das bringt im positivsten Fall auch mit sich, dass man den Hörer immer wieder überrascht. Der muß dann natürlich auch genug Wandlungsfähigkeit mit sich bringen. Bei uns muß man schliesslich genug Wandlungen ertragen können.
Wenn man allein nur stellvertretend für unsere Wandlungsfähigkeit den Wandel von unserem Debütalbum "Oomph!" hin zum zweiten "Sperm" sieht- das Debütalbum war ja relativ Elektronik dominiert und das Zweite schon relativ gitarrisch. Wer also den Übergang vom Ersten zum Zweiten ertragen hat der ist uns auch treu geblieben bis jetzt, zum neunten Album.
Es ist eine tolle Sache, dass wir uns eine breite Fanbasis erarbeitet haben die musikalisch relativ offen und relativ tolerant ist.
Keine musikalischen Inzüchtler.
Das ist vielleicht auch ein Grund warum wir ein realtiv buntes Publikum haben auf den Konzerten. Es ist nicht nur eine Coleur von Menschen was ich auch langweilig fände. Da ist vom typischen Gothic-Freak, über den Metal Anhänger und Hardcore oder Punks bis hin zu Otto-Normal Verbrauchern oder alten electronic-body Music Fans alles vorhanden und das find ich auch toll.


Markus: Ihr habt mit L'ame Immortelle, die ja eher für seichten Gothic stehen, zusammen gearbeitet. Wie kam es dazu? Wildert ihr in anderen Bereichen? Oder war das für euch ne Herausforderung da ein bisschen Anspruch in die Sache zu bringen?

Dero: Das kam zufällig zustande weil wir bei derselben Plattenfirma sind. Crap: Der Song ist ja von uns. Wir entscheiden immer recht spontan wenn wir solche Duetts machen wollen.
Den Song gabs halt und da gabs halt die Überlegung ob man da vielleicht n Duett draus macht.
Und die Stimme von Sonja, ja Sonja heißt sie. haben wir da mit reingenommen, weil die einfach interessant war.
So war es ja damals bei Nina Hagen auch, das war ne superspontane Idee:
Der Song war als erstes da. Wir haben überlegt wer einen schönen Kontrast zu der Stimme von Dero bringen könnte? Und da kamen wir sehr schnell auf Nina Hagen. Wir haben sie dann angerufen, sie kannte uns schon und fand uns gut und war dabei.
Bei L'ame Immoretlle war es halt ähnlich. Markus: Ihr produziert ja auch selber... Crap: Wir machen alles komponieren, produzieren... Dero: Kontrollfreaks! Bei allen unseren Duetten war es so, dass wir die Songs geschrieben haben und uns dann ne Duettpartnerin gesucht haben. Der Song hätte eigentlich heißen müssen: "Oomph! featuring Sonja Kraushofer" aber sie wollte dass L'ame Immortelle genannt wird.


Markus: Dero, du hast vor fünf, sechs Jahren das Studium der Psychologie angefangen. Betreibst du das noch?

Dero: Im Moment hat man natürlich überhaupt gar keine Zeit mehr dazu. Studieren mußt du ja eigentlich schon relativ intensiv.
Ich interessiere mich natürlich noch privat dafür und kaufe mir immer wieder diverse Literatur zum Thema, aber das kann man jetzt kein intensives Studium mehr bezeichnen.
Ich schließ jetzt aber nicht aus, dass wenn es irgendwann mal OOMPH! nicht mehr geben sollte, ich es dann mal zu Ende mache. Ich denke, es gibt genügend steinreiche Musikerkollegen, die ich therapieren könnte. (lacht) Markus: In welchem Semester bist du gerade? Dero: Ich hab erst anderthalb Jahre studiert. Also nichts, womit man angeben könnte.


Markus: Ihr seid miteinander befreundet, kennt euch teilweise aus Kindertagen. Was hat bei euch Vorrang: die freundschaftliche Beziehung oder der Anspruch an eure Arbeit?

Flux: Das muß man gar nicht gegeneinander abwägen. Das eine geht bei uns mit dem anderen Hand in Hand. Bei dieser zwischenmenschlichen Ebene ist es wie bei einer alten Ehe, wo man die Vor- und Nachteile des anderen kennt.
Das hat einen Vorteil bei der Arbeit, weil ich genau weiß, wer mir dabei hilft, wenn ich mal nicht weiterkomme.
Andererseits: in Diskussionen und Streitgesprächen kann es dann sehr schnell verletzender werden, weil man die Schwächen der anderen natürlich auch kennt.
Wenn man über Musik diskutiert - und wir drei haben ja immer sehr starke Meinungen zu bestimmten Themen - dann kommt man oft an einen Punkt, wo es eigentlich nur noch Geschmackssache ist und man sagen könnte "find ich gut, find ich schlecht" nur da hören wir dann nicht auf sondern diskutieren weiter und suchen Argumente und dann driftet es natürlich auch ins Persönliche ab. Es gibt sehr harte und lange Diskussionen. Aber wir sind ja keine Mädchen… ...böser Blick von Mira zu Flux, dann Lachen... Flux: Wir zicken ja nicht rum. Am nächsten Tag ist dann alles wieder gut. Dero: Wir haun uns ordentlich in die Fresse und dann ist das Thema erledigt. Flux: Es gibt eigentlich nur zwei Modelle in ner Band, die funktionieren, entweder gibts da einen Diktator, der Chef ist und die anderen fügen sich und sind auch zufrieden in dieser Rolle und haben gar keinen Anspruch kreativ mitzuarbeiten. Oder das Modell, dass ne Band demokratisch ist. Und das ist bei uns der Fall. ja! Dero: Bei uns gibts das real existierende Diktat der Proletarier. Markus: Es gibt ja nur Proletarier. allgemeines Lachen Dero: Genau! Mira: Vielen Dank für das Interview, wir hoffen es hat euch gefallen? Dero: Na klar! wie sagt man so schön nach gutem Sex? "Hat's dir genauso gefallen wie mir?"


 

März 2006 Interview geführt für HELL-ZONE von Mira Sommer und Markus Bandhomepage: www.oomph.de © HELL-ZONE / März 2006 Rückblick: OOMPH! beim WOODSTAGE Open Air 2005 >>


Tags: OOMPH

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