Interview zum HOD Radiosampler – Dark Allure

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hazzard-of-darkness.jpg "Dark Allure" Radiosampler- Jörg Jobst (Jojo) im Interview mit HELL-ZONE.de
Juni 2010

"Unser Sampler soll in erster Linie unsere Dankbarkeit gegenüber den vielen Bands ausdrücken die uns in den Jahren begleitet haben und Bands, die wir gut finden die Chance geben sich einer breiteren Masse vorzustellen. "

 

 

Radio HaZZard of Darkness, der bekannte Sender in der Deutschen Schwarzen Webradioszene veröffentlicht mit „Dark Allure“ seinen ersten Sampler beim renommierten Label Echozone.

Zeit sich mit dem Radio und dem Sampler  ausgiebiger zu beschäftigen und so führten wir ein sehr interessantes und ausgiebiges Interview mit dem Betreiber des Radios Jörg Jobst.


 
HELL-ZONE (HZ): Bevor wir auf euren Sampler zu sprechen kommen: Erzähle uns doch ein bisschen was zum Sender und wie es möglich war mit Echozone, ein mittlerweile doch bekanntes Deutsches Szene Label als Partner gewonnen zu haben.

Jojo: Ich kenne den Chef von Echozone Jörg Tochtenhagen schon etwas länger durch intensive Albumbemusterungen für das Radio und auch auf anderer, (beruflicher) Ebene. Irgendwann kam uns im Radio die Idee zum Sampler und Jörg war gleich interessiert und begeistert. So ergab es sich das wir nach kurzer Überlegung Echozone als für uns passendes Label ausgesucht haben. Ich muss aber auch erwähnen dass wir von anderen Labels sehr interessante und faire Angebote bekamen. Letztendlich zählten für uns aber auch Dinge, die außerhalb des Business liegen und nichts mit Geld zu tun hatten.
Das Radio HAZZARD OF DARKNESS gibt es seit dem 19.08.2006. Mit den Jahren wuchs und reifte es mehr und mehr, auch mit den Aufgaben und dem selbst auferlegten Auftrag den wir haben, nämlich zu unterhalten, zu unterstützen und zu informieren. Wir sehen uns in erster Linie mal als Partner für ambitionierte und ehrgeizige Bands aus der Schwarzen Szene die die Chance bekommen ihre Musik einer breiten Hörerschaft vorzustellen. Natürlich sind wir auch immer sehr nah am Tagesgeschehen und blicken mit Stolz auf die vielen und tollen gemeinschaftlichen Aktionen mit diversen Szenegrößen zurück. Dabei schauen wir letztendlich aber auch was unseren Hörern gefallen könnte oder was wir unbedingt unseren Hörern vorstellen wollen.
Hinter dem Ganzen stehen einige Leute, die verantwortlich tätig sind und ein tolles und motiviertes Moderatorenteam das aufgrund der individuellen Persönlichkeiten in der Lage ist abwechslungsreich, überraschend und flexibel die Sendungen zu gestalten.
Einfach mal rein hören, Spaß haben und sich ein eigenes Urteil bilden.
    
 

HZ: Mit den Jahren, gerade in den letzten Beiden schießen Dunkle Webradios wie Pilze aus dem Boden. Siehst Du das als Bereicherung, Überflutung oder Modeerscheinung?

Jojo: Ich nehme es mit Verwunderung aufgrund der Überreizung zur Kenntnis. Jeder hat ja das Recht mit seiner Zeit und seinem Geld zu tun was er möchte. Was man nicht tun sollte ist die Leute hinters Licht zu führen was Hörerzahlen betrifft.
Da ich beruflich u.a. auch mit solchen Dingen zu tun habe und mich viele Bands, Labels usw. oftmals danach fragen stelle ich zunehmend fest mit welch dubiosen Angaben versucht wird Vorteile zu erzielen, sich künstlich grösser zu machen als man in Wahrheit ist. Oftmals sind es ehemalige Radiomoderatoren von etablierten Sendern die sich verwirklichen wollen um einen eigenen  Sender zu leiten. Viele verlieren dann aber ziemlich schnell wieder die Lust sobald sie merken was für harte Arbeit dahinter steckt, wie die Freizeit auf ein Minimum zusammen schmilzt und dazu noch die Finanzen belastet. So entsteht dann eine Schwarze Radiowüste. Eine Bereicherung ist für mich immer dann gegeben, wenn neue Radios ein eigenes Konzept haben, neue Sachen anbieten, sich selber ein Gesicht und Charakter verleihen.  Das ist schwerer als man glaubt und, zumindest in unserer Radioszene gibt es kaum noch was, was nicht andere, etablierte Sender bereits seit Jahren umsetzen. Von daher, und das meine ich nicht böse oder abwertend gibt es leider zu viele Kopien. Damit macht man sich und der Szene keinen Gefallen.
Wir bieten z.B. seit April als erstes Radio aus der Schwarzen Szene die erste regelmäßige Label Radioshow an. Dort werden eine Stunde Nonstop Bands vom Echozone Label gespielt und das dreimal die Woche mit immer wechselnden Tracklisten. Weiterhin bieten wir seit Mai auch die erste Printmagazin Radioshow an - in Zusammenarbeit mit dem NEGAtief. Pünktlich zum jeweiligen Erscheinen des NEGAtief gehen wir in der Sendung auf die Themen des Magazins ein und präsentieren u.a. einige Songs aus dem beiliegenden Dark Alliance Sampler. Man muss also immer zu sehen etwas Neues zu entwickeln und hoffen das es nicht wieder abgekupfert wird. Radio machen heißt ja nicht nur Musik in das Programm einzuspeisen und in Chats oder sonstigen Kommunikationsmöglichkeiten herum zu albern. Dahinter steckt harte Arbeit die auch ganz schön an die Substanz gehen kann. Das Alles schafft man aber auch nur wenn man ein starkes Team hat und das können wir mit Stolz behaupten, haben wir. Ich hoffe mal nicht dass Jemand Radio macht wegen einem Modetrend, dann ist das Scheitern schon gesichert. Ebenso sollte man kein Radio aus irgendwelchen gekränkten Gefühlen machen weil man vielleicht irgendwo anders gescheitert ist, denn auch das gibt es. Scheitern ist nicht automatisch auch schlecht, denn daraus kann man ja auch lernen und es nächste Mal besser machen.
Ich kann es auch sehr deutlich sagen: Ein Radio, egal aus welchem Genre hat auch immer einen Auftrag und trägt Verantwortung. Bands, Label, Promoter  und viele andere Leute schenken ihr Vertrauen und bauen natürlich darauf dass die Radioleute ihren „Job“ vernünftig machen. Jedes klassische Bemustern (Zusenden von Promo) kostet Geld, das sollten sich diese Leute auch mal vor Augen halten die den nötigen Ernst vermissen lassen. Eine Bemusterung macht außerdem ja nur dann Sinn wenn genug Leute das Material hören. Dieses Vertrauen sollte man nicht ausnutzen. Will oder kann man das nicht gewährleisten,  dann doch lieber Just For Fun im heimischen Musik-Player wo maximal die Freundin/Freund oder die Nachbarn zuhören.
 

HZ: Wie ist der Umgang unten den verschiedenen Sendern?

Jojo: Grundlegend gilt hier der Leitsatz „Behandel deinen Gegenüber so wie Du selber behandelt werden möchtest“. Wenn das umgesetzt wird gibt es auch keine Probleme. Dass das leider nicht immer klappt mussten wir aber auch mit den Jahren schon feststellen. Wir sind da ziemlich konsequent und dann auch nicht gerade sehr diskutierfreudig wenn man meint uns in irgendeiner Form bedrängen zu müssen.
Im Allgemeinen läuft es aber recht ruhig ab, zumindest kennen wir das so. Zu einigen Kollegen und Radiobetreibern anderer Sender gibt es Kontakt; auch sehr engen. Man tauscht sich aus, unterhält sich über Gott und die Welt, entwickelt manchmal sogar gemeinsame Ideen und hilft sich gegenseitig mit Rat und Tat. Das gesteigerte Konkurrenzdenken ist nach meiner Erfahrung lediglich bei den Sendern ausgeprägt die sich im ganz kleinen und minimalen Hörersegment bewegen und hoffen bei den Großen abschöpfen zu können. Die großen Machtkämpfe oder gar Versuche kleine, neue Sender zu schlucken, was man uns Etablierten ja gerne mal nachsagt gibt es schlichtweg nicht. Wer einmal bei einem Radio wie z.B. unserer Größenordnung war wird wissen, da ist absolut kein Platz, keine Zeit und kein Interesse für Übernahmen oder sonstige seltsamen Machenschaften. Da wird immer gerne mal von Außen was rein interpretiert von Leuten, die mit Zuhilfenahme der Brechstange mehr wollen als sie können und keine Ahnung haben wie eng doch einige Radios zueinander stehen und sich informativ austauschen.
Wir sind für alles offen, werden es auch bleiben und  solange wie man uns vernünftig behandelt und entgegentritt ist doch alles ok. Querelen in welcher  Form auch immer lassen wir nicht zu.
 

HZ: Du sprichst es gerade an, das Thema Querelen. Wie siehst Du die Weblandschaft mit ihren Foren, Chats usw., die ja oft tragende Inhalte bei einigen Webradios sind?
Jojo: (Lacht) Ja, über dieses Thema könnte ich die nächsten Stunden erzählen, da hat sich in den letzten vier Jahren ein dickes Buch an verrückten aber auch gefährlichen Geschichten angesammelt, bis hin zum Stalking.
So gut und interessant wie das Alles ist mit Foren, Communitys und Chats, so intensiv birgt es aber auch Gefahren in sich bis hin zu Realitätsverlusten bei manchen Nutzern. Es ist doch schon verrückt wenn das reale Leben dem Webleben weichen muss nur um sich zu produzieren. Diese Art der Begegnung sollte eigentlich Spaß machen und bereichern. Wir haben da so unsere Erfahrungen mit einigen Leuten gemacht, die ihr gedachtes Wissen und vermeintliche Macht im Web meinen nutzen zu können um andere Nutzer zu bedrängen oder um uns das Leben schwer zu machen. Beides ist einfach nur lächerlich und zeugt nicht gerade von einem sauberen und gefestigten Charakter.
Prinzipiell sehe ich diese Thematik „Web Terror“ jedoch sehr leidenschaftslos. Jeder muss wissen was er zulässt und wie weit er geht. Letztendlich geht das sehr schnell, dass die vermeintlichen Provokateure keine Plattform haben und Gefahr laufen einen rechtswidrigen Raum zu betreten. Das das Web ein unerforschter Tummelplatz für kriminelle Handlungen ist, ist lange vorbei und zeigt leider oft genug mit welchen Problemen die heutige Gesellschaft teilweise zu kämpfen hat. Jedem Webnutzer müsste eigentlich klar sein, das man als Betreiber mal grundlegend das sogenannte Hausrecht beim Betreiben von Homepagen, Foren und Chats hat.
Glücklicherweise mussten wir bis jetzt nur einmal, vor 2 Jahren unsere Rechtsabteilung einschalten um entsprechend mit einer Unterlassungs-und Schadensersatzklage Ruhe und Recht zu schaffen. Das macht einfach überhaupt keinen Spaß. Da fragt man sich was das bringen soll, warum man so weit geht das man Gefahr läuft eine dicke Strafe zu kassieren. Die Leute verwechseln solche Dinge wie BGB, STGB und Medienrecht und meinen man wäre machtlos. Wie viele rechtliche Möglichkeiten jeder Radiobetreiber und somit im öffentlichen Interesse stehend hat wird erst dann klar wenn das Schreiben des Rechtsanwaltes auf dem Tisch liegt.
 

HZ: Hätten Leute bei euch aktuell eine Chance Radiomoderator zu werden?

Jojo: Klar, warum nicht?
Grundsätzlich schauen wir uns jede Bewerbung an und freuen uns über das Interesse bei uns einzusteigen zu wollen. Ob wir unser Team dann erweitern hängt davon ab, ob Derjenige die von uns gewünschten Qualitäten mitbringt, sich halbwegs in der Szene, musikalisch wie im Allgemeinen auskennt und ob es menschlich passen könnte. Da wir ein sehr reges Teamleben haben ist uns die menschliche Seite sehr wichtig. Einzelkämpfer oder Leute, die einen gesteigerten Darstellungstrieb haben hätten nur eine sehr kurze Zeit bei uns.
Radio machen ist und bleibt Teamarbeit und dementsprechend muss man sich eingliedern und auch unterordnen können, egal wo man im Sender steht oder welche Position und Aufgaben man hat.
 

HZ: Kommen wir nun zu eurem Sampler "DARK ALLURE". Was war euch am wichtigsten was der Sampler rüber bringen soll?dark allure flyer
 
Jojo: Auf den Punkt gebracht: Keine Ansammlung von immer gleichen Bands und immer gleichen Songs mit immer gleichen Remixen. Klar, wir hätten es uns auch sehr einfach und simpel machen können und hätten die großen Bands kontaktet. Nur wo ist da dann der Reiz?
Die großen Namen als Verkaufsargument und als Werbepuppen im eigenen Sinne zu nutzen bzw. zu BEnutzen? (Lacht) Wer lässt sich denn heutzutage davon noch beeindrucken? Außerdem ist das nicht fair und zu egoistisch.  Ich verstehe einen Sampler immer als etwas Besonderes.
Kein Mensch braucht Song XY oder Band XY zig mal auf irgendwelchen Samplern. Man muss Musik entdecken und Bands kennen lernen können, es soll eine musikalische Abenteuerreise sein.
Das was bei uns drauf ist, ist eine kleine Auswahl des Salzes in der Suppe. Wenn man diese Bands und die vielen anderen unbekannten tollen Musiker nicht unterstützt wird die Schwarze Musiksuppe irgendwann mal sehr fade und langweilig schmecken. Und wer trinkt schon gern Spülwasser ?
 

HZ: „Dark Allure“ ist nicht der erste Radiosampler. Wo lag der Reiz für euch darin trotzdem einen Sampler auf den Markt zu bringen.
Jojo: Langeweile? (lacht) Nein, natürlich nicht. Die Idee einen Sampler zu machen ist nicht neu und schon seit zwei Jahren in unseren Köpfen. Wir haben uns damit einfach Zeit gelassen, weil wir 1. Neulinge als Sampler-Anbieter waren und 2. auch Nichts überstürzt machen wollten. 
Einen Sampler zu veröffentlichen bedarf wesentlich mehr als Bands zu finden die mitmachen wollen. Man braucht professionelle Leute für die Produktion, ein starkes und ehrgeiziges Label, Partner die einen unterstützen und letztendlich auch die genügend starke Power so ein Projekt durchzuziehen.
Solche Leute und Dinge findet man nicht mal eben im Vorbeigehen, da ziehen viele Wochen ins Land bis es passt, sich entwickelt und das gegenseitige Vertrauen aufgebaut ist. Unser Sampler soll in erster Linie unsere Dankbarkeit gegenüber den vielen Bands ausdrücken die uns in den Jahren begleitet haben und Bands, die wir gut finden die Chance geben sich einer breiteren Masse vorzustellen. Wir möchten sie damit wieder ein Stück weit unterstützen und zugleich dem Käufer was in die Hand geben wo wir sehr von überzeugt sind das unser Sampler die Musiksammlung und Szene bereichert. Eine ansprechende Mischung aus sehr vielen talentierten Newcomern und etablierten Musikern. Von daher ist in diesen Sampler auch eine Menge Herzblut geflossen.
Alleine das Auswahlverfahren zog sich sehr in die Länge und war absolut spannend. Es waren einfach so viele tolle Bands mit in der Auswahlphase dabei dass mir oft das Herz blutete sie aus Platzmangel  nicht auf den Sampler packen zu können. Wir hätten auch einen Drei oder Vierfach-Sampler machen können, nur das hätten meine Nerven dann nicht mehr ausgehalten (lacht) und das Label hätte mir vielleicht einen Vogel gezeigt.
Nach 1 kommt bekanntlich 2 und wer weiß, vielleicht überfällt mich mal demnächst wieder ein Anflug von Langeweile (lacht) und „Dark Allure 2“ geht in Planung.
Das wir dabei obendrein noch einen Preis anbieten können von 9,99€ für einen Doppel-Sampler zeigt, dass wir damit sicher kein großes Geld verdienen werden und den Käufer nicht ausbeuten wollen. Unser Labelpartner Echozone hat dafür Freiräume geschaffen wofür wir sehr dankbar sind. An dieser Stelle mal ein dickes Dankeschön an Jörg Tochtenhagen und seine Crew! Ohne deren Unterstützung, Geduld und Ehrgeiz wäre es nicht möglich gewesen.
Wie „Dark Allure“ schon aussagt: Der Sampler hat seinen gewissen „dunklen“ Reiz, eine Verlockung Bands und Songs kennen zu lernen die nicht so extrem im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Obendrein haben wir unzählige, in der Mehrzahl unveröffentlichte Songs dabei! Wenn wir damit mehr Aufmerksamkeit auf die eine oder andere Band lenken können und im Endeffekt auch auf unseren Sender freut es uns umso mehr und unser Ziel mit dem Sampler wäre erreicht.
 

HZ: Wann fingen denn die Arbeiten zu „Dark Allure“ an?

Jojo: Vor zwei Jahren. Vom „Wir wollen“  bis  „Jetzt nun wirklich“ gab es viele, viele Zweifel. Anfänge und Ideen wurden wieder verworfen, neu überdacht  und oft flog dann Alles Erarbeitete wieder auf den Müll. Das Kollegen anderer Webradios da schon Sampler machten in der Zwischenzeit spielte keine Rolle für uns. Es ist ja nicht so dass wir müssen nur weil Andere was machen. Wir machen, weil wir Lust drauf haben, den Bands ehrlich helfen und unseren Hörern und den Leuten aus der Szene was Tolles anbieten wollen.
So richtig ernst wurde es Anfang diesen Jahres wo wir uns überlegten dem Kinde nun endlich mal zur Geburt zu verhelfen. Alles in Allem standen nach vier Wochen und vielen Gesprächen die tragenden Säulen des Ganzen. Von der Idee bis zum fertigen Produkt vergingen dann nochmal gut 6 Monate. Sicherlich mussten wir unserem eigenen Anspruch auch Tribut zollen, denn einfach nur mal so einen Sampler zu machen ist nicht unser Ding. Ich glaube da ging es uns so wie jedem Musiker und jeder Band die ein Album veröffentlicht. Es muss zu 100% passen und selbst dann findet man im Nachhinein noch was wo man hätte was anders, vielleicht auch besser machen können. Aber wir sind ja lernfähig und falls es überhaupt was gibt was hätte besser laufen können werden wir daraus unsere Schlüsse ziehen.
 

HZ: Dann lass uns mal ins Eingemachte gehen. Der Sampler hat ein Konzept wie man unschwer hören und erkennen kann.
Jojo: Ja, genau. Wie gesagt, es ist ein Doppel-Sampler mit massig vielen unveröffentlichten Songs, nämlich 24! Die Bands haben sich ordentlich ins Zeug gelegt und das finden wir einfach phänomenal. Vielen Dank mal an dieser Stelle an alle Bands die das möglich gemacht haben und uns ihr Vertrauen gaben. Da wurden selbst wir überrascht dass es in dieser Masse möglich war. Die erste CD nennt sich „Plec-Side“, abgeleitet vom Plectrum. Hier finden sich Bands wieder die vordergründig mit Gitarren arbeiten und im Rock- und Metalbereich zuhause sind. Unsere zweite CD, die „Mass-Flow“ (Massenstrom) beschäftigt sich ausschließlich mit Bands der elektronischen Musik. Insgesamt bieten wir 35 Songs auf dem Sampler an, was in dieser Qualität und Masse für einen Radiosampler eher selten ist. Das ist grundlegend mal unser Angebot. Auf die einzelnen Songs und Bands hier einzugehen würde eindeutig zu viel Platz einnehmen. Am Besten kauft man sich „Dark Allure“. Es wird nicht zum Schaden sein und den musikalischen Horizont mit Sicherheit dann auch erweitern.
 

HZ: Wie professionell ihr an den Sampler rangegangen seid zeigt in eindrucksvoller Art und Weise u.a. auch das Artwork.
Wie konntet ihr Annie Bertram (bekannte Foto-und Graphikkünstlerin, u.a. durch Arbeiten für Blutengel, Diary of Dreams, Lacrimas Profundere und Lost Area) dazu gewinnen, eine Künstlerin die erfolgreich Ausstellungen macht, mit ihren Bildbänden und Jahreskalendern immer wieder für  Aufsehen sorgt und auch im Giger Museum präsent war?
Jojo: Ich habe gefragt und Annie hat Ja gesagt. Man sollte vielleicht wissen, dass wir Annie bereits seit ein paar Jahren kennen und befreundet sind. Gut, Freundschaft heißt nicht automatisch dass man auch alles mitmacht. Annie hat schon auch erkannt, dass ihr die Arbeit für den Sampler Spaß machen wird, sie uns damit auch riesig unterstützt.
Annie wusste dass wir mit dem Sampler keine Halbherzigkeiten umsetzen wollen  und sehr professionell vorgehen werden. Das ist ihre Grundvoraussetzung bevor sie überhaupt darüber nachdenkt ob sie eine Arbeit übernimmt. Erfüllt man Annies professionellen Anspruch nicht und ist sie nicht überzeugt von der Idee und vom Konzept kann man eine Zusammenarbeit gleich vergessen, auch wenn man befreundet ist. Das war im Übrigen mit eine Überlegung zum Sampler.
Neben tollen Songs und hervorragenden Bands wollten wir auch was für das Auge machen. Das wir Dank Annies Arbeit (Du hast dich mal wieder selbst übertroffen!) eine ganz besondere Note mit einbringen konnten macht „Dark Allure“ zu etwas noch Besonderem. Dazu noch das Modell Angelique Lang, das rundete das Artwork zu unserer hundertprozentigen Zufriedenheit ab. Da haben wir uns sicherlich auch von unseren Freunden der Band LOST AREA etwas inspirieren lassen, denn deren Alben sind ja immer vollgepackt mit graphischer Kunst von Annie.


HZ: Ab wann ist der Sampler für dich erfolgreich?

Jojo: Meinst du jetzt Verkaufszahlen? Da gehen wir entspannt ran, denn der Verkauf von CDs gestaltet sich ja seit Langem im Allgemeinen sehr schwer. Wir sind ein Radio und keine Band wo der Druck mal ein ganz Anderer ist und die diversen illegalen Downloadportale ihr Übrigens tun um Alben reihenweise zu „zerstören“.
Wenn es denn mal überhaupt den (Verkaufs-)Druck gab so wurde er uns von Echozone genommen. Dort arbeiten professionelle und realistische Leute, die genau wissen was möglich ist und was Träumerei bleibt. Letztendlich liegt es ja an Jedem selber ob er einen besonderen Sampler kaufen möchte. 35 Songs, davon 24 unveröffentlicht, eine brillante Auswahl an Bands, dazu ein professionelles, 12-seitiges Booklet von Annie Bertram für 9,99€ im klassischen Jewel Case. Bessere Argumente den Sampler zu kaufen gibt es nicht. Erfolgreich ist er aus meiner Sicht dann wenn uns die Leute sagen „Hey, toller Sampler, er ist jeden Cent wert und eine Bereicherung“, die Bands dadurch mehr Aufmerksamkeit bekommen, wir ein Signal setzen konnten das Sampler auch interessant sein können. Darin liegt ja auch der Reiz, Bands zu entdecken die (noch) eher unbekannter sind. Wenn wir dann noch ein paar oder ein paar mehr Sampler verkaufen ist es natürlich umso schöner, auch wichtig und gibt uns die Bestätigung und Anerkennung auf dem richtigen Weg zu sein und was Vernünftiges getan zu haben.
 

HZ: Macht ihr es auch so wie viele Bands, nämlich schon mal an dem Nachfolger zu arbeiten?

Jojo: Ähm, nö, oder doch? Nach dem Sampler ist vor dem Sampler (5 Euro für’s Phrasenschwein, lacht).
Wir schauen uns jetzt mal in aller Ruhe die Entwicklung an und werden nach ein paar Wochen mit unserem Label auswerten wie es so lief. Damit es eine Fortsetzung geben kann muss natürlich auch der Absatz halbwegs stimmen. Das heißt aber nicht, dass wir nicht schon wieder Ideen im Kopf hätten was man machen könnte. Momentan ist es aber so, dass wir mit „Dark Allure“ was  ganz Besonderes für uns als Radio geschaffen haben und darauf sind wir sehr stolz und wollen das erst mal genießen.
Ob neue Ideen keimen können, liegt sicher auch mit daran wie der Sampler von den Leuten angenommen wird. Unnütze Veröffentlichungen gibt es schon genug und da werden wir uns bestimmt nicht mit einreihen. Trotzallem sind genug Material und Bands in der Wartschleife für eine Weiterführung und somit möchte ich auch nichts ausschließen. Vielleicht kommt auch was völlig anderes. Auch hier kann ich nur nochmal betonen das wir mit Echozone ein Label als Partner haben die für alle „Verrücktheiten“ offen sind. Das macht die Zusammenarbeit auch so erfolgreich und sympathisch, denn wer traut sich heute noch Experimente zu machen und unterstützt ein Projekt weit über das Branchenübliche hinaus?
 

HZ: Wie wir munkeln hörten plant ihr mit dem Radio eigene kleine Festivals. Erzähl mal was dazu.

Jojo: Ja, das wird ganz bestimmt so sein. Das ist so sicher und glaubwürdig wie die Weltwirtschaft oder die Vorhersage der Lottozahlen (lacht). Fällt mir nix zu ein. Keine Ahnung, aber interessante Geschichte. Nee, mal im  Ernst. Denkbar ist für uns Alles, starke Partner dafür hätten wir sicherlich und Du bist auch nicht der Erste der danach fragt.
Es gibt Leute die drängen uns im positiven Sinne geradezu ein Festival zu organisieren. Aber auch hier ist es ja so wie mit einem Sampler. Das Konzept muss akribisch durchgeplant sein und stimmen, man braucht ein starkes Team dafür und Leute die einem bis an die Schmerzgrenze gehend behilflich sind. Alle drei Säulen aufzubauen bedarf sehr viel Zeit. Ein Festival muss aus meiner Sicht reizvoll sein und damit meine ich nicht dass man zwingend Megaacts im Line-Up haben muss, was anderes bieten wie gewohnt und obendrein noch  kostengünstig für den Besucher sein. Das ist nicht unmöglich aber setzt einige Dinge voraus, die wohl überlegt sein wollen.
Niemand hat heutzutage was zu verschenken und dementsprechend ist ein Festival zu machen immer auch eine ganz heikle Geschichte; gerade wenn es das Erste wird. Was wir schon seit Längerem machen ist Festivals zu unterstützen, wie z.B. in diesem Jahr u.a. das Regensburger Gothic Treffen, das Delta Live Darkening Festival , das NCN Festival in Deutzen/Leipzig als offizieller Partner oder in der Vergangenheit z.B. das Metal For Mercy oder das Rollfeld Festival, was es scheinbar leider nicht geschafft hat, weiter machen zu können. Ein trauriges Beispiel dafür wie schnell ein Festival auch in die Hose gehen kann ohne dass die Veranstalter in grundlegenden Dingen versagt hätten. Was die Zukunft bringt, ob HaZZard mal ein Festival macht wird sich zeigen.
Wenn das hier ein Clubbesitzer oder Veranstalter liesst, der obendrein keine exorbitanten Summen fordert  und zudem noch Mut zur Lücke hat kann sich gerne bei mir melden.
 

HZ: Wie stehst Du zu illegalen Downloads und Digitalisierung der Musik?

Jojo: Da geht mir das Messer in der Tasche auf wenn ich an diese Piratenplattformen nur denke. Das nutzen doch nur Leute, denen es scheissegal ist was für Arbeit, Geld und Liebe die Bands in ihre Musik und Alben gesteckt haben. Illegale Downloads missachten auch aus meiner Sicht den Musiker, die Band und die Songs und zollen dem Gegenüber null Respekt und Achtung. Musik ist Kunst, auch wenn es immer auch Geschmackssache bleibt und nicht immer auch Jedem gefallen muss und soll, so ist der illegale Download klar Kunstdiebstahl.
Ohne Digitalisierung hätte es diese Piraterie in diesem Umfang wohl nicht gegeben. Trotzallem ist die Digitalisierung in ihrer Grundform aber auch ein Segen; wenn man den Klangverlust mal etwas außen vorlässt. Vielen Bands gibt es die Möglichkeit digital zu releasen und die Wege ins Radio, zu den DJ’s, Clubs, zu den Magazinen und Labels ist natürlich auch kürzer.
Alleine bei uns im Sender läuft die Promotionmaschine über einen separaten Server wo unser Team immer aktuell und gut versorgt wird und sich zeit- und menschunabhängig bestücken kann. Somit garantieren wir dass die Songs sehr schnell und ohne Umwege im Programm landen. Man muss einfach hinnehmen wie es ist, auch wenn ich als alter Vinyl-Sammler gerne mal in die gute alte Knisterzeit rein höre, bringen die Digi-Songs auch etwas sehr Bequemes mit sich.
 

HZ: Was wünschst du dir für die Dunkle Webradioszene und was befürchtest du?

Jojo: Lässt sich pauschal nicht so einfach sagen. Allgemein gesehen sicherlich mehr Zuspruch und höhere Akzeptanz in der Szene, gerade bei Bands und Musikern die immer noch völlig unterschätzen wo die Zukunft im Bereich Webradio liegt. Wir bei HaZZard können uns zwar nicht beklagen, ich weiß aber von lieben Kollegen anderer Sender dass sie oft kein Gehör finden und belächelt werden.
Webradios werden immer noch stark unterschätzt. Sicherlich erreicht man (noch) nicht die Massen wie das klassische Radio. Ich sage immer, das es zwar schön ist zig tausend Hörer zu haben, nur was nützt es wenn das Radio meist nur zur musikalischen Berieselung taugt und die Inhalte eher selten wahrgenommen oder nur zum Mitrippen genutzt werden.
Ich erwähne in diesem Zusammenhang nur mal die sehr interessanten Regungen und Aktivitäten seit einigen Monaten seitens diverser Landesmedienanstalten und Aufsichtsbehörden, die längst erkannt haben wo die Zukunft  ist und was Webradios in der Lage sind um zu setzen. Wer jetzt nicht auf den Zug aufspringt wird die Fahrt verpassen und damit meine ich sicher nicht mal wieder ein neues Radio aus dem Boden zu stampfen.
In unserem Bereich der Dunklen Radios, um zu meiner Befürchtung bzw. vielmehr Absehbarkeit zu kommen wird irgendwann mal eine Selbstregulierung dahingehend stattfinden, das die Etablierten noch fester im Sattel sitzen werden und die vielen kleinen Sender spätestens bei dem Kostenmonster Webstreaming & Gebühren scheitern werden, wenn nicht schon eher aufgrund Erfolglosigkeit. Das diese Kosten nicht so bleiben wie sie aktuell sind zeichnet sich ab und sie werden einen ordentlichen Sprung nach oben machen.
Es herrscht ja oftmals der Irrglaube vor ein Webradio kostet nur ein paar Euros. Hier bleibt dann zu hoffen dass die wirklich guten Radioleute sich davon nicht entmutigen lassen und den Weg zu den Etablierten finden um ihrer Leidenschaft weiter nachgehen zu können. Ansonsten bleibt mir nur zu sagen, Jeder für sich und doch auch JA zum kollegialen Umgang  und dienlich für die Szene – dann wäre schon eine Menge erreicht.
 

HZ: Dann bedanken wir uns bei dir für dieses Interview. Abschließend noch letzte Worte von dir?

Jojo: Ich bedanke mich ebenfalls für euer Interesse! Ich wünsche allen Lesern eine entspannte Zeit, am besten mit dem Durchforsten der Hell-Zone Page und dem Musik hören bei HaZZard… und nicht vergessen: DARK ALLURE wartet auf euch ;-)

 
Vielen Dank für das ausführliche Gespräch. Viel Glück und Erfolg in der Zukunft!
 
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