UNHEILIG - Lichter Der Stadt

Geschrieben von Detlef Fink am . Veröffentlicht in CD-Check

UNHEILIG - Lichter Der Stadt

VÖ - Termin: 16.03.2012

Info: Das Ende der Fantasie...

UNHEILIG - Lichter Der Stadt -

Label: Vertigo-Universal

Veröffentlichung: 16. März 2012 Stil: Pop-Rock

 
Damit auf keinen Fall auch nur der Anschein einer eventuell allgemeingültig gemeinten  Aussage zum besprochenen Album aufkommt, schreibe ich ganz bewusst diese Rezension in der ICH - Form. Am 07. November 1989 stand John C. Fogerty, der ehemalige Mastermind der legendären CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL vor Gericht und wurde vom Vorwurf des Selbstplagiates frei gesprochen.
Unheilig Lichter der Stadt 2012 Dieser Sachverhalt fiel mir sofort ein, als ich mir das neue Album des Grafen LICHTER DER STADT das erste Mal zu Gemüte führte. Ein gelungenes Album, wird nicht nur die Plattenfirma sagen, und diese Meinung durch die Verkaufszahlen bestätigt bekommen. Die Fans von GROSSE FREIHEIT werden zugreifen, Uraltfans wie ich, die nicht von der Fahne gegangen sind, als der Graf sich aufmachte, den Mainstream zu erobern, werden zugreifen und neu durch die Medien Angeworbene werden kaufen. Doch wie ist es um die Halbwertzeit dieses Albums bestellt? Um im Kopf haften zu bleiben, scheint mir das Album zu geschliffen und zu angepasst. Es gibt zu wenige Kanten, die es auch nach mehreren Durchläufen noch interessant machen. Es verkommt zu schnell zu einer klanglichen Tapete. Sie ist da, ohne zu stören und sie drängt sich nicht auf. Das Album passt somit hervorragend ins Formatradio.
Dabei ist sehr vieles irgendwie bei UNHEILIG schon einmal da gewesen, musikalisch und textlich. Da helfen auch die zwei Gesangspartner nicht. Sie werden im bekannten Sound untergerührt, ohne Akzente setzen zu können. Das Album rammsteint nur an wenigen Stellen, ansonsten wird mit unheiligen Sprachbildern geschmeidig geooooooht, pathetisch aufgestiegen, den Sternen gefolgt, es sollen Schultern verschenkt werden und es wird das Leben geflutet. Dabei haben nur ganz wenige Songs einen solchen emotionalen Tiefgang, wie ich es eigentlich von UNHEILIG erwarten darf.
 
Bei allen bisherigen Veröffentlichungen von UNHEILIG hatte ich nie Schwierigkeiten, einen Sinn in die Texte zu interpretieren. Ich fand zumindest für mich einen Sinn, unabhängig davon, was  der Künstler vielleicht sagen wollte. LICHTER DER STADT zeigt mir nun die Grenzen meiner Fantasie auf. Auf diesem Album finden sich Lieder, deren Texte ich nicht deuten kann, oft auch nicht in den Fällen, wo der Graf in den bekannten Szene-Zeitschriften Hinweise gegeben hat. Ein gutes Beispiel dafür ist das rammsteinige "HERZWERK", die erste Nummer nach dem viel versprechenden Intro. Mit diesem Song charakterisiert der Graf nach eigener Aussage die Großstadt!? Naja, für mich werden da bekannte UNHEILIG - Schlagwörter aus dem aktiven Textschatz des Künstlers zusammengereimt, ohne dass sich eine für mich schlüssige Aussage ergibt.
Auf "SO WIE DU WARST", einem Titel mit latentem Shantycharme, kann ich mir einen Reim machen. Nur widerspricht meine Interpretation der des Grafen gewaltig. Für mich ist der Titel so eindeutig eine weitere Verlustaufarbeitung, die mit "AN DEINER SEITE" begonnen hat. Was ist an diesem Titel ein Song für die Fans, die Familie, die zu Hause bleiben, wenn der Künstler auf Tour ist, wie der Graf es im Frühstücksfernsehen verbreitete? So um die Ecke denkt wohl niemand. Wer Hufgetrappel hört, denkt zumindest in Europa zuerst an Pferde und nicht an Zebras. der Graf - Livefoto 2010 Fotograf Falk Scheuring
 
"TAGE WIE GOLD", "DAS LEBEN IST SCHÖN", "LICHTER DER STADT", "VERGESSEN" und "ZEITREISE", das Duett mit XAVIER NAIDOO, sind typischer, guter UNHEILIG-Pop, der sich in diesem Fall aber nicht so richtig im Hirn festsetzen will. "WIE WIR WAREN" hat die gleiche Qualität. Aus dieser Nummer hätte mehr werden können, wenn man das Demo auf der Bonus-CD hört. ANDREAS BOURANI, der Gesangspartner bei dieser Nummer, weicht den Titel ganz schön auf und lutscht ihn so rund, dass er ins Format passt. "UNSTERBLICH" ist im positivsten Sinne so was von UNHEILIG! Da reiben sich Text und Musik an der Seele der Fans. "FEUERLAND" ist für mich eine unheilige Beschreibung einer Großstadt. Aber auch hier ergibt sich für mich kein wirklicher Sinn im Text. Der Künstler selbst wird ihn schon kennen.
 
Ganz großes Kino ist "EIN GUTER WEG", geschrieben unter den Eindrücken nach dem Besuch bei Fans in Hospizen. Das ist mutig, das hat Tiefgang. Das sind UNHEILIG, wie man sie sich wünscht und eigentlich auch erwarten durfte. Genau so gelungen ist "EIN GROSSES LEBEN". Hier setzt der Graf das fort, was er mit "MEIN STERN" vom Album  MODERNE ZEITEN 2006 begonnen hat. Aus dem kleinen eher noch naiven Wesen, über und für das damals gesungen wurde, ist nun ein kleiner Mensch geworden, der schon bewusst lebt und für den mit "EIN GROSSES LEBEN" die Wünsche aktualisiert wurden. "EIN GUTER WEG" und "EIN GROSSES LEBEN" sind für mich die emotionalen Höhepunkte des Albums. "BRENNE AUF" interpretiere ich als ein Lied des gläubigen Grafen. Solche textlichen Anspielungen auf eine höhere Macht gab es auch schon in den letzten zehn Jahren des Schaffens des Grafen. Der "EISENMANN" rammsteint gewaltig und bietet textlich erfreulich neue Sprachbilder. Kurzzeitig mutiert der Graf zu Graf Frankenstein. Dieser Titel macht Spaß und wird zu einem leuchtenden Wolkenkratzer zwischen den Plattenbauten der ansonsten eher nur schummrig beleuchteten Stadt. Mit dem Instrumental "DIE STADT", einer fetten Zusammenfassung einiger musikalischer Themen des aktuellen Werkes, entlässt mich dann der Graf nach 16 Titeln aus seiner auf diesem Album nur schwer durchschaubaren Gedankenwelt.
 
Ich kann mir gut vorstellen, dass der Fan, besonders der Fan der ersten Jahre, von diesem Album enttäuscht ist. Zu sehr stagniert der Graf künstlerisch und versucht, vielleicht sogar nur unbewusst, die Fans zu befriedigen. Das funktioniert unter Umständen noch mit diesem Album. Wenn der Graf aber seinen Weg so weiter geht, wie er es mit LICHTER DER STADT getan hat, muss er beim nächsten Album dann unbedingt aufpassen, dass er nicht in die gleiche Bredouille gerät, wie seinerzeit John Fogerty!
 
 
CD1 / LICHTER DER STADT
           
1. DAS LICHT (INTRO)                
2. HERZWERK
3. SO WIE DU WARST
4. TAGE WIE GOLD
5. WIE WIR WAREN
6. UNSTERBLICH
7. FEUERLAND
8. LICHTER DER STADT
9. EIN GUTER WEG
10. EIN GROSSES LEBEN
11. BRENNE AUF
12. ZEITREISE
13. DAS LEBEN IST SCHÖN
14. EISENMANN
15. VERGESSEN
16. DIE STADT
CD2 / PRODUKTIONSDEMOS 1. BRENNE AUF
2. DAS LEBEN IST SCHÖN
3. SO WIE DU WARST
4. EIN GROSSES LEBEN
5. EIN GUTER WEG
6. HERZWERK
7. WIE WIR WREN
8. UNSTERBLICH
9. VERGESSEN
10. ZEITREISE
 

Tags: Unheilig

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