1. BLACKFIELD FESTIVAL - Sonntag

Geschrieben von HELL ZONE am . Veröffentlicht in Photoreports 2008

Heimataerde

Bericht zum Blackfield Festival 2008 - Sonntag

 
Gelsenkirchen - Amphitheater                                             
06.07.2008 
 
Solitary Experiments ++ Schelmish ++ Reaper ++ Heimataerde ++ Assemblage 23 ++ Spetsnaz ++ [:SITD:] ++ The Crüxshadows ++ Schandmaul ++ Lacrimosa

 


LACRIMOSA

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Am dritten Festivaltag hieß es zeitig in Gang kommen, denn als Opener standen die Berliner Jungs von SOLITARY EXPERIMENTS bereits um 12 Uhr auf der Amphi-Bühne. Zur Freude der Band hatten sich zu der doch sehr frühen Stunde eine ansehnliche Fanschar eingefunden. Das neuerdings mit einem Drummer zum Quartett angewachsene Projekt erfreute denn auch ohne Umschweife mit elektronisch tanzbaren Beats. Im Mittelpunkt stand natürlich Sänger Dennis, der souverän durch das leider viel zu kurze Set führte. Gerade als die Leute richtig in Schwung zu kommen schienen, ging die show nach 30 Minuten mit dem neuen und genialen Stück „Seele Bricht“ zu Ende.
Setlist SOLITARY EXPERIMENTS:
  1. No Surrender
  2. Delight
  3. Road to Horizon
  4. Rise and Fall
  5. Pale Candle Light
  6. Seele Bricht

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 Zügig wurden auf der Bühne die Keyboards von fleißigen Händen gegen allerlei mittelalterlich anmutendene Utensilien eingetauscht. Sackpfeifen, Flöten, Schalmeien, Harfen, Bouzouki, Drums und  Percussioninstrumente plus E-Gitarren schaffte man eilig heran, denn  SCHELMISH (gegründet 1999 / bisher 7 Alben) standen auf dem Programm. Uns war die Band schon von akustischen Auftritten im heidnischen Dorf während eines Wave Gotik Treffens bekannt. Nun standen sie also mit teils elektronischer Verstärkung auf einer ungleich größeren Bühne. Die wurde denn von den acht Musikern mit viel Leben gefüllt. Und wer die Band schon kennt, weiß dass es bei ihnen in alter Spielmannsmanier deftig bis witzig zugeht. Dies betrifft Liedtexte genau so wie Einlagen zwischen den Songs. Höhepunkt war unbestritten der Strip des männlichen Bandmitglieds Luzi. So wurden auch die letzten müden Geister mit der Mischung aus lockeren Sprüchen und Rockmusik aus der Mittagslethargie gerissen.

 

 

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Von nun an ging es sehr elektronisch weiter im Tagesprogramm. Als erstes stand das düstere Danceprojekt REAPER von Vasi Vallis an, der live von zwei Keyboardern begleitet wurde. Treibende geradlinig technoide Beats, sparsam gepaart mit Vocaleinsätzen sorgten für ekstatische Bewegungen im Pulk vor der Bühne. Für Erfrischung des Trios sorgte zwischen zwei Stücken Ronan Harris (VNV NATION) höchstpersönlich, indem er auf der Bühne Bier servierte. Den würdigen Abschluß des REAPER-Set bildete das wirklich geniale „She is a devil and a whore“!blackfield-reaper.jpg

 
Setlist REAPER:
  1. Angst
  2. Execution Of Your Mind
  3. Robuste Maschine
  4. Twisted Trophy Hunter
  5. X-Junkie
  6. She is a devil and a whore
 

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Aus Wikipedia zitiert: „Der Projektname „Heimatærde“ hat einen vampirischen Hintergrund, der von der Tempelritter-Thematik begleitet wird. Er bezeichnet einen utopischen Ort, der dem Vampir Schutz verheißt und seine Reinkarnation ermöglicht. In der Heimatærde liegt er tagsüber; sie bewahrt ihn vor Verfall und verbirgt ihn vor dem Licht.“

Mittelalter und Rockmusik miteinander verwoben kennen wir schon zur Genüge. Mittelalterliche Klänge (wenngleich bis auf eine Flöte nicht live vorgetragen) plus elektronische Beats, DAS ist schon etwas ungewöhnlich. Liveauftritte waren in der Anfangsphase seit Gründung im Jahr 2004 nicht vorgesehen. Erst eine Uraufführung im Rahmen des WGT 2007 gab die Initialzündung. HEIMATAERDE, die Mannen um Ash, zelebrierten ihre Show und haben augenscheinlich schon eine ganze Schar Fans für sich gewinnen können. Martialisch, teils blutig geschminkt und mit bösen Gesichtern flankieren zwei mit Lanzen bewaffnete Knechte den in Rüstzeug gekleideten Sänger.

Etwas Authentizität der Szenerie geht durch das helle Tageslicht und den verschmitzt zum Publikum schauenden und teils lächelnden Frontmann Ash verloren. Ash mußte auch schon mal „hart“ durchgreifen und die nicht gerade befreundeten Kämpfer aus einem Handgemenge heraus voneinander trennen. Für eine unerwartete Einlage sorgte eine Windböe, welche einige Utensilien wie Schilde und Songtexte fast von der Bühne fegte. Doch dies wurde von den Akteuren mit Humor genommen. Im Anschluß an die Show standen die Bandmitglieder (abseits der show übrigens alle sehr freundlich und symphatisch) in ihrem Show-Outfit  spontan für Fotos und kurze Gespräche mit den Fans bereit.

HEIMATAERDE Mastermind Ash meint zum Blackfield:

„Für Heimataerde war es ein besonderes Erlebnis im heimatlichen Ruhrgebiet auf der Bühne stehen zu dürfen. Auch wenn der Wind uns einiges abverlangt hatte. So konnten wir unsere, extra für die Liveauftritte produzierten Videoprojektionen nicht zeigen, sowie unsere Backdrops nicht aufhängen. Die letzte Bühnendeko fiel mitten im Konzert auch noch dem Winde zum Opfer. Aber auch wenn es nur eine abgespeckte Show war, die wir dort unseren Fans bieten konnten, hatten wir eine menge Spass und feierten mit den Leuten bis zum letzten Takt.Ich bin auch sehr froh, dass der Gastauftritt von Dennis Schober so gut geklappt hat. Zum proben blieb da ja keine Zeit, so das wir einfach improvisieren mussten. ...(grinst) . Alles in allem ein sehr feines Festival, mit einer tollen Blackfield-Crew und klasse Fans.“

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 Setlist HEIMATAERDE:
  1. Intro
  2. Der Verfall
  3. Vater
  4. Gib mir
  5. Wiedergaenger
  6. Pater Noster
  7. Heimataerde
  8. Sie zerrt an mir
  9. Lebloser Koerper
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Seltener Deutschlandbesuch aus den USA war mit Tom Shear alias ASSEMBLAGE 23 in Begleitung von Paul Seegers (Keyboard) and Kevin Choby (Drums) nach Gelsenkirchen gekommen. Gefühlvolle Balladen und melodisch tanzbare Ohrwürmer, natürlich immer auf elektronischer Basis, sind das Gebiet auf dem Tom seit Jahren Erfolge verbuchen kann. Wer kennt sie nicht die Clubstürmer wie „Naked“ oder „Document“? Insgesamt lieferte man einen soliden Auftritt ab, dem es allerdings etwas an showmäßigem Kick fehlte.
Setlist ASSEMBLAGE 23:
  1. Binary
  2. Naked
  3. Opened
  4. Sorry
  5. Drive
  6. Document
  7. Let the Wind Erase Me
  8. Disappoint
spetsnaz.pngNach NITZER EBB am Vorabend, gelang es dem nach Zwistigkeiten in der Vergangenheit wieder zusammen gerauften Duo SPETSNAZ, die EBMer zu erfreuen. Stampfend schnörkellose Beats plus die Shouts eines wild posenden und ständig von einer Bühnenseite auf die andere wechselnden Pontus Stålberg wurde von seinem hart an den E-Drums wirkenden Partner Stefan Nilsson begleitet. „Reign of Wolves“ und „Perfect Body“ (Stefan zeigte uns in der Ankündigung seinen „Waschbrettbauch“ ;-) ) durften im knapp einstündigen Set selbstverständlich nicht fehlen.
 
 
 

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Ein Heimspiel bestritten [:SITD:] mit diesem Auftritt im Ruhrgebiet und wurden entsprechend von den Leuten gefeiert. Das Trio zählt mittlerweile zu den angesagtesten Szene-Electroacts in Deutschland. „Shadows In The Dark“ sorgten mit ihrem Aggrotech-Sounds vom aktuellen Erfolgsalbum Bestie:Mensch für ein gut gefülltes Amphitheater und bestens gelauntes Publikum, welches jetzt auch auf den Rängen tanzte. Für ‘Suffering in Solitude’ übernahm Keyboarder und Mastermind Tom Lesczenski das Mikrofon von Carsten Jacek und beeindruckte mit seinem Gesangspart.
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Diese Party hätte nach dem Willen der Fans noch weiter gehen können. Mit einer neuen Version von „Snuff Machinery“ wurden sie als Ausklang der Show schließlich befriedigt. 
 
Setlist [:SITD:]:
  1. Herbsterwachen
  2. Stammheim
  3. Rose Coloured Skies
  4. Lebensborn
  5. Suffering in Solitude
  6. Laughingstock
  7. Richtfest
  8. Snuff Machinery (special version)
 
 
cruxshadows.pngDas schier endlose Touren der Band aus den USA, bei welcher Rogue alle Fäden fest zusammen hält hatte zuletzt  einen gewissen Tribut gefordert. So gab es einige Ausstiege aus der Band und in Gelsenkirchen kamen die CRÜXSHADOWS nun in neuer Besetzung mit 4 neuen Mitgliedern auf die Bühne. Aktuell sind THE CRÜXSHADOWS: Rogue, Pyromantic, Valerie Gentile, David Wood, Johanna Moresco sowie den zwei Tänzerinen und Backgroundsängern Jessica Lackey und Sarah Kilgore.Die CXS-Fans warteten zu Anfang der Show dicht gedrängt vor der Bühne und schauten, wo Rogue nun bleibt, jedoch hätten sie es bereits besser wissen müssen, denn Rogue wählt grundsätzlich den Weg von hinten, mitten durch das Publikum.
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Anschließende Klettereinlagen auf Boxen und balancieren auf den schmalen Absperrgittern während er singt, gehören einfach schon zum Programm. Der Mann scheint nicht stillstehen zu können und auch sonst läuft die ausgefeilte Show, das Zusammenspiel der Akteure wie am Schnürchen und fasziniert den Zuschauer.
 
 
Setlist THE CRÜXSHADOWS:
  1. Intro
  2. Immortal
  3. Foreverlast
  4. Sophia
  5. Dragonfly
  6. Deception
  7. Marilyn my Bitterness
  8. Winterborn
  9. Happy Birthday

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Bereits seit 10 Jahren machen SCHANDMAUL gemeinsam Musik. Wie schon am Vorabend vorher bei den Co-Headlinern (Svbway To Sally), hatte sich auch heute eine große Menge, teils wohl eigens für die Band angereister Fans eingefunden. Leider hatten vorm Start der Show die Techniker wohl wieder mit Problemen zu kämpfen und SCHANDMAUL enterten verspätet die Bühne. Mit Blick auf das vollelektronische Programm des Nachmittags deutete Sänger Thomas lächelnd hinter sich auf die Bühne und erklärte: „Das ist übrigens ein Schlagzeug!“ .

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Ich kann nicht genau sagen was es war, aber mit der Band kam ein frischer Wind in den Nachmittag. Auf jeden Fall übertrug sich die lockere Art und die enorme Spielfreude des Sextetts sofort auf das Publikum. Sie ließen uns, ganz nach dem Willen ihres aktuellen Albums für 60 Minuten in die „Anderswelt“ eintauchen. Im Grunde machen SCHANDMAUL Folkrock, jedoch bringen die Bandmitglieder allesamt eigene Stile mit ein. Ansprechende deutsche Texte lassen die Nachricht direkt bei allen Zuschauern ankommen. Wer jetzt noch auf seinem Sitzplatz im Rang des Amphitheaters verweilte, wurde schon mal mit einem deftigen Spruch von Sänger Thomas Lindner angeraunzt, doch Mitzutanzen. – Alles natürlich mit einem Augenzwinkern versehen. Thomas zeigte hohe Entertainer-Qualitäten und sorgte maßgeblich für die gute Stimmung auf und vor allem vor der Bühne. Optisch wie akustisch unterstützt wurde er bei seiner Aufgabe von Martin Duckstein, Birgit Muggenthaler, Matthias Richter und auffallend in vorderer Front Anna Katharina Kränzlein an Geige und Drehleier. Doch auch das schönste Konzert geht einmal zu Ende und nur ungern entließen die Fans ihre Band.

 
 
 Setlist SCHANDMAUL:
  1. Herren der Winde
  2. Leb!
  3. Lichtblick
  4. Wolfsmensch
  5. Das Tuch
  6. Die letzte Tröte
  7. Missgeschick
  8. Fiddlefolkpunk
  9. Frei
  10. Gebt acht!
  11. Der letzte Tanz
  12. Walpurgisnacht
  13. Dein Anblick

lacrimosa.pngLiveauftritte sind zur Zeit rar, denn LACRIMOSA arbeiten an einem neuen Album.blackfield-lacrimosa2.jpg So blieb dieser Auftritt zum Blackfield Festival 2008 eine Besonderheit. Trotz eines Gehstocks als Stütze betrat Tilo Wolff zum Stück „Ich bin der brennende Komet“ majestätisch die Bühne und zelebrierte in den folgenden gut 70 Minuten die teils schwere Kost, welche die Band so berühmt machte. „Allein zu zweit“, „Alles Lüge“ und „Der Morgen danach“ sind nur beispielhaft Stücke aus dem Set, die man einfach auf sich wirken lassen muß und die live aufgeführt für Gänsehaut sorgen. Inzwischen war es dunkel geworden und die untermalenden Videos im Hintergrund plus dezenter Einsatz der Lichtshow entfaltete zusammen mit der Musik ihre volle Wirkung.

Auch Anne Nurmi tauschte für einen Song das Keyboard mit Tilo und wir konnten ihrer zarten Stimme, die sonst nur im Background zu hören ist, lauschen.

Um genau 23 Uhr war dann leider ohne die geplante Zugabe Schluß, denn die Genehmigungen für das Festival ließen keine Überschreitungen zu.

 
 

Als Fazit für das Festival bleibt uns nur ein fettes „Gelungen“ und „Danke an die Veranstalter“ zu sagen!

Die Ankündigung, dass es auch 2009 ein BLACKFIELD geben wird, löste bei den Anwesenden für Jubel. Das allein bezeugt wohl, das dieses neue Event aus Besuchersicht einen sehr gelungenen Start hingelegt hat. Wir sehen uns 2009 in Gelsenkirchen!  :-)

 
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