MONO INC. - Leipzig - Bericht 2011

Geschrieben von Mandy Privenau am . Veröffentlicht in Photoreports 2011

MONO INC. auf "Viva Hades" Tour

Leipzig - Werk II - 15.04.2011

Sozusagen nach der Winterpause geht allmählig die schöne Konzertzeit 20011 wieder los. Mitte April stand schon ganz lange ein besonderer Tourauftritt auf meiner Konzertagenda: MONO INC mit ihrer neuen Tour passend zu ihrem neuen Album mit dem selbigen Namen: Viva Hades.

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Copyright Fotos: Mandy Privenau


 
19 Uhr stand als Einlasszeit an diesem wunderbar lauwarmen Aprilabend  im WERK 2 in Leipzig auf den Eintrittskarten und pünktlich zum Öffnen der Tore strömten auch schon wirklich viele wartende Fans durch den Eingang. Später sollte ich sehen warum. Denn bei einem beinahe ausverkauften Konzert, das bedeutet 3000 Mann, muss man zeitig da sein um sich die besten Plätze zu sichern. Alle schienen gut gelaunt und heiterer Stimmung. Meine Nachfragen nach der Vorband blieben leider ungehört, mehr als den Namen LORD OF THE LOST und ein paar CD Cover konnte ich nicht herausfinden. Bisher mir noch gänzlich unbekannt war ich gespannt, wen sich Martin Engler und Combo als Vorband auserkoren haben. Hätte man mir gesagt wo „The Lord“ auch anzutreffen sind … aber dazu später.
Erst einmal musste leider eine gut 30 minütige Verzugzeit überstanden werden bis sich das Bild der Vorband für mich etwas klären sollte.Nicht wie geplant 20 Uhr, sondern eher gegen 20.30 Uhr standen dann LORD OF THE LOST auf der Bühne. 2 Gitarristen die durchaus für das weibliche Publikum nett zum Ansehen waren, und eine Schlagzeugerin nahmen ihre Positionen ein. Sicherlich ein gutes Omen das Schlagzeug für diesen Abend den Damenhänden zu überlassen!
Natürlich braucht ein Lord den entsprechende Auftritt und so erschien Frontmann Chris Harms mit den ersten Klängen von „Son oft he Dawn“ in Lederhose und langem Mantel. Passender hätte der Titel wohl nicht gewählt werden können, um ein gewisses Standing deutlich zu machen. Jetzt hatte ich ein Gesicht zum Bandnamen und alles wurde stimmig: Klar, als Gitarrist von Big Boy ist er mir mit seinem Posing, der charmanten Art mit der Kamera zu flirten und den Tattoos bereits 2007 als Gitarrist von BIG BOY vor die Linse gelaufen und seit dieser Zeit ziert dieses entstandene Bild meine Wohnung. Weiterhin aktiv ist er als Sänger bei UNTERART, unterstützt THE PLEASURES und war auch schon bei PHILIAE dabei. Aber anscheinend war dies nicht genug für Multitalent und Workaholic Lord, ein Soloprojekt komplettiert seine musikalische Vielfältigkeit seit der Erstveröffentlichung in 2008. Doch LORD OF THE LOST sollte eine etwas andere musikalische Richtung einschlagen als ich es erwartet hätte. Düster atmosphärisch, emotional und melancholisch muten die Stücke an, verlieren aber niemals den rockigen Charakter.  Wie beschreibt es Chris selbst: Lord of the Lost ist Musik „für traurige Mädchen und haupthaarschüttelnde Jungs“. Das Soloprojekt bietet dem Frontmann nun die Möglichkeit, düstere und melancholische Songs zu veröffentlichen, Thematiken anzuschneiden die ihn selbst bewegen und beeinflussen. Diese Art der Musik ließ sich bisher nur schwer mit einem der anderen Projekte vereinbaren, da diese Bands bereits ihren bestehenden Charakter haben und behalten sollen. Zudem sind alle Bandmitglieder auch Freunde und stehen dem Leader der Band nahe, also warum nicht das angenehme mit dem Nützlichen verbinden? Das Set war musikalisch wunderbar abgestimmt. Vor allem das neue Album „Antagony“, aber auch der Vorgänger „Fears“, lieferte viele schöne Stücke in dem insgesamt 10 Song starken Auftritt ab. Immer wieder suchte Lord den Kontakt zum Publikum und band dieses in seine Performance mit ein. Der Knoten platzte bereits beim 3ten Song, einem Cover von „Bad Romance“, dass die meisten Anwesenden wohl am ehesten mit Lady Gaga in Verbindung bringen.  Schön inszeniert, dem „Lord-Stil“ angepasst und dennoch ein wenig „Gaga“ enthalten geblieben. Die Stimmung war schon jetzt bombastisch und so gingen auch die folgenden Songs „Fragmenting Facade“, „Prison“ und „Do You Wanna Die Without A Scar“ leicht von der Hand und unter die Haut… im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Lord war so in Ekstase, dass er sich mit beiden Händen, inklusive der spitzen Nägel an dessen Enden, einmal quer von unten nach oben über den durchaus attraktiven Oberkörper fuhr… Die vierfurchigen Striemen waren kurze Zeit später als Ergebnis dieser Gefühlsäußerung wohl kaum einem Besucher entgangen. Ein weiterer kleiner Höhepunkt war der Kracher „Sex on Legs“, gefolgt von „Prison“ und „Epiphany“ – alle drei ebenfalls wieder vom Album „Antagony“. Metal-lastige Elemente wie das urtypische Grollen der Stimme und Brüllen in den tiefsten Basstönen kam nicht zu kurz und lud nicht nur die langhaarigen Herren zum euphorischen Kopfnicken ein. Den Abschluss machte die 4er-Gruppe mit den sehr romantischen Songs „Break Your Heart“ und „Dry The Rain“ vom FEARS-Album. Mit einer gemeinschaftlichen Verbeugung und der Übergabe an Mono Inc  verließen Bassist Class Grenayde, Gitarrist Bo Six, der Lord himself und die eine Dame hinterm Schlagzeug Amy Wayst nach rund einer Stunde die Bühne.
Setlist LORD OF THE LOST:
Son Of The Dawn
From The Cradle To The Grave
Bad Romance
Fragmenting Façade
Prison
Do You Wanna Die Without A Scar
Sex On Legs
Epiphany
Break Your Heart
Dry The Rain
Nach einer halbstündigen Umbaupause konnten dann Mono Inc die nahezu gänzlich gefüllte Halle rocken. Die Bühne hatte man bereits bei Lost oft he Lords verbreitert und mit einem Steg hinein in das Publikum versehen. Nun sollte sich auch herausstellen weshalb. Auf einem weiter hinten angebrachten Podest zeigten sich, hinter einem überdimensionalen und beleuchteten Mono Inc Banner, die Umrisse von Schlagzeug inkl. Schlagzeugerin Katha. Links und rechts daneben erkannte man deutlich die Umrisse der beiden Gitarristen Carl und Manuel. Nach einigen wenigen Takten des Openers „Admiration Hill“ vom neuen Album, fiel der Vorhand und der Blick auf die bereits anwesende und überaus gut beleuchtete Band wurde frei. 
 
Wiederrum wenige Takte später betrat Sänger Martin Engler unter tosendem Geschrei und Beifall die Bühne. Stilecht wie immer in historischer Napoleon-Uniform begrüßte er das Publikum und flirtete mit den Presse-Fotografen. Diese angenehme Publikumsnähe zog sich durch das gesamte Programm. Immer wieder trat Martin in Dialog mit den Fans, schüttelte ihre Hände oder zwinkerte dem ein oder anderen zu. Dabei wirkten diese Gesten absolut stimmig und nicht künstlich aufgesetzt. Man merkte allen Bandmitgliedern an, wie froh und gleichzeitig erstaunt sie waren, so ein riesen Publikum anzutreffen. Später erläutere Herr Engler auch noch genau das Gefühl als Hauptakt vor einer ausverkauften Mannschaft stehen zu dürfen und nicht nur als kleine unbedeutende Randgruppe im Vorprogramm: "Ein Wahnsinnsgefühl und kaum zu beschreiben" umriss er es wörtlich. Dauerhaft wurden alle Songs mitgesungen und durch rhythmisches Klatschen begleitet. Die Bühnenshow und die Interaktion der Bandmitglieder untereinander war ebenfalls stets abwechslungsreich und bot immer etwas Neues zum Schauen. Vor allem von Katha's Soloparts lenkte nichts ab, sondern sie allein stand im Mittelpunkt und gab wirklich alles auf ihren Drums.Mono INC KathaEtwas Ruhiges hatten Mono Inc im Mittelteil des Sets eingeplant. Der Akustikeinschub bot nebenbei den Raum zur Kommunikation mit den Fans, zur Darstellung der Namensgebung des neuen Albums "Viva Hades" und für den einen oder anderen Schwank aus dem Leben eines Musikers.
Nun wissen auch alle Fans, dass Musiker (sobald sie Geld verdienen) umziehen müssen und das geht nur nach Berlin in die Gothenstrasse 1. Da wohnen nämlich alle tollen Musiker gleich in der Nachbarschaft, so Martin Engler. Nebendran hat man Saltatio Mortis und zum Beispiel den Teufel wohnen, mit dem er Absinth trinken war und dann auf dessen durchgelegenen Sofa versackt ist....
Oder auch einige Eingänge weiter den Graf von Unheilig. Die hierauf folgenden „Buh-Rufe“ verstummten schnell als klar wurde, dass Mono Inc sich zum Grafen und Unheilig bekennen, ihm den  Erfolg gönnen und er weiterhin ein netter Kerl für sie ist.
 
Viva Hades – „das Erwachen der Hölle“ bekam vor allem in der Veröffentlichungswoche durch die Geschehnisse im japanischen Fokushima erschreckenden Realitätsbezug. Aber auch auf andere Missstände unserer Gesellschaft, die das diesseitige Leben zu einem Leben vergleichbar mit dem in der Hölle verkommen lassen, sprach man an. Damit stimmte man das partywütige Volk vorerst nachdenklich. Die Worte von Sänger Martin um dieses Thema zu beenden: „Lebe jeden Tag als würde es dein Letzter sein!“ fanden reißenden Zuspruch und holten die Fangemeinde zurück in ihre aufgeweckte Heiterkeit.
Anschließend wurde das Publikum mit „The Passanger“ – einem Iggy Pop Cover – wieder auf die musikalische Schiene zurückgeführt und zum Mitsingen animiert. Nach Ankündigung einer kurzen Aufzeichnung für das Tour TV Tagebuch durch Kamerafrau Katha Mia jubelten alle was das Zeug hergab als dann die Cam auf sie gerichtet war.
Auch Katha Mia hatte ihren Soloauftritt. Mit einer einzigen Trommel platzierte sie sich mittig auf dem Steg und verhalf durch die Vorgabe vom Takt allen zu einem rhythmischen Aufschrei. Der Abend fand sein Ende im vorläufigen Höhepunkt mit „Voices of Doom“, wo noch einmal alle die letzten Dezibel aus ihren Stimmen holten und dem Aufruf des „…sing to me….“ folge leisteten. Jetzt war erst einmal Schluss, aber bei derart lauten Zugabe-Rufen konnte die Band nicht lange auf sich warten lassen und kehrte zur Zugabe zurück. Nach insgesamt 2 weiteren Zugabeen endete dieser Abend mit den Zeilen von „Get Some Sleep“ nach fast 2 Stunden Mono Inc pur. Setlist:
Admiration Hill
Forgiven
My Sick Mind TV
A Love That Never Dies
Comedown
Gothic Queen
Viva Hades
Avalon
Martin Acoustics
Sleeping My Day Away
If I Fail
This Is The Day
Temple Of The Torn ? Katha Mia
Revenge
Voices of Doom
Symphony Of Pain
In My Heart
Get Some Sleep
Fazit:
Eine wirklich spitzenmäßige Wahl für die Vorband, die dem Publikum den nötigen Drive für den Hauptact mitgeben konnte und eine neue und lohnenswerte Entdeckung und Erweiterung für meinen eigenen Musikfundus.
Mono Inc selbst überzeugten mit Menschlichkeit, Nähe zu ihren Fans und einem absolut sauber abgestimmten Set, sowie einer irren Licht- und Bühnenperformance.
Wer die Möglichkeit hat vielleicht noch eines der Zusatzkonzerte zu besuchen, sollte dies auf jeden Fall tun. Ich habe selten einen so toll abgestimmten und rockigen Abend erlebt!

 

 

 
 
 

 

 

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