1. GOTHIC MEETS KLASSIK
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Copyright Fotos: Falk Scheuring
Das Experiment eine großartige Erfolgsgeschichte! – So kann man es kurz und knapp in nur fünf Worten zusammenfassen. Am vergangenen Wochenende wurde in Leipzig von der Szene an 2 Tagen gefeiert, wie es stilistisch unterschiedlicher kaum geht. An der Abendkasse hieß es nach ein paar Restkarten „Ausverkauft!". Eine Mixtur der beliebtesten und vornehmlich elektronischen Bands zog die Fans in den Bann. Den Part des Opener durften die Newcomer CHROM einnehmen. Danach ging es einfach nur Schlag auf Schlag mit RABIA SORDA, STAUBKIND, BLUTENGEL (die heute augenscheinlich die meisten Fans mitgebrachten) und als Headliner VNV NATION. Ronan Harris brannte ein bekanntes Feuerwerk aus dancig-technoiden und auch melancholischen Stücken ab und flitzte unentwegt auf der Auensee-Bühne hin und her. Dazu hatte er die volle Liveunterstützung mit zwei Keyboardern (unter anderem Tom Lesczenski von [:SITD:] und selbstverständlich Mark Jackson an den E-Drums dabei. Bei diesem Anblick zusammen mit der Feiermeute konnte man sich kaum vorstellen, was weniger als 24 Stunden später im ehrwürdigen Leipziger Gewandhaus vonstatten gehen sollte....
Ein Schwenk auf den nächsten Abend. Es ist 18 Uhr im Zentrum von Leipzig. Am Brunnen des Augustusplatz finden sich kleine Grüppchen von zumeist sehr elegant gekleideten „Schwarzromantikern“ ein. Viele sind sehr aufwändig gestylt und geschminkt. Ein Anblick welcher angenehm an das jährliche WAVE-GOTIK-TREFFEN erinnert. Gemeinsam strömen sie zu Einlassbeginn dem Gewandhaus zu. Man fühlt praktisch diese, auf das Kommende, gespannte Atmosphäre.
Heute gibt es keine Stehplätze, alle Gäste werden vom Personal des Hauses zuvorkommend ihren Plätzen zugewiesen. Gedämpftes Licht, die Musiker vom ORCHESTER DER PHILHARMONIE ZIELONA GÓRA nehmen ihre Plätze ein. STAUBKIND sind an der Reihe: In Persona Louis Manke betritt das Parkett und beginnt mit „Zu weit“. Die Zuschauer sind beeindruckt, das merkt man deutlich. Nach den letzten Klängen brandet euphorischer Beifall auf und spätestens nach dem nächsten Stück „Dein Engel schweigt“ ist klar: STAUBKIND funktionieren auch klassisch. Louis kommt sehr natürlich rüber und harmoniert sehr gut mit der Orchesterbegleitung.01 Zu weit
02 Dein Engel schweigt
03 Wenn Du schläfst
04 Kannst Du mich seh‘n
05 So nah bei mir
Auch diese Stücke wurden vorab sorgfältig ausgewählt und waren von Konrad Oleak in das klassische Gewand umarrangiert worden. Hochachtung für diese Arbeit! „Soultaker“ hört sich als erstes Stück großartig an, wie einfach alle anschließend dargebotenen Stücke. So ruhig das Publikum der Musik lauscht, möglichst noch ohne Husten und Räuspern, je mächtiger entlädt sich die Freude in tosendem Applause am Ende von wirklich jedem Stück. Selbst die erfahrenen Musiker scheinen von dieser Euphorie erstaunt und blicken sich um und hinauf zu den Besucherrängen. Auf eine Performance können und wollen BLUTENGEL nicht verzichten. Deshalb tänzelt auch eine nur leicht bekleidete Dame im Hintergrund der Bühne, oberhalb des Publikums, umher. Ob dies nun irgendjemand in diesem heutigen Kontext interessiert sei einfach mal dahin gestellt... Standing Ovations nachdem der letzte Ton von „Reich mir die Hand“ verklungen ist. Chris bedankt sich artig bei allen Beteiligten. So richtig sichtbar wird seine Freude oder Stolz über diesen Auftritt jedoch nicht, obwohl er sich warmherzig bedankt. Zu wenig passen Gefühlsausbrüche zu dem Kunstprodukt BLUTENGEL. Das sollte dann beim Headliner ganz anders aussehen, doch davon ahnten wir in dem Moment noch nichts.02 Nachtbringer
03 Über den Horizont
04 Ein Augenblick
05 Behind the mirror
06 Die with you
07 Seelenschmerz
08 Reich mir die Hand
Dann setzt er sein iPad mit den Songtexten in den Notenständer, um sogleich mit einem kleinen Handzeichen um Ruhe zu bitten, welche auch im Handumdrehen eintritt und absoluter Stille Platz macht. Die ersten Klänge, Ronan beginnt mit geschlossenen Augen zu singen, die Fans erkennen „Nova“ und es stellt sich eine Gänsehaut ein, die sich das ganze Konzert nicht wieder legen wird. Unglaublicher Jubel im Anschluss, den dieses Haus zumindest nach dem ersten Stück eines Künstlers wahrscheinlich nicht so kennt. Ronan kommentiert: „Bitte...., es kommt ja noch Was!“ - ein Lachen allerseits. Ich bin ehrlich, VNV NATION mit seiner geballten musikalischen Live-Energie, das konnte ich mir bis zu dem Moment nicht in dem Format „Klassik“ vorstellen. Doch Oleak hat es geschafft den Stücken neue eigene Kraft zu geben, auch ganz ohne Bass und Beats. Und Ronan legt sich förmlich in die Stücke hinein, er fühlt sie, das merkt man deutlich. Bei „Standing“ versagt plötzlich sein Mikro den Dienst. Das Publikum leidet mit dem Künstler und Ronan bekommt gedämpften Extra-Beifall. Spürbares Azufatmen im Saal als er endlich mit Erstz weiter singen kann. "Bitte, bitte heute einmal NICHT mitsingen!" , diesen Wunsch äußert Ronan vor „Perpetual“. Das Stück ist bei normalen Konzerten zur Hymne der Fans geworden. Und wirklich fällt es heute relativ schwer, nicht selbst mit einzustimmen. Ungewöhnlich für ein Klassik-Konzert gibt es sogar eine Zugabe.
"I have no words to describe tonight except to say that if there was a high point in my life then this was it tonight! I was never so emotional, never so able to live every word i'd written, never so able to feel fragility and victory simultaneously. I felt so beautifully human and felt my soul sing through me.... ."
02 Legion
03 Solitary
04 Further
05 Standing
06 Illusion
07 Beloved
08 Perpetual
„Wir haben einen Fehler gut zu machen“, mit diesen Worten wurde „Standing“ noch einmal ohne Technikausfall dargeboten. Ein mehr als würdiger Ausklang dieses denkwürdigen Abends, der sich auch bei uns förmlich ins Gedächtnis eingebrannt hat.
Als emotional und nachhaltig beeindruckend empfanden dies ebenso alle Gäste, die den Auftritt mit frenetischem Jubel quittierten.
Untypisch für ein Klassik-Konzert gab es nach nicht enden wollendem Beifall sogar eine Zugabe.
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