LAIBACH - Also sprach Zarathustra-Tour 2018 beeindruckt in Leipzig

Geschrieben von Mira Sommer. Veröffentlicht in Photoreports 2018

LAIBACH -  Also sprach Zarathustra-Tour 2018 Bericht - Foto Falk Scheuring

21.3.2018 im Club Täubchenthal - Leipzig

Wie bei den Alben selbst, spielen Laibach auf den Konzert-Performances immer mit den Erwartungen der Fans. So wird den hechelnd wartenden Leibern diesmal kein Knochen zum Tanz hingeworfen, sondern eine Meditation.

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Fotograf Falk Scheuring

Das englischsprachige Album "Spectre" aus dem Jahr 2014 kam wenig subtil einher. - Stücke wie „Whistleblower“ und „Europe Is Falling Apart“ geben klare Aussagen. Umso aufatmender können wir uns wieder industrialesken Subtilität Laibachs widmen und wollen dies auf der Friedrich Nietzsches vertonenden "Also sprach Zarathustra"-Tour ausleben. Im klirrend kalten März des nicht enden wollenden Winters 2018 könnte kein passenderes Konzert im Täubchenthal gespielt werden. Man merkt der aktuellen Produktion an, dass es ein Soundtrack für ein Theaterstück sein sollte. Sehr gut konnte ich mir eigene Bühnenarrangements und Szenen zu den Musikstücken vorstellen.

Die Zarathustra-Produktion des slowenischen Anton-Podbevšek-Theaters, die im März 2016 in Novo Mesto Premiere feierte, war Anlass für die neue Laibach Platte. Plattitüden und Pseudo-Provokationen die gerne hineininterpretiert werden, finden nicht statt. Neoklassik-Instrumentals, atmosphärische Rezitationspassagen, tiefgehende Dark-Ambient-Stücke verheissen einen hypnotischen Auftritt. Das Intro „Von den drei Verwandlungen“ schaffte eine vibrierend, verheissungs und doch unheilvolle Atmosphäre. Eine Art Übermensch, die unsterbliche Seele, wandelnd zwischen den Menschen besungen „Als Geist“. Wie man selbst Schnarch-Töne lakonisch in einem „Nachtlied“ künstlerisch verarbeiten kann, zeigen uns Laibach und bleiben damit ihrer Einzigartigkeit treu.

Modern und zeitgeistig kommt Nietzsche in diesem die Apocalypse verkündendem Gewand daher („Ein Verkündiger“). Visuals unterstützen die Rhythmen und Kakofonien wie immer zur Perfektion.

In Ultrazeitlupe sehen wir einen majestätischen Adler fliegen und schreien. Das VFX Modell des perfekten Embryos , ein künstlicher, transzendaler Mensch.

Tiefdröhnender Pathos gepaart mit Minimalismus und verneinender Düsterheit. Wir sind dem Untergang geweiht und Nietzsches apokalyptische Worte durch sein Sprachrohr Milan Fras in die entsprechende Bedeutungsschwangerschaft gesungen, niederschmetternd fatalistisch. Dramaturgisch und soundtechnisch spitzenklasse. Wer sich einlässt auf diese erneute Live-Exhibition erlebt eine Hypnose, voller Gänsehaut.

„Bei Sonnenaufgang“ sehen wir das Täubchenthal in Sterne gehüllt. Ich erinnere mich an das Diskokugel-Tropenleuchten im Gondwanaland Leipzig welches ähnlich Schwindel erregende, eskapistische Effekte verursachte allerdings fehlte dort die wunderbare Stimme von Mina Špiler, die das Erlebnis zum Höhepunkt führte.

Als sich endlich die Anfänge einer Trance einstellen wollte (zuletzt erlebt bei den Klangwelten von Nordvargr) war das Konzert leider schon vorbei. Der dissharmonischen Ambienceklänge und das hippe Schlagzeug hätten gerne einen noch längeren Ausklang geben können.

Bei der Zugabe warfen Laibach den erwartungsvollen Fans dann doch wieder die Hit-Kracher Stöckchen hin. Und jeder konnte erfüllt nach Hause gehen.

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