15 Jahre AMPHI FESTIVAL 2019 - Über ein großartiges Event und Wetterkapriolen

Geschrieben von Alexander Jung am . Veröffentlicht in Photoreports 2019

Das AMPHI FESTIVAL 2019 ist Geschichte und wir blicken auf ein wettertechnisch durchwachsenes dafür aber Line-up-seitig hervorragendes Event zurück. Mit über 40 Bands auf drei Locations an nur zwei Tagen, hatte man oft die Qual der Wahl. So konnten wir uns nur auf eine handverlesene Auswahl von Bands bei der Berichterstattung konzentrieren.

Galerie mit Festivalimpressionen>>>

Fotos: Alexander Jung

4E4A3239Der Samstag und damit auch das Festivalgeschehen begann für uns mit den sächsischen Synthie Poppern von Logic & Olivia auf der größeren Indoor Location, der Theater Stage. Die leichten Melodien gefielen sehr schnell und machten durchaus Lust sich tiefer mit den Newcomern auseinanderzusetzen.
Wenngleich nicht mehr ganz so neu ging es mit den Future Pop Hymen des Dürener Duos Chrome auf der Main Stage weiter. Trotz zahlreicher Festivalshows sind die beiden Sympathen über ihren Support Act Status noch nicht hinausgewachsen.
Der Rest unseres Nachmittags gehörte den hervorragenden schwedischen Acts aus dem Hause Progress Productions. Gleich drei Bands sollten es auf der Orbit Stage, dem Veranstaltungsschiff MS Rheinenergie, sein. Glücklicherweise ließ sich der außergewöhnliche Veranstaltungsort in diesem Jahr wieder sehr schnell fußläufig erreichen, da der Rhein genug Wasser mit sich führte und das Schiff auf der Seite des Tanzbrunnens anlegen konnte.
4E4A3499Mit Hearts Of Black Science eröffnete einer unserer absoluten Lieblingsacts den Nachmittag auf der sehr kompakten Bühne. Neben den großartigen Songs vom 2015er Longplayer „Signal“ präsentierten Daniel und Tomas zwei neue Stücke, welche bereits Lust auf die nächste Veröffentlichung der Schweden machen. Hierzulande ist das Duo noch relativ unbekannt. Wir können allerdings den musikalischen Output der Jungs ausnahmslos empfehlen.
4E4A4037Nach einer kurzen Umbesetzungsphase befinden sich Agent Side Grinder mit ihrem jüngst erschienen Album „A/X“ auf Erfolgskurs. Der schwere Schritt des Frontmannwechsels wurde mit Emanuel perfekt gemeistert und führt die Band musikalisch auf neue Wege. Mit der Single „Strip Down“ gelang den Schweden bereits im letzten Jahr ein Überhit, welcher auf dem prall gefüllten Schiff gebührend gefeiert wurde. Zweifelslos eines der Festivalhighlights bot sich, als Henric De La Cour zum ersten Mal nach dem Weggang von Kristoffer Grip (Anm.: ehemaliger Frontmann bei ASG bis Anfang 2018) den gemeinsamen Song „Wolf Hour“ präsentierte.
In guter Tradition schloss sich die Show von Henric De La Cour an, während sich im Außenbereich ein starkes Unwetter ankündigte. Und so zeigte sich, dass wir bei der Wahl der Indoor Location ein gutes Händchen bewiesen hatten. Ebenfalls sehr empfehlenswert ist das abwechslungsreiche Cateringangebot auf dem Schiff.
Nachdem der Starkregen etwas abgeklungen war, machten wir uns auf den gut 250 m langen Rückweg zum Festivalgelände, um der Show des Szeneheadliners Blutengel auf der Open Air Bühne beizuwohnen.
M09A4320Roh und brachial ging es in Licht und Ton bei der Performance von Haujobb auf der Theaterbühne zu. Die unruhige und zugleich monumentale Lichtshow untermalte die Tracks der Leipziger Elektronik-Pioniere in Perfektion, wenngleich der ein oder andere Zuschauer kurz vor einem epileptischen Anfall stand. Klassiker, wie „Antimatter“ verfehlten ihre Wirkung beim Publikum genau so wenig wie neuere Tracks, „Dead Market“beispielsweise. Haujobb ist für uns nach so langer Zeit immer noch das Live Project von Tausendsassa Daniel Myer. Und als das Set zu guter Letzt mit einem ohrenbetäubenden Knall endete, waren die Fans nicht nur blind von der Lichtshow sondern nun auch noch taub.
M09A4507Lang erwartet und zugleich teilweise ernüchternd war die Show des Headliners Nitzer Ebb. WGT Besucher wussten bereits, dass sie ein Endlosmix aller Hits, mit einem einem monotonen Beat unterlegt, erwartete. Interessanterweise stellte sich bei uns auch ein zwiespältiges Empfinden ein. Stand man vorn in der Menge und ging mit dem Beat mit, fühlte es sich wie eine gute alte Nitzer Ebb Show an. Distanzierte man sich von den vorderen Reihen, stellte sich die Monotonie ein. Höhepunkt der Performance war die Präsentation von David Goodays „Alarm“. Man hatte also durchaus einige Modifikationen zum WGT Set vorgenommen.
Der Sonntag startete stark bewölkt abermals auf der Theater Stage. Nachdem Seadrake im Festivalvorfeld mit ein paar missverständlichen Social Media Posts für Furore gesorgt hatten, interessierte uns die Show der Neulinge durchaus. Die Zuschauer erwartete durchweg gut produzierte moderne Electro Pop Musik, wie sie auch jeder Main Stream Radiosender spielen würde.
TBOG Copyright AlexanderJung 2019 0008Zu den Dauergästen auf sämtlichen Bühnen der deutschen Gothic Festivals gehören The Beauty Of Gemina. Und das zu Recht, da sie es mit ihren tragenden Songs zu überzeugen verstehen. Man sieht einfach bei den Shows der Schweizer, wie Sänger Michael Sele die Stücke mit fast immer geschlossenen Augen fühlt.
Irgendwo zwischen Post Punk und Shoegaze lässt sich der wunderbare Sound der Kölner Lokalmatadoren von Holygram einordnen. Nebelschwaden und gedämpftes Licht bestimmten die Bühnenshow und schufen wie immer eine ganz besondere Atmosphäre zur Untermalung der Lieder vom letzten Album „Modern Cults“.
Faderhead Copyright AlexanderJung 2019 0018Nahezu headlinerverdächtig bot sich die Show des Hamburgers Faderhead dar. Über das gesamte Gesicht strahlend riss Sami im Handumdrehen das Publikum mit und man sah ihm die Spielfreude absolut an. Als Teaser für das nächste Release konnten die Fans bereits ein paar neue Tracks hören, welche sehr gut in Ohr und Bein übergingen.
Die Orbit Stage auf dem Schiff hatte am Sonntagnachmittag abermals hochkarätige Acts zu bieten. Zunächst konnten wir den letzten Klängen von Jäger 90 unter frenetischem Applaus lauschen.
Mit dem neuen Album „The Fall Of Man“ im Gepäck lieferten Progress Productions Chef Torny
Gottberg und Martin Rudefelt, zusammen bekannt als Cryo, eine energiegeladene EBM Show ab, welche bereits zu früher Stunde eine Vielzahl von Fans in die Indoor Location lockte.
White Lies Copyright AlexanderJung 2019 0024Mit der Besetzung der White Lies am Nachmittag auf der Hauptbühne hatten die Veranstalter erneut Mut zu Szenenfremden bewiesen. Mit Ohrwürmern wie „Tokyo“ oder „To Loose My Life“ und dank ihres immer lächelnden Frontmanns Harry McVeigh verstehen es die Briten einfach vor jedem Auditorium zu überzeugen. Die positive Aura und die melancholischen Songs dieser Band sind einfach phänomenal und bescherten uns unmittelbar ein dauerhaftes Gänsehauterlebnis.
Der Zirkus um die beiden schwedischen Clowns von Spark! zog uns noch einmal zurück auf das Boot. Auch wenn die Masken bereits gefallen waren, tobte der Moshpit auf dem Schiff. Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie die deutschen Fans bei den rein schwedischsprachigen Liedern abgehen. In der oberen Etage konnte man sogar das Schwanken des Bootes im Wasser wahrnehmen. Spark! gehörten definitiv zu den Abräumern des Abends und man darf wirklich gespannt sein, was die Zuhörer auf dem kommenden Album erwartet.
Project Pitchfork Copyright AlexanderJung 2019 0046Auf der Hauptbühne war es indes Zeit für den Co-Headliner Project Pitchfork. Nachdem sich die Technik beim ersten Song K.N.K.A. noch widerspenstig zeigte, erwartete die zahlreichen Fans auf der prall gefüllten Fläche vor der Hauptbühne ein mit Klassikern vollgepacktes Set. Neben „IO“ oder „Alpha Omega“ durfte natürlich der Evergreen „Souls“ nicht fehlen. Die Show wäre durchaus ein würdiger Festivalabschluss gewesen. Und nachdem es im Theater bereits bei Janus die Gitarrenbreitseite gab, dudelten In Extremo zum Finale vor die Tanzbrunnenbühne. „Quit pro Quo“ begleitet von einer dezenten Pyro Show beschreibt die Mittelalterrock-Performance wohl sehr gut.

Für uns zeigte sich das Amphi Festival dank eines der besten diesjährigen Line-ups und einer perfekten Organisation von seiner schönsten Seite und wir sind schon gespannt was uns in 2020 in Köln erwarten wird.

www.amphi-festival.de

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