05.07.2026 - Festung Königstein Open Air am Fuß der Festung
Mit ihrer einzigen Deutschland-Show des Jahres kehrten HURTS um Frontmann Theo Hutchcraft an die Festung Königstein in der Sächsischen Schweiz zurück. Vor der beeindruckenden Kulisse begeisterte die Band mit einer stilvoll inszenierten Show, großer Publikumsnähe und einem Abend, der einmal mehr die besondere Verbindung zwischen HURTS und ihren deutschen Fans unterstrich.
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Fotograf: Falk Scheuring
„Königsteiiin… let me hear you loud, loud, loud!“
Immer wieder hallte dieser Satz über das ausverkaufte Open-Air-Gelände am Fuße der Festung. Allein die charmante Art, wie Theo Hutchcraft den Namen der Stadt mit seinem unverwechselbaren britischen Akzent aussprach, sorgte jedes Mal für ein Lächeln. Doch lange blieb es nie ruhig. Kaum hob der Sänger leicht das Mikrofon oder machte eine kleine Handbewegung in Richtung Publikum, antworteten ihm tausende Stimmen mit beeindruckender Lautstärke. Es war eines dieser Konzerte, bei denen zwischen Bühne und Fans vom ersten Moment an eine Verbindung entstand, die bis zum letzten Ton nicht mehr abriss.
Dabei hatte dieser Abend schon Stunden zuvor begonnen: Lange vor dem Einlass warteten die ersten Die-hard-Fans geduldig vor den Toren des Geländes. Wer früh genug da war, konnte sogar den Soundcheck in Hörweite verfolgen – eine unerwartete Zugabe, die die Vorfreude auf die einzige Deutschland-Show zusätzlich steigerte. Etwas in Geduld üben mussten sich die Fans anschließend, bevor rund zwei Stunden nach Einlass die Show begann.
Als die ersten Klänge von „Redemption“ erklangen, betraten zunächst die Musiker die Bühne. Wenige Augenblicke später erschien Theo Hutchcraft – und die gespannte Erwartung entlud sich augenblicklich in lautem Jubel. Schon nach wenigen Sekunden war klar, dass hier nicht einfach ein Konzert stattfinden würde. - Es entwickelte sich vielmehr eine enge Verbindung zwischen Bühne und Publikum.
Ein Blick in die erste Reihe zeigte sofort, dass an diesem Abend trotz seiner Abwesenheit auch Adam Anderson präsent war. Plakate mit Genesungswünschen lehnten an der Absperrung, darüber schwebten rote Herz-Luftballons mit seinem Namen. Theo griff diese liebevolle Geste später selbst auf und bedankte sich sichtbar bewegt für die Unterstützung seines langjährigen Weggefährten. Es waren keine großen Worte nötig – der Moment sprach für sich.
Überhaupt präsentierte sich Theo an diesem Abend sehr nahbar. Er interagierte viel mit seinem Publikum, scherzte, bedankte sich immer wieder und machte keinen Hehl daraus, wie gern er nach Königstein zurückgekehrt war. Nach 2023 gastierten HURTS zum zweiten Mal an der Festung – und erneut bezeichnete Theo die Kulisse als die schönste Konzertlocation überhaupt. Noch emotionaler wurden seine Worte, als er sich ausdrücklich bei den deutschen Fans bedankte. Sie hätten einen wesentlichen Anteil daran, dass HURTS ihren internationalen Erfolg feiern konnten. Spätestens hier war spürbar, dass diese Band zu Deutschland eine ganz besondere Beziehung hat.
Theo Hutchcraft braucht keine spektakulären Showeinlagen, um ein Publikum zu fesseln. Es genügen ein kurzer Blick, eine kaum merkliche Bewegung einer Hand oder ein leicht angehobenes Mikrofon. Fast spielerisch dirigierte er die Zuschauer durch den Abend. Die Aufmerksamkeit gehörte ihm zu hundert Prozent. Immer wieder überließen ihm die Fans nicht nur die Refrains – sie sangen ganze Passagen nahezu geschlossen mit. So verwandelte sich zum Beispiel bei „Better Than Love“ das Konzertgelände in einen riesigen Chor, als er das Mikrofon in Richtung Publikum hielt und tausende Stimmen die markante Refrainzeile übernahmen. Solche Momente wiederholten sich während des gesamten Konzerts.
Dabei wirkte Theo nie wie ein distanzierter Star. Elegant gekleidet im weißen Sakko, schwarzer Anzughose und glänzenden Schuhen bewegte er sich mit einer fast tänzerischen Leichtigkeit über die Bühne. Mal stand er mit weit geöffneten Armen am Bühnenrand, wenig später durchmaß er mit langen Schritten die gesamte Spielfläche. Obwohl Adam Anderson fehlte, gelang es ihm mühelos, die Bühne vollständig auszufüllen.
Unterstützt wurde er von einer hervorragend eingespielten Liveband mit Schlagzeug, Keyboard sowie Gitarre und Bass. Einen entscheidenden Anteil am warmen Livesound hatten zudem die beiden Background-Sängerinnen. Sie verleihen den Songs zusätzliche Tiefe, ohne sich jemals in den Vordergrund zu drängen. Gerade bei den ruhigeren Passagen sorgten sie für jene elegante Klangfülle, die den Liveauftritten von HURTS seit Jahren ihren unverwechselbaren Charakter verleiht.
Überhaupt blieb sich die Band ihrer Linie treu. Statt auf riesige LED-Wände, Pyrotechnik oder spektakuläre Effekte setzte die Produktion erneut auf bewusste Zurückhaltung. Ein schlichter Bühnenvorhang genügte als Hintergrund. Mit der langsam einsetzenden Dämmerung entfaltete die Lichtregie ihre ganze Stärke. Präzise gesetzte Farbwechsel unterstützten die Stimmung der Songs, ohne jemals von der Musik abzulenken. Theo blieb dabei stets Mittelpunkt des Geschehens.
Auch klanglich ließ der Abend keine Wünsche offen. Jeder Synthesizer, jede Gitarrenlinie und jede Gesangsharmonie waren glasklar zu hören. Vor allem Theos markante Stimme gewann durch den transparenten Sound noch einmal zusätzlich an Ausdruck.
Zu den emotionalsten Bildern des Abends gehörte ohne Zweifel „Wonderful Life“. Pünktlich zum Song tanzten zahllose schwarze und weiße Luftballons über den Reihen – eine von den Fans vorbereitete Aktion, die perfekt mit der Atmosphäre des Konzerts harmonierte. Als Dank-Geste der Band diente traditionell ein riesiger Strauß langstieliger weißer Rosen. Theo warf sie mit derselben Eleganz, die seinen gesamten Auftritt prägte, in die vorderen Reihen und sorgte damit für viele glückliche Gesichter.
Nach dem regulären Set dachte dennoch niemand ans Nachhausegehen. Lautstarke Zugaberufe hallten über das Gelände, bis HURTS noch einmal auf die Bühne zurückkehrten und drei weitere Stücke mit den Fans zelebrierten. Mit „Stay“ fand das Konzert seinen Abschluss. Doch selbst nach dem letzten Ton war dieser Abend noch nicht ganz vorbei: Als Theo wenige Minuten später auf dem Weg Richtung Backstage hinter dem Zaun noch einmal kurz zu sehen war, entdeckten ihn die wartenden Fans sofort. Ein letztes Mal brandete großer Jubel auf. Theo winkte lachend zurück und verschwand schließlich in den Katakomben der Burg.
Es war nur ein kleiner Augenblick. Aber genau dieser Moment fasste den gesamten Abend noch einmal zusammen. Nahbar. Herzlich. Dankbar. Diese Rückkehr von HURTS an die Festung Königstein fühlte sich besonders an.