Leipzig - Moritzbastei - 21.05.2026 - Zwischen Gänsehaut, Mashups und Mitsingmomenten – WGT Warm-up mit Kultstatus: Elektro Allstars 2026
Der erste Tag des Wave-Gotik-Treffens 2026 begann für uns mit einer guten Entscheidung: Noch bevor es in die Leipziger Innenstadt zur Moritzbastei ging, führte unser Weg zunächst zum Agrargelände (dem WGT-Hauptbereich) am Südrand von Leipzig, um dort unsere Festivalbändchen abzuholen. Die zu dem Zeitpunkt überschaubare Schlange Wartender reduzierte sich umgehend. So ausgestattet und mit großer Vorfreude, waren wir bereit für das verlängerte Wochenende. Noch schöner als der Gedanke auf kommende Konzerte war allerdings etwas anderes: Kaum angekommen, trafen wir bereits die ersten Freunde und Bekannte. Wie so oft beim WGT funktionierten Verabredungen eher mäßig – aber zufällige Begegnungen dafür umso besser.
Anschließend ging es für uns zügig Richtung Innenstadt zur Moritzbastei. Dort stand bereits das erste Highlight des Wochenendes auf dem Programm: die Elektro Allstars. Noch vor dem offiziellen Festivalstart hat sich dieses Event längst zu einer festen Institution entwickelt.
Das Konzept der "Elektro Allstars" ist ebenso einfach wie genial: Bekannte Sängerinnen und Sänger der Szene interpretieren Klassiker der 80er Jahre, Szene-Hymnen und überraschende Lieblingsstücke auf ihre ganz eigene Weise. Bereits lange vor dem vorangekündigten Einlass warteten die ersten Fans. Die besonders lange Schlange, die sich von der Moritzbastei-Terrasse bis zum Augustusplatz zog, gehörte allerdings nicht zur Veranstaltung selbst, sondern zur Bändchenausgabe für die WGT-Besucher. In diesem Moment waren wir froh, dies bereits am Agrargelände abgeholt zu haben. Unten in den Katakomben vor der „Veranstaltungstonne“ standen dennoch schon etwa eine Stunde vor Einlass zahlreiche Besucher, um sich einen der begehrten Plätze in der vergleichsweise kleinen Location zu sichern.
Pünktlich begann schließlich das „Pre-Opening“. Durch den Abend führten Organisator Daniel Myer und Niko Kötsch, die gleichzeitig an den Reglern standen und die musikalische Basis für die Auftritte lieferten. Nach und nach betraten die Sängerinnen und Sänger die Bühne und sorgten für einen Abend voller Überraschungen, Humor und großartiger Musik.
Besonders reizvoll war erneut das Konzept der Mashups. Immer wieder wurden die Zuhörer bewusst auf eine falsche Fährte gelockt. So begann ein Stück beispielsweise mit dem unverkennbaren Intro des Apoptygma-Berzerk-Klassikers „Mourn“, entwickelte sich dann aber in eine völlig andere Richtung. Ein anderes Mal glaubte das Publikum bereits nach wenigen Sekunden, einen Combichrist-Titel erkannt zu haben, bevor sich der Song unerwartet verwandelte. Gerade diese spielerischen Momente sorgten immer wieder für Gelächter und begeisterte Reaktionen.
Mitwirkende
Live bei den Elektro All Stars 2026: Daniel Myer (DSTR, Covenant, Haujobb, Liebknecht, De/Vision Redux) // Niko Kötsch (DSTR, Absurd Minds)
Als Sängerinnen und Sänger: Boris May (Klangstabil) // Steffen Keth (De/Vision) // Isaac Howlett (Empathy Test) // Die Fischi // Saskia (Asia Imbiss) // Acey (KY) // Ferenc (The Fair Ends, SLT) // Tino Claus (Amnistia, TC75)
Der Abend eröffnete mit Ferenc und seiner Interpretation von „I See A Darkness“, die direkt für eine intensive und emotionale Stimmung sorgte. Danach folgte Acey mit Melissa Etheridges „Like The Way I Do“, bevor Die Fischi das Publikum mit Technotronics „Pump Up The Jam“ überraschte. Isaac Howlett von Empathy Test bewies einmal mehr sein außergewöhnliches Gespür für Melodien und präsentierte eine fantastische Version von a-has „Take On Me“, welches er stimmlich herausragend umsetzte.
Ein weiterer Höhepunkte des Abends war Boris May mit den Beastie Boys und „Fight For Your Right“. Kaum erklang der bekannte Refrain, verwandelte sich die Veranstaltungstonne in einen einzigen Chor. Praktisch jeder sang mit, die Stimmung explodierte förmlich und der Raum bebte vor Begeisterung.
Auch die weiteren Beiträge waren grandios. Tino Claus blieb seiner Vorliebe für ungewöhnliche und charakterstarke Songs treu und präsentierte zunächst „I Love It“ von Icona Pop sowie später das großartige „Rascheln“ von Calva Y Nada. Ebenso überzeugend war seine Interpretation von „Moving Hands“ von The Klinik, die perfekt zur Atmosphäre des WGT passte.

Saskia von Asia Imbiss sorgte mit ihrer Version von Taylor Swifts „Cruel Summer“ und später mit Chappell Roans „Pink Pony Club“ für Begeisterung. Ihre einzigartige Stimme erzeugte erneut jene besonderen Gänsehautmomente, für die sie bei vielen Besuchern bekannt und beliebt ist. Und die überraschende Bühnenshow mit Glitzer, Glamour und Konfettiregen war ein Knaller.

Steffen Keth überzeugte mit Lykke Lis „I Follow Rivers“ und später mit Coldplays „Clocks“, während die Fischi mit Erasures „A Little Respect“ sowie Faithless’ „Insomnia“ zwei weitere Publikumsfavoriten beisteuerte. Ferenc präsentierte neben „I See A Darkness“ auch „Safe The Hate“ von And One sowie das düster-melancholische „I Don’t Wanna Be Me“ von Type O Negative.
Isaac Howlett glänzte im weiteren Verlauf noch mit Tears For Fears’ „Mad World“, Fleetwood Macs „Everywhere“ und einer mitreißenden Version von Ricky Martins „Livin’ La Vida Loca“, die für ausgelassene Stimmung sorgte. Boris May legte später mit Haujobbs „Dead Market“ nach und bewies erneut seine enorme Bühnenpräsenz.
Das Duett von Die Fischi und Acey mit Limahls „Never Ending Story“ und Aceys „Forever young“ sorgten wieder für Singalong-Momente. Bevor schließlich alle Beteiligten für das große Finale zusammenkamen und mit Blurs „Girls And Boys“ den Abend beendeten.

Natürlich lief technisch nicht alles vollkommen reibungslos. Hier und da gab es zum Beispiel kleinere Text-Pannen oder sich verknotende Mikrofone. Doch gerade das machte den besonderen Reiz dieses Formats aus. Niemand störte sich daran – im Gegenteil. Publikum und Künstler begegneten solchen Momenten mit viel Humor, Herzlichkeit und Gelassenheit. Genau diese familiäre Atmosphäre macht die Elektro Allstars seit Jahren zum perfekten Auftakt für das Wave-Gotik-Treffen.

Setlist EAS 2026
- Ferenc – „I See A Darkness“ (Johnny Cash)
- Acey – „Like The Way I Do“ (Melissa Etheridge)
- Die Fischi – „Pump Up The Jam“ (Technotronic)
- Isaac Howlett – „Take On Me“ (a-ha)
- Boris May – „Fight For Your Right“ (Beastie Boys)
- Tino Claus – „I Love It“ (Icona Pop)
- Saskia – „Cruel Summer“ (Taylor Swift)
- Steffen Keth – „I Follow Rivers“ (Lykke Li)
- Die Fischi – „A Little Respect“ (Erasure)
- Ferenc – „Safe The Hate“ (And One)
- Tino Claus – „Rascheln“ (Calva Y Nada)
- Isaac Howlett – „Mad World“ (Tears For Fears)
- Saskia – „Pink Pony Club“ (Chappell Roan)
- Steffen Keth – „Clocks“ (Coldplay)
- Die Fischi – „Insomnia“ (Faithless)
- Acey – „Sex On Fire“ (Kings Of Leon)
- Isaac Howlett – „Everywhere“ (Fleetwood Mac)
- Ferenc – „I Don't Wanna Be Me“ (Type O Negative)
- Boris May – „Dead Market“ (Haujobb)
- Tino Claus – „Moving Hands“ (The Klinik)
- Die Fischi & Acey – „Never Ending Story“ (Limahl)
- Isaac Howlett – „Livin' La Vida Loca“ (Ricky Martin)
- Acey – „Forever Young“ (Alphaville)
- Elektro All Stars – „Girls And Boys“ (Blur)24. Elektro All Stars – „Girls And Boys“ (Blur)
Party in der Moritzbastei
Nach dem Ende der Elektro Allstars war der Abend noch lange nicht vorbei. Ab 22 Uhr öffneten sämtliche Bereiche der Moritzbastei und verwandelten sich in einen der ersten großen WGT-Treffpunkte des Jahres. Auf vier Floors boten mehr als acht DJs ein breites musikalisches Spektrum von Gothic, Wave und Electro über Industrial, Noise und Dark Rock bis hin zu Metal und Alternative.
In der Ratstonne sorgten Sean De Winzer, Mikkel und Knüpfi für eine gelungene Mischung aus Goth-, Wave- und Post-Punk-Klassikern. Die Veranstaltungstonne bot mit frequen-c, Hells und Ketchuptoast ein abwechslungsreiches All-Styles-Programm, während in der Galerie 80er-Hits, Rock und Metal dominierten. Zusätzlich lockte der Oberkeller mit dem Noisefloor WIRED 16 und mehreren Live-Acts, darunter After White Smoke, Sylvgheist Maélström, 16 Pad Noise Terrorist und Iszoloscope.
Abgerundet wurde das Angebot durch den Schwarzes-Leipzig-Merchstand sowie eine Ausstellung mit Werken von Ben Fuchs. Damit entwickelte sich die Moritzbastei bereits am ersten WGT-Abend zu dem, was sie seit vielen Jahren ist: ein lebendiger Treffpunkt der schwarzen Szene, an dem Musik, Kunst und Begegnungen auf einzigartige Weise zusammenkommen.