KITE live im Bunker Dresden 2026 – wenn Musik plötzlich alles ist

Kite Konzert Dresden 2026 Credit: Falk-Scheuring

KITE und Support Architect - 29.08.2026 in der Reithalle Strasse E in Dresden
Magie in der Spätsommernacht: Nur einen Abend nach der Synthi-Pop Night auf großer Open Air-Bühne in Weißenfels stehen KITE erneut vor uns – diesmal bei einem Clubkonzert in der legendären Reithalle Straße E in Dresden. Fast dieselben Songs, dieselben beiden Musiker auf der Bühne und doch ein völlig anderes Erlebnis. Ein Abend voller Energie, Intensität und Emotionen, der uns mehr als einmal richtig tief erwischt.

Wir schreiben Samstagabend, 29. August. In dem gut gefüllten Club stehen die Fans dicht gedrängt vor der Bühne. Die Wärme hat von Beginn an ein Sauna-Niveau und die Luft entsprechend wenig Erfrischendes zu bieten. Viele erleben KITE an diesem Abend zum ersten Mal live, andere haben deutlich weitere Wege auf sich genommen – selbst Fans aus Schweden sind in die sächsische Landeshauptstadt gekommen, wie wir hörten. Und wir treffen auch auf einige bekannte Gesichter vom Vorabend: Sie hatten wie wir KITE am Vorabend  erlebt und sich danach teils sehr spontan entschieden, auch nach Dresden zu fahren. Keine 24 Stunden später stehen sie also wieder gespannt an der Bühne.  - Wir können es verstehen. :-) Kite Band Flyer Event Dresden 2026

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Für uns ist Dresden bereits das dritte KITE-Konzert in diesem Jahr – Weißenfels am Vorabend mitgerechnet. Schon im Frühjahr hatten wir die Schweden bei ihrer großartigen Clubshow im Club Backstage in München erlebt. Maßstab für alles bleibt für uns allerdings die spektakuläre „KITE ON ICE“-Show in der Stockholmer Avicii Arena (Live bei KITE ON ICE - Stockholm 01.02.2025). Und trotzdem zeigt sich immer wieder: Jedes KITE-Konzert ist auf seine Weise speziell, egal ob kleiner Club, Festivalbühne oder aufwendig inszeniertes Spektakel in einer großen Arena.

KITE, das sind Sänger Nicklas Stenemo und Keyboarder Christian Hutchinson Berg. Seit 2008 verbindet das schwedische Duo Synthpop mit cineastischer Elektronik, großen Melodien und einer oft melancholischen Grundstimmung. Ebenso charakteristisch sind ihre Live-Auftritte. KITE können mit ihrem umfangreichen Synthesizer-Setup eine kleine Clubbühne füllen und wenig später Shows realisieren, die weit über ein gewöhnliches Konzert hinausgehen. Auftritte mit Orchester in der Königlichen Oper Stockholm, im spektakulären Steinbruch von Dalhalla oder eben „KITE ON ICE“ stehen dafür ebenso wie jene intensiven Clubshows, bei denen kaum mehr als ein paar Meter zwischen Musikern und Publikum liegen.

ARCHITECT feat. Acey – eine besondere Kooperation

Zuerst gehört heute die Bühne allerdings Daniel Myer alias ARCHITECT. Für diese Show gibt es dabei eine besondere Konstellation: Acey, bekannt von KY, steht als Gastsängerin mit auf der Bühne und übernimmt die Vocal-Parts, die normalerweise Emese Arvai-Illes von Black Nail Cabaret singt.

Und dabei lernen auch wir noch einmal eine andere Facette von Acey kennen. Dass sie eine starke Sängerin ist, wissen wir von KY. Bei ARCHITECT kann sie ihre Stimme jedoch auf eine ganz andere Art einsetzen und den Stücken ihre eigene Interpretation geben. Mal kraftvoll, mal eindringlich und mit enormer Präsenz nutzt sie den Raum, den ihr Daniel Myers elektronische Klangwelten bieten. Oder wie Acey selbst nach dem Konzert zu uns sagt: „Die Songs von Architect sind für meine Stimme und Technik eine riesige Spielwiese.“ Genau das ist auf der Bühne zu spüren. Acey versucht nicht, Emese Arvai-Illes zu kopieren, sondern bringt ihre eigene Stimme und Persönlichkeit in die ARCHITECT-Stücke ein.
Eine gesanglich sehr starke Leistung, verbunden mit einer Ausstrahlung, die auch beim Publikum Eindruck hinterlässt. Ein Fan bringt es später auf den Punkt: „Deine Stimme und deine Ausstrahlung sind etwas ganz Besonderes.“ Diese besondere Zusammenarbeit fühlt sich damit nach weit mehr als einem gewöhnlichen Support-Auftritt an.
ARCHITECT feat. Acey funktioniert an diesem Abend herausragend und stimmt die inzwischen dicht gefüllte Reithalle auf KITE ein.


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KITE – ganz bei sich und trotzdem nah

Mit „Wishful Summer Night“ beginnen KITE ihr Set. Licht, Sound und atmosphärischer Nebel verschmelzen mit der Musik und schaffen genau jene Stimmung, die diese Band live so besonders macht. Nicklas Stenemo und Christian Berg sind dabei ganz bei sich – so, wie wir KITE kennen. Ansagen an das Publikum gibt es nicht. Die Interaktion beschränkt sich auf Blicke, Gesten und Stenemos charakteristische Armbewegungen während der Songs. Das wirkt keineswegs distanziert. Im Gegenteil. - Die Musik übernimmt die Kommunikation.

Ihre Songs, ihre Kunst sollen für sich stehen – und genau das tun sie. Viele Stücke gehen nahezu fließend direkt ineinander über. Der übliche Ablauf aus Song, Applaus, Ansage und nächstem Song wird immer wieder aufgebrochen. Dadurch entsteht ein musikalischer Fluss, der uns und das Publikum kaum loslässt.

Über KITE liest man von Fans immer wieder diesen einen Satz: „Musik nicht von dieser Welt.“ Vielleicht klingt das zunächst etwas groß – aber hier in der Reithalle fühlt es sich tatsächlich genau so an. Der Nebel steht im Raum, Lichtkegel schneiden durch die Dunkelheit, Stenemos Gesang liegt über den sphärisch-elektronischen Flächen und Beats. Vor der Bühne gehen Hände nach oben, wird getanzt, und mit jeder Geste mitgegangen. Für eine Weile scheint draußen tatsächlich nicht viel zu existieren.

Ab den ersten Klängen fühlen wir uns im positiven Sinn gefangen: "Wishful Summernight" live gespielt erzeugt Euphorie und melancholische Gefühle gleichzeitig.  Das nächste Stück „True Colours“ verstärkt diesen Eindruck und gehört für uns zu den ganz großen Momenten der Show. Diese Melodieführung, Nicklas Stenemos Stimme und die Atmosphäre in der Halle – die Gänsehaut läuft unweigerlich durch den ganzen Körper. Was soll da noch kommen? - Doch es geht noch mehr. Viel mehr!

Überhaupt leben Konzerte dieser Ausnahmeband weniger von einzelnen spektakulären Momenten als von seiner Intensität als Ganzes. KITE brauchen dafür keine großen Worte und keine einstudierte Publikumsanimation. Sänger Nicklas Stenemo bedient mit voller Hingabe die links und rechts von ihm platzierten Synthesizer, wirkt dabei nahezu in sich gekehrt, um im nächsten Augenblick mit einer Bewegung seiner Arme den Song förmlich in den Raum zu tragen. Christian Berg direkt daneben arbeitet konzentriert an seinem umfangreichen, teils analogen Synthesizer-Setup und baut jene mächtigen elektronischen Klangflächen auf, über denen sich Stenemos Stimme entfaltet.

Und ja, ich gebe es gerne zu: Irgendwann stehen mir tatsächlich Tränen der Rührung in den Augen. Nicht, weil auf der Bühne irgendein großer emotionaler Moment inszeniert wird. Es ist die Musik selbst, die gebannten Fans um uns herum und diese besondere Art, mit der KITE ihre Songs präsentieren. Man feiert, man tanzt, man weint – und spürt irgendwie ALLES auf einmal. Nach dem balladesken "Glassy Eyes" zieht das Tempo und die Intensität mit "Changing", "The Rhythm" und "Don't Take the Light Away" an und mündet in zwei vorläufigen Höhepunkten mit ihrem Hit "Dance Again" und direkt anschließend "Jonny Boy". - Ein Meer aus winkenden Armen ist im zuckenden Strobo-Nebel auszumachen. 

Die Bedingungen in der Konzerthalle sind dabei nicht nur für uns vor der Bühne zu spüren. Im Verlauf des Konzerts wirkt besonders Christian Berg zunehmend verausgabt. Das Klima fordert seinen Tribut: Irgendwann sieht es so aus, als würden Wärme, die hohe Luftfeuchte und schlechte Luft auch auf der Bühne deutlich an seinen Kräften zehren. Von vorn betrachtet macht man sich da durchaus Gedanken, ob das bis zum Ende gutgeht. Berg wirkt körperlich am Limit, spielt aber weiter und trägt gemeinsam mit Stenemo diese enorme Intensität bis zum Schluss. Diese Bilder bleiben neben all der Euphorie ebenfalls hängen. Ein KITE-Konzert wirkt zwar oft entrückt und fast unwirklich, aber die körperliche Anstrengung dahinter ist an diesem Abend kaum zu übersehen. Mit "Panic music" strebt die Show unweigerlich (leider) schon wieder ihrem Ende zu. Ja, auch für ihre lediglich gut einstündigen Shows sind die Schweden bekannt.

Weißenfels und Dresden – fast dieselben Songs, völlig anderes Gefühl: Wir hatten die Band keine 24 Stunden zuvor bereits bei der Synthi-Pop Night in Weißenfels erlebt. Die Setlists unterscheiden sich nicht. Trotzdem fühlen sich beide Konzerte völlig unterschiedlich an. Am Vorabend waren sie Teil eines Events als Open Air auf einer großzügigen Bühne mit mehreren Acts und fast 4000 Musikliebhabern. Hier in Dresden konzentriert sich alles auf diese dunkle, mit geschätzt knapp 1000 Fans dicht gefüllte Halle und auf die greifbare Nähe zur Bühne und den Musikern. Dies verstärkt vieles, was die Musik von KITE ohnehin ausmacht.
Und Dresden bekommt zum Abschluss noch einen Song mehr: „Losing“. Und ausgerechnet hier bei diesem Song (im Original mit Anna von Hausswolff und Henric De La Cour) kommen die Tränen noch einmal. Vielleicht muss man diesen Moment auch gar nicht weiter analysieren. Nicklas Stenemo und Christian Berg brauchen dafür keine abschließende Erklärung dessen, was wir gerade erlebt haben. Das würde zu KITE ohnehin nicht passen. Die Musik hat längst alles gesagt.
Beide kommen nach tiefer Verneigung noch für einige Handshakes an den Bühnenrand, eine feine und herzliche Dankesgeste an ihre Fans.

Als wir schließlich aus der heißen Reithalle hinaus in die Spätsommernacht kommen, bleibt mehr zurück als die Erinnerung an ein großartiges Synthpop-Konzert. - Musik nicht von dieser Welt? Nach dieser Nacht in Dresden wissen wir wieder ganz genau, warum dieser Satz bei KITE so oft fällt.

Setlist:

Wishful Summer Night
True Colours
I Can't Stand
Hand Out the Drugs
Glassy Eyes
Changing
The Rhythm
Don't Take the Light Away
Dance Again
Jonny Boy
Panic Music
Losing

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Infos im Netz:

KITE

ARCHITECT / Daniel Myer

KY / Acey

Informationen zum Autor: Living For Music - Music For Living - Aufgaben bei H-Z: Hält die Fäden bei dem Online-Magazin, welches bereits im Jahr 2000 gegründet wurde, zusammen. Autodidakt, Konzertfotograf seit 2002, Redakteur/Chefredakteur seit 2003. E-Mail: falk@hell-zone.de

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