Konzertrückblick: „35 Years in the Heart of Darkness“-Tour 2026 von PROJECT PITCHFORK am 17.10.2026 im ausverkauften Alten Schlachthof in Dresden.
Schon bei der Ankündigung zur Jubiläumstour drängten sich uns angesichts der gezählten Jahre unweigerlich Gedanken auf wie: „Was? 35 Jahre? Es war doch erst vor Kurzem, dass wir 25 Jahre Project Pitchfork auf dem WGT gefeiert haben?!“ Gefolgt von den üblichen Floskeln: „Wo ist denn die Zeit hin? Sind wir schon alt?“ – „Nein, kann nicht sein!“
Dabei sind es sogar noch ein paar Jahre mehr, denn die 35 beziehen sich auf das erste Album „Dhyani“ von 1991, wie Peter Spilles in Dresden selbst noch einmal in Erinnerung rief.
Wir waren in Dresden mittendrin und haben einen grandiosen Konzertabend erlebt.
Im Vorfeld des Tourstarts kamen dann auch in den sozialen Medien, aber ebenso im privaten Kreis Fragen auf, wo, wie und wann man eigentlich zur Band kam und welches die ersten Alben und Konzerte waren. Erinnerungen wurden wach, als sei es gestern gewesen, dass ich 1995 die „Alpha Omega“ in der Blechdose (eine limitierte Album-Version) zum Probehören bekam. Ich fand sie klasse! 1997 folgte die Chakra Red, welche bis heute meine heimliche Nr. 1 geblieben ist. Das Konzert im Zuge der Chakra-Red-Tour im März ’97 im Haus Auensee war mein erstes Pitchfork-Live-Erlebnis, welches auch durch einen „kleinen Zwischenfall“ mit Scheubis ausgekugelter Schulter das Prädikat „Unvergesslich“ bekam. Seitdem ist die Liebe zu dieser Band und ihrer Musik geblieben! Wenn ich an den Samstag in Dresden denke, würde ich behaupten, es geht nicht nur mir allein so.
Nachdem die Schlangen am Merchandise-Stand abgearbeitet waren, die Vorband Oberer Totpunkt ihr Programm beendet hatte, füllte sich der Raum bis in die letzten Reihen und dann ging’s endlich pünktlich um 21:40 Uhr los. An Müdigkeit war, wie sonst vielleicht um diese Uhrzeit, nicht mehr zu denken! Der Opener „Continuum“ diente noch als Warm-up, während bei Titel zwei, nein Hymne Nr. 1 „Conjure“ die Masse bereits brodelte! Was nun über den Abend folgte, waren musikalische Zeitsprünge von 1991 bis 2025. Betrachtet man das Gesamtwerk der Band allgemein, reichen allerdings keine zwei Stunden an einem Abend für ein Best-of von Project Pitchfork! Das ist bitte als Kompliment zu verstehen!

Was für mich immer wieder faszinierend ist, dass die alten Titel wie „Conjure“, „K.N.K.A.“, „Souls“, „God Wrote“, „Alpha Omega“, „Timekiller“ und andere irre Energien freisetzen! Egal, ob es sich um die pogende Menge im vorderen Bereich handelt oder ob man seitlich steht oder tanzt oder mitsingt, du bist mittendrin und die Jahre spielen keine Rolle mehr! Der Raum fühlte sich irgendwann rein temperaturmäßig an wie ein Hexenkessel! Bei „Fire Trap“, welches Peter Spilles als ruhiges Stück aus alten Zeiten ankündigte, fragte mich dann meine Tochter, ob das die Bewerbung fürs Impericon (Anmerkung: Ein Metal-Festival) sei, weil’s so schön geballert hat.
Was mir aber an diesem Abend beim Hören all der wunderbaren Titel wieder einmal mehr bewusst wurde: Die Texte, welche schon in den 90ern geschrieben wurden, sind heute aktueller denn je. Peter Spilles muss auf der Bühne keine politischen Monologe halten oder Zeigefinger erheben. Seine musikalischen Aussagen sind es, die zum Nachdenken anregen (sollten). Der Titel „Endzeit“ von 1995 gehört für mich zu den zeitlosesten Stücken! Ich hoffe einfach, dass das Ende der Zeit noch etwas dauert und wir alle gemeinsam solch schöne Abende wie am 17.10.26 erleben dürfen!
Überraschend ob der ruhigen Töne, aber wirklich schön war der Abschlusssong „Jupiter (Or Somewhere Out There)“, mit dem Herr und Frau Spilles ihre Fan-Familie in die Nacht entließen!
Noch eine Episode aus dem Bereich „Musik verbindet Generationen“: Meine eigene Tochter ist 28 und mit Project Pitchfork groß geworden. Mit 3 Jahren kannte sie die Reihenfolge der Bühnenlichtfarben der Titel auf den Live-VHS-Kassetten. Heute ist sie die Erste, die die Konzerttickets ordert und mich antreibt, wenn ich mich alt fühle!
Setlist – Project Pitchfork, Dresden, 17.10.2026
Continuum (2010)
Conjure (1992)
K.N.K.A. (1991)
Blood-Diamond (See Him Running) (2014)
Go Further (1992)
The Name (2025)
Alpha Omega (1995)
2nd Step (1991)
Titânes (2016)
Acid Ocean (2013)
Vietnam (1991)
Souls (1993)
Timekiller (2001)
I Am (A Thought in Slowmotion) (2002)
Endzeit (1995)
Rain (2013)
Beholder (2010)
Erste Zugabe
Mine (Beast of Prey) (2001)
2069 A.D. (1997)
Fire Trap (1990 // Livefassung 2001 „Collector – Lost and Found“)
Existence v4.1 (2001)
Zweite Zugabe
God Wrote (1997)
Jupiter (Or Somewhere Out There) (2001)
