PROJECT PITCHFORK - Berlin - 2008 - Review

Geschrieben von Cara + Grit am . Veröffentlicht in Photoreports 2008

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PROJECT PITCHFORK ++ ABSURD MINDS ++ LEGACY OF MUSIC ++ CAISARON
 
Berlin - Huxley's Neue Welt - 02.11.2008

 

Nachdem sie einen Tag zuvor Dresden ordentlich gerockt hatten , präsentierten sich PROJECT PITCHFORK samt Supports am heutigen Abend im Berliner Huxley's, welches leider halb leer bleiben sollte, was letztlich der Stimmung jedoch keinen Abbruch tat. Doch von vorn...

 

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Als CAISARON als erste Band des Abends die Bühne betraten und mit ihrem Programm loslegten, begannen wir ernsthafte Grübeleien, wann wir zuletzt auf einem Festival oder Konzert einen guten und fesselnden Opener erlebt haben. Hier gingen unsere Meinungen etwas auseinander. Völlig einstimmig wurde allerdings beschlossen, dass heute ganz sicher nicht dieser Tag war. Wen man auch fragte, es wurde die Hand vor den schüttelnden Kopf geschlagen und Attribute wie „schlimm“ und „unterirdisch“ und gehörten noch zu den netteren Äußerungen über die Leistung, die das Dresdner Trio vor einer sehr menschenleeren Halle ablieferte. Das Prädikat „furchtbar schief“ wurde dem Gesang der blondmähnigen Angela verliehen, die mehr mit ihrem Aussehen respektive ihrer Haarpracht beschäftigt zu sein schien, als damit, die richtigen Töne zu treffen. Der Rest spielte sich im Bereich „phantasieloser Gruft-Schlager“ ab. Abgedroschene Texte, die vor Klischeehaftigkeit nur so trieften (und täglich grüßt das Blutengel-Tierchen) sowie eine musikalische Untermalung, wie man sie auch schon tausendmal bei anderen einfallslosen Synthiepop-Bands gehört und für schlecht befunden zu haben meinte. Fazit: Großes Potential, jedem qualitätsliebenden Musik-Fan die Tränen in die Augen treiben!  
 
[Grit]

Die folgende Dreier-Combo namens LEGACY OF MUSIC nahm den Faden auf und versucht für heute Abend etwas Stimmung in die Halle zu bringen. Wenn gleich sie hörbar etwas mehr Übung als Liveact hatten und lautstarke Unterstützung durch ABSURD MINDS-Drummer Timo bekamen, war die Reaktion in der Halle weiterhin gering. Wenn überhaupt, dann waren gerade mal bis Reihe 3 lautstarke Wohlwollensbekundungen zu vernehmen. Der Rest des Publikums stand weiterhin an der Bar, unterhielt sich so laut es ging miteinander und begutachtete das spärlich übrig gebliebene Merchandise. In Jena und Dresden schienen die T-Shirtverkäufe enorm gewesen zu sein.
Für mich boten LOM unauffälligen standardisierten Synth-Pop mit unaufdringlicher, wenig einprägsamer Stimme und seichten Texten die sich immerhin reimten und zum Beat passten.
Nicks Performance im weißen Fusseljäckchen war dynamisch und selbstbewusst, er lief ununterbrochen auf und ab und poste besonders schön in Höhe der Pressekameras. Dazu diverse Anfeuerungen zur Publikumsfront, was LOM noch einen Pluspunkt sicherten. Die Show war nett, die Qualität der Songs allerdings steigerbar, wenn denn Hoffnung bestehen sollte. Aber ein weiteres mal muss ich dieses Projekt nicht erleben.

 [Cara]
Als dritte Band im Bunde stand nun das Dresdner Trio ABSURD MINDS auf dem Programmplan, heute allerdings in etwas geänderter Besetzung. Nachdem man Drummer Timo Fischer gerade eben an LEGACY OF MUSIC ausgeliehen hatte, besetzte deren Sänger Nick hier den Part des Keyboarders und Stefan Großmann komplettierte das Team. So sieht perfektes Job-Sharing aus. Vor ein paar Jahren hätte man ja nicht gedacht, dass ABSURD MINDS, die damals noch beim einen oder anderen PROJECT PITCHFORK – Hardliner als böse Kopie verschrien waren, einmal im Vorprogramm dieser Formation spielen würden. Heute unterscheiden sie sich jedoch allein schon durch die Tatsache, eine rein elektronische Band geblieben zu sein, während mittlerweile bei PITCHFORK auch ordentlich Gitarrenriffs zu hören sind. Da sich nun endlich die Halle mehr gefüllt hatte und auch eine bessere Stimmung vor der Bühne zu verzeichnen war, ist davon auszugehen, dass die früher hier und da von dieser Band recht abgeneigten PITCHFORK-Jünger ihren Frieden mit den ABSURD MINDS geschlossen zu haben scheinen. Anders als noch am Vortag in Dresden waren auch beim NINE INCH NAILS Cover von „Hurt“ heute keine Pfiffe zu vernehmen, obwohl so mancher etwas verkniffen guckte, als er diesen Song in bandtypisch elektronischer Version um die Ohren geworfen bekam; schon ein wenig grenzwertig, das Ganze. Das war und blieb aber auch das einzigste kleine Manko dieses Auftritts, der ansonsten unter anderem aus ihren Hits wie „Damn The Lie“, „Herzlos“ oder „Brainwash“ bestand.
Immer wieder gerne!
 
[Grit]
Sonntagabend Endspurt. Die übersichtliche Menschenmenge im Huxleys wollte endlich PROJECT PITCHFORK Auch wenn Berlin oft eine gewisse Abgeklärtheit bei Konzerten nachgesagt wird – heute Abend wurde gerockt. Eine geschlossene Wand aus Armen wurde in die Höhe streckt und die nacheinander erscheinenden Musiker gebührend begrüßt.
Diese bretterten sofort mit „God wrote“ los, um die überlange Aufwärmphase endlich zu beenden. Und ab da gab es kein halten mehr. In der Mitte der Menge bildeten sich als bald die bekannten Poger-Gruppen, die nicht nur aus Jungs bestanden. Da sah man ebenfalls die eine oder andere zart gebaute junge Frau durch die Masse wirbeln. Mit den nahtlos folgenden „Carnival“ und „Conjure“ bedienten Pitchfork ausnahmslos die Wünsche der Fans.
Und jeder Musiker hatte an diesem Abend seine ganz persönlichen Fangrüppchen vor sich stehen, welche sich gegenseitig in lauten Chören zu übertreffen versuchten. Die Songauswahl ging wieder einmal querbeet durch das Schaffen der fast 20-jährigen Geschichte der Band, „Souls“ kam ebenfalls vor wie auch neuere Hits wie „Timekiller“.
Hatte man vorher noch sorgenvoll auf die enthusiastischen Berichte aus Dresden und Jena gesehen und befürchtet, die Performance würde nach zwei so starker Shows vielleicht schwächeln, so überzeugten einen die fünf Herren eines Besseren.

Setlist:
01. God Wrote
02. Carnival
03. Conjure
04. Requiem
05. Revolution Now
06. Human Crossing
07. Carrion
08. Mine - Beast Of Prey
09. Alpha Omega
10. Lam Bras
11. Drone State
12. Longing
13. K.N.K.A.
14. Steelrose
15. En Garde
16. Existence Zugaben
Timekiller
Souls
Rescue Me 

[Cara]
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Copyright Fotos: Grit Rümmler (www.dark-dreams-in-digital.de)