TEHO TEARDO und BLIXA BARGELD - Leipzig - Bericht 2013

Geschrieben von M. Henning am . Veröffentlicht in Photoreports 2013

TEHO TEARDO und BLIXA BARGELDBlixa Bargeld in Leipzig
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Leipzig - Schauspiel Leipzig - 20.10.2013
 
 „Roomservice oder Masturbation? Nichts eröffnet Perspektiven.“

Diese und andere bedeutungslastige Zeilen prägten einen wunderbar düsteren Abend im Schauspiel Leipzig.
Am Sonntag, 20.10.2013, gaben sich Blixa Bargeld und Teho Teardo die Ehre im Großen Saal, um ihr aktuelles und gleichzeitig erstes gemeinsames Album „Still Smiling“ zu präsentieren. Unterstützt wurden sie von der Cellistin Martina Bertoni und später noch durch ein Streichquartett aus Leipzig, welches Blixa Bargeld mit lustigen Worten ankündigte.
 
 
 

Copyright Fotos: K. Seltmann


 
 
Mit ca. 400 Besuchern war der große Saal zwar nicht vollständig ausverkauft, aber das Interesse trotzdem recht groß, und diese Location erschien uns als eine hervorragende Kulisse für ein außergewöhnliches Ereignis.

 


 

Das Konzert begann ohne Vorband gegen 21.00 Uhr, und damit eine Stunde später als angekündigt, was aber durch das Veranstaltungshaus rechtzeitig bekannt gemacht wurde.

 


Großer Saal im Schauspiel Leipzig

Die drei Musiker wurden mit Beifall auf der Bühne empfangen, und ein offenbar gut gelaunter Herr Bargeld kommentierte die kurze Rückkopplung bei seinen ersten Worten locker mit „Das fängt ja gut an...“ Die Bühne war minimalistisch beleuchtet. Man konzentrierte sich hier scheinbar auf das Wesentliche - Musik, Gedanken und Gesang. Und das war auch gut so.

 


 

Die Musik begann. Mal ruhig und düster, mal brachial, orchestral und laut verliefen die Kompositionen und Texte unterschiedlich und abwechslungsreich an Klängen und Bildern. Wunderbare Töne und Arrangements, sich steigernde Dramatik, sein bekannter, typischer Gesang mit klassischer Begleitung, ein wohliger Genuss für die Anwesenden! Und das wurde mit entsprechendem Applaus belohnt. Herr Bargeld sang dreisprachig: Deutsch, Italienisch und Englisch. Teho Teardo bediente die elektrische Gitarre, diverse Fußschalter und den Computer.

 


 

Eine technische Panne beim dritten Song unterbrach die einwickelnden Wellen von Text und Musik grob. „There is no electricity...“ Herr Bargeld überspielte die Zwangspause gelassen. Nach wenigen Momenten konnte das Ereignis ohne weitere Probleme fortgesetzt werden. 

 


 

Zwischen den Stücken erzählte Herr Bargeld einiges über die gemeinsame Arbeit mit Teho Teardo und die Zeit, die sie miteinander verbrachten. So wurde er z. B. durch eine von Teho zugeschickte Datei zu „Millions Of Eels“ inspiriert, und beschrieb, wie er u. a.  „googlegestütztes Schreiben“ für seine Arbeit nutzte. Das Publikum amüsierte sich dabei über seine Ausführungen und war dankbar über diese Details.

 


Blixa und Teho mit Cellistin Martina Bertoni  und Leipziger Streichquartett

Blixa Bargeld verarbeitete verschiedene Gedanken zu eindrucksvoll komponierten und arrangierten Titeln: beispielsweise entschuldigt er sich nach eigenen Worten in „Mi Scusi“ für sein Italienisch und fragt gleichzeitig tiefgreifend „Kann ich in einer anderen Sprache küssen?“ Einfach wunderbar! Er sinniert in „Buntmetalldiebe“ über diverse real stattgefundene Delikte in diesem Zusammenhang, und widmet den Song „Negroni“ dem aus Italien stammenden Cocktail.

 


 

Neben den Titeln, die der Zusammenarbeit der beiden Musiker entsprungen sind, wurden auch zwei Coverversionen vorgetragen: „Crimson and Clover“ und „The Empty Boat“ im klassischen Gewand und mit der düsteren Stimme des Herrn Bargeld. Beide Stücke wurden wiederum mit einigen Worten von Herrn Bargeld angekündigt. Er erzählte z. B., dass seine 5-jährige Tochter ihn nach einem Auftritt fragte, ober er „Crimson and Clover“ gespielt habe... Ja, hat er. Eine fast familiäre Atmosphäre. 

 


 

Nach ca. 100 Minuten ist die Aufführung zu Ende, und man wünscht sich: Bitte noch einmal!

 

Eine sehr gelungene Zusammenarbeit zweier besonderer Künstler von Musik und Gesang wurde hier eindrucksvoll und nachdenklich vorgetragen, wenn auch Gesang bzw. Text und Vielfältigkeit der Töne durch Defizite der Akustik nicht immer voll zur Geltung kamen. Es war ein feines Konzert weitab von seichter Unterhaltung. 

 


 

„Der Zug bleibt stehen - er kann nicht anders.“ (Buntmetalldiebe)