Mera Luna Festival 2018 - Eine große Party im Sonnenschein

Geschrieben von Sabine Rübben. Veröffentlicht in Photoreports 2018

So schön war das MERA LUNA 2018

Am 11. und 12. August fanden sich zum 16. Male 25.000 Anhänger der Schwarzen Szene am Flughafen in Hildesheim-Drispenstedt ein, um gemeinsam zu feiern. Das M’era Luna hatte sein Rahmenprogramm in diesem Jahr noch einmal deutlich erweitert, so dass das Festival mit zwei Tagen eigentlich viel zu kurz war, um an allem teilzunehmen. Zwar reiste sicherlich der eine oder andere an, um das Zusammensein auf dem Campinggelände zu genießen, die meisten Besucher kamen aber sicherlich hauptsächlich wegen der Konzerte und um das gesamte Festivalflair zu erleben. Das Rahmenprogramm bestand in diesem Jahr aus Mittelaltermarkt samt Geisterbahn, Lesungen, Stylingworkshops, Fashionshows und der Möglichkeit Kleidung und Accessoires von Herstellern aus aller Welt zu kaufen.

Dieses Jahr spielte auch das Wetter mit. Am Samstag war es angenehm warm und etwas bewölkt, so dass die Besucher auch am Sonntag noch nicht völlig von der Sonne geröstet und von Sonnenbrand gerötet waren. Das sollte sich am 28 Grad heißen Sonntag allerdings noch ändern. Im Folgenden könnt ihr hier nachlesen, was beim M’era 2018 passiert ist.

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Tag 1 - Der Festival-Samstag, 12.08.2018

Um kurz nach 10 Uhr am Samstagmorgen wurde das direkt neben dem Campingarea gelegene Festivalgelände freigegeben. Die ersten Besucher kamen sehr gelassen an der Mainstage an und es füllte sich gemächlich. Vielleicht hatten viele am Vortag noch zu lange auf dem Campingplatz gefeiert. Um 11 Uhr eröffnete wie üblich der Newcomer-Gewinner das Festival. Das waren diesmal die Sci-Fi-Metaller Cyborg aus Hamburg. Sie spielten vier Songs von ihrem ersten Album ‚/Maschine‘ und legten sich dabei ordentlich ins Zeug. “Habt ihr Bock Leute?” rief Sänger Micha und mit harten Tönen und deutschsprachigem Gesang weckten sie die früh erschienenen Besucher auch tatsächlich auf. Die Besucher klatschten zu Growls, stakkatoartigem Geknüppel auf den Drums und Nebelfontänen. Ein Highlight ihres kurzen Auftritts war das Duett mit Patrick von Dunkelsucht zum Song ‚Lebensecht‘.

Der Auftritt der Dark Rocker von Erdling begann mit einem Intro aus Glocken und düsteren Klängen, welche in einen diabolischen Sprechgesang übergingen. Das ließ die Spannung erst einmal ansteigen. Als Erdling die Bühne betraten, war es für die frühe Uhrzeit bereits sehr gut gefüllt und die Menge machte beim ersten Lied ‚Mein Element’ ordentlich mit. Sänger Neill, der lässig mit Sonnenbrille schwarzem Outfit erschien, begrüßte die Fans vor der Bühne mit den Worten: “Guten Morgen M’era Luna!” und stellte im Verlauf der Show Gitarrist Neno Knuckle als seinen großartigen Trauzeugen vor. Eine schöne Geste. Ins Auge stach die neue Besetzung: Jetzt am Bass Pierre Anders („Eigentlich Imker“, wie Sänger Neill vorstellte.) und an den Drums Chris Eichlinger, die beide mit Erdling ihre zweite Show bestreiten durften. Nachdem Ende Juli ihr drittes Album ‘Dämon’ erschienen und auf Platz 43 gechartet war, hatten sie für die M’era Luna-Besucher die neuen Songs ‘Wieso Weshalb Warum’ und ‘Erdling‘ im Gepäck, die beide mit harten Gitarrenriffs ihre Live-Qualitäten beweisen konnten. Bevor ihr Auftritt mit dem siebten Song ‚Blitz & Donner’ endete, ließen sie das Publikum passend zum ebenfalls neuen Song ‚Tieftaucher’ abtauchen, um auf Kommando wieder springend aufzutauchen. Das muss ein fantastischer Anblick von der Bühne aus gewesen sein!

Weitaus schwerer hatten es da schon die Gothic Rocker von Merciful Nuns das Publikum zu animieren. Natürlich ist ihre Musik aus düsteren, synthetischen Klängen und tiefem Gesang auch nicht dazu gemacht, eine Ballermann-Sause dazu zu veranstalten, aber das war nach der mitmachaktiven Show von Erdling schon eine Herausforderung. Diese Art von Musik ist nun mal besser in einem dunklen Kellergewölbe aufgehoben, wo der Nebel auch richtig Wirkung zeigt. Zu ihrem Hit ‚Karma Inn‘ kam das Publikum aber doch aus sich heraus. Trotzdem war ihr zweiter Auftritt auf dem M’era Luna (nach 2015) ein gelungener Auftritt, den man durchaus sehr genießen konnte, wenn man ihre Musik mag. Dies zeigte besonders ein Fan, der zu Beginn ihrer Show minutenlang auf den Schultern zweier Freunde stand und eine Fahne hochhielt.

ZeraphineWeiter ging es auf der Mainstage mit Zeraphine. Ihre deutsch- und englischsprachigen Songs, die im Dark oder Alternative Rock angesiedelt sind, passten musikalisch ganz gut im Anschluss an die Merciful Nuns. Vor der Bühne war es wieder richtig voll geworden. Sänger Sven Friedrich verkündete: „Es gibt keine Ansage heute! Wir sind Zeraphine!“. Zum Auftakt mit ‚Lieber Allein‘ gab es erst einmal Gekreische der weiblichen Fans. Es war vielen Besuchern anzumerken, dass sie sich über diesen und einen der rar gewordenen Auftritte der Band freuten. Seit dem Jahr 2010 mit dem Album ‚Whiteout‘ gab es von Zeraphine keine Veröffentlichungen mehr, da sich Sänger Sven Friedrich hauptsächlich seinem Elektroprojekt Solar Fake widmete. So rockten sie sich motiviert durch zehn Songs wie ‚Die Macht in dir‘ und ‚Be my rain‘ und schlossen ihr Set mit dem ganz alten Song ‚Die Wirklichkeit’ von ihrer ersten CD ‚Kalte Sonne‘. Was fehlte war nur noch ihr Song ‚Sterne sehen‘, bei dem das Publikum immer zum alleinigen Mitsingen aufgefordert ist.

Wer bis dahin noch nicht wach war, sollte es spätestens bei Tanzwut werden, sollten die Bands mit mittelalterlichen Klängen doch diejenigen auf dem Festival sein, bei denen das Publikum am Eifrigsten mitmachte. Die sechs Spielleute um Sänger Teufel, die regelmäßig alle zwei bis drei Jahre auf dem M’era Luna zu Besuch sind, starteten mit dem Intro ‚Götterfunken‘, welches direkt in den Song ‚Schreib es mit Blut überging‘. Das Publikum honorierte es und folgte der anschließenden Aufforderung von rechts nach links zu winken. Zu ‚Geteert und gefedert‘ forderte Teufel die Menge auf, mit ihm durchzudrehen und quittierte das Ergebnis mit den Worten: „Ein schönes Affentheater!“. Das sollte wohl heißen, dass er sehr zufrieden mit der Resonanz war. Nicht fehlen durfte selbstverständlich das ‚Spiegelkabinett‘, zu dem die ‚Stars der Unterwelt‘ geladen waren. Die sechs Musiker spielten sich mit ihren Horrormasken durch den Song. Beendet wurde dieser Auftritt eines feiernden Publikums mit dem Song ‚Brüder im Geiste‘.

Jetzt hatten Lord Of The Lost zum Abriss geladen. Sie sollten ihre erste Show seit dem gerade erschienenen und auf Platz 6 in den Charts eingestiegenen Konzeptalbum ‚Thornstar‘ spielen. Ihre Shows werden als erstklassige Live-Band auf Festivals immer sehr gut besucht, doch nun erstreckte sich das schwarze Menschenmeer gefühlt bis zum Horizont, obwohl wir zeitlich gesehen von der Headliner-Position noch weit entfernt waren. Die Spannung auf die neue Show und die neuen Songs stieg an und dann eroberten sie die Bühne. Chris „the Lord“ Harms erstrahlte im schwarz glänzendem SM-Outfit mit Latexarmstulpen, während Multiinstrumentalist Gared Dirge in einem komplett silbern funkelndem Anzug die Blicke auf sich zog. Die schwarz-weiße Bemalung durfte natürlich auch nicht fehlen. Eine Neuerung stellte auch der Bühnenaufbau dar: Vor dem Hintergrund eines riesigen Thornstar-Backdrops wurden Niklas Kahls Schlagzeug und Gared Dirges Percussions vorne auf der Bühne in seitlicher Position aufgebaut. Vor dem Backdrop fand ein Podest seinen Platz, auf dem Chris Harms ab und an vor dem Götterbildnis performen sollte. Das Set startete energiegeladen mit dem Song ‚On this Rock‘, zu dessen Ende Chris seine schwarze Gitarre auf seinem Podest zertrümmerte. Im Verlauf der Show gab es vom neuen Album auch ‚‘Morgana‘ und ‚Haythor‘ live zu hören. Die Menge tobte und sang. Der Frontmann ließ es sich bei ‚Blood for Blood’ nicht nehmen, in den Graben zu kommen und auf dem Geländer stehend zu singen. Bassist Class Grenayde surfte zum Abschluss freudig samt Kamera über das Menschenmeer, so dass er auf dem Abschlussfoto nur im Hintergrund zu sehen war. Insgesamt war es ein sehr gut durchmischtes Set aus alten Hits und neuen Songs und die Spielfreude war der Band richtig anzumerken.

Spielfreude war auch bei The 69 Eyes vorhanden, kam dies bei einigen ihrer Touren in der Vergangenheit nicht immer so herüber. Das machte richtig Laune auf ihren Auftritt. Leider hatten sie richtiges Pech. Es wurde eifrig an der Technik geschraubt, so dass sich der Beginn bereits um fünfzehn Minuten verzögerte. Dann jedoch starteten die Helsinki Vampires in strahlendem Sonnenschein energiegeladen mit ihrem Hit ‘Framed In Blood’ und das Publikum ging direkt mit. Von Beginn an traten jedoch Störungen mit dem Mikrofon auf. Zuerst geschah dies nur während der Ansagen, spätestens beim dritten Song ‘Gothic Girl’ wurde klar, dass auch der Gesang davon nicht verschont blieb. Danach wurde das Mikrofon ausgetauscht und der Spuk war damit vorbei. Weiter ging es mit ‘Jet Fighter Plane’, dem einzigen Song aus dem aktuellen Album ‘Universal Monsters’. Auch Gitarrist Bazie hatte besondere Lust, das M’era Luna zu rocken und posierte für Fotografen und Fans in bester Rockermanier. Nach Brandon Lee erhielt die Band ein Zeichen, dass nun nur noch ein Song erlaubt sei. Sänger Jyrki war sein Ärger über die Gesamtsituation ganz kurz anzumerken, aber professionell lieferten sie daraufhin ihren wohl bekanntesten Song ‘Lost Boys’ zum großen Finale ab.

Um 18 Uhr war es Zeit für die Norweger von Apoptygma Berzerk, die schon bald ihr 30jähriges Bestehen feiern dürfen. APOP gaben den Fans der synthetischen Musik Gelegenheit, eine große Party zu feiern. Auch weit entfernt der Bühne wurde noch voller Freude getanzt. Sie starteten mit ‘Love Never Dies’ von ihrem Album ‘7’ aus dem Jahr 1996 von dem noch vier weitere Songs im elf Stücke langen Set gespielt werden sollten. In der Mitte ihres Auftritts durfte Keyboarder Jonas Groth einen Soloauftritt mit ‘Nearer’ hinlegen. Er sang und spielte sich unglaublich emotional durch diesen Song. Sänger Stephan L. Groth und seinen Musikerkollegen merkte man richtig an, dass sie unglaublichen Spaß an diesem Auftritt hatten und das ließen sie auch das Publikum bei ‘Asleep or Awake’ spüren. Sie beendeten diesen fantastischen Auftritt mit ihren Hits ‘Until the End of the World’ und ‘Mourn’ und ließen das Publikum dabei kräftig mitsingen. Wie auf die Inhalte dieser Songs und das Ende des Auftritts abgestimmt, machten sich derweil am Rand des Infields eine Reihe von fantasievollen Steampunk-Metall-Gefährte auf ihren Weg über das Festivalgelände. Das Ende der Welt und der APOP’schen Zeit war damit gekommen.

Nun wurde es Zeit für einen Act, der durchaus gespaltene Meinungen bei den Besuchern hervorrief. Aber die Industrial Metal-Legende Ministry wären nicht das, was sie sind, wenn sie nicht provokativ ihr politisches Meinungsbild vertreten würden und dies mit ihrem eigenen Stil musikalisch untermauern würden. Die Amerikaner ließen es bei ihrem dritten Auftritt auf dem M’era Luna richtig krachen. Ihr Set bestand größtenteils aus Songs des aktuellen Albums ‚AmeriKKKant‘. Passend zu ihrer damit offen ausgedrückten Abneigung gegen Präsident Donald Trump waren auch die Videosequenzen auf der Leinwand ausgewählt, die an Stelle der sonstigen Live-Übertragung gezeigt wurden. Auf der Bühne leisteten den sieben Musikern zwei riesige, aufgeblasen Trump-Hühner Gesellschaft, die von Bandkopf und Sänger Al Jourgensen, bei diversen Songs Schläge und Tritte einstecken mussten und sogar bespuckt wurden. Los ging es mit ‘I Know Words’ und ‘Twilight Zone’. Im weiteren Verlauf durften dann aber auch ‘Punch In The Face’, ‘LiesLiesLies’ und zum Abschluss ‘So What‘ nicht fehlen. ‚Just One Fix’, ihrem Hit aus den 90ern, kündigte der Frontmann mit den auffälligen Gesichtstattoos und -piercings mit „We need change“-Aufrufen an. Die Menge stieg darauf ein und machte eifrig mit und dann durfte auch schon wieder wild gepoged werden. Neben Uncle Als aggressiv-motiviertem Auftreten lieferten auch die Gitarristen Sin Quirin und Cesar Soto eine gute Performance ab und interagierten mit dem Publikum. Im Fazit ein gelungener Auftritt, bei dem die, die wollten, richtig mitgehen konnten.

Langsam neigte sich der erste Festivaltag dem Ende entgegen. Als vorletzte Band durften In Extremo auf die Bühne. Inzwischen dämmerte es, was der Pyroshow ab dem zweiten Song ‚Feuertaufe‘ zu Gute kam. Dr. Pymonte eröffnete ‚Vollmond‘ mit seinem Harfenspiel und im Verlauf des Songs war das Publikum gefragt, den Refrain alleine zu singen. Zu ‚Lieb Vaterland, magst ruhig sein‘ schossen beim Instrumentensolo die Feuerfontänen über Kreuz in die Höhe. Gleiches geschah zu ‚Sängerkrieg‘, während die Besucher von Sänger Michael Rhein zu immer lauteren „Ho-ho“-Rufen angefeuert wurden und Yellow Pfeiffer und Flex der Biegsame ihre Marktsackpfeifen nebeneinander im Takt schwenkten. Der nächste Song wurde angesagt mit den Worten: „Als wir gestern zusammensaßen, wurde uns gesagt, dass könnt ihr auf dem M’era Luna bei den sogenannten ‚Gruftis‘ nicht bringen. Doch, das können wir! Weil auch hier auf dem M‘era Luna viel Alkohol getrunken wird.“ und schon ging die Party mit ‚Sternhagelvoll’ aus dem aktuellen Album ‚Quid pro Quo’ weiter. Das Publikum kommt der Aufforderung bei ‚Sängerkrieg’ bis in die letzen Reihen zu schunkeln gerne nach und will am Ende gar nicht mehr aufhören, den Refrain alleine zu singen. Zum Schluss sollte zu ‚Pikse Palve‘ noch einmal alles gegeben werden. Die Feuerfontänen schossen in die Höhe und die sieben Spielleute gaben die Bühne frei für den Headliner des Abends.

The ProdigyEs schien, als hätten alle 25.000 Besucher des M‘era Lunas noch genug Energie übrig gehabt, um sich den britischen Headliner anzusehen. Und Energie war auch zwingend erforderlich, wenn man bei dieser riesigen Party aktiv mitmachen wollte. Vom ersten Ton an versuchten The Prodigy das Flughafengelände in Grund und Boden zu spielen. Lautstärke und Bass bliesen die gespannt wartende Menge gefühlt erst einmal zwei Meter nach hinten. Und schon ging es los mit ‚Breathe’ und das gesamte Infield sprang und tanzte. Das Tempo der schnellen, aggressiven Beats wurde durch die Lichtshow visualisiert: Blitzartig flackerten und zuckten die Scheinwerferkegel über die Bühne und über die Köpfe der „Party People“. Alte Hits wie ‚Firestarter‘ und. neue Lieder wie ‚Roadblox’ wurden gleichermaßen gespielt und die Masse jubelte. „Everybody here get the fuck down!“ schrie Sänger Maxim und befahl jedem vor der Bühne in die Hocke zu gehen. Aufgesprungen wurde beim ersten ‚Smack My Bitch Up‘ und die Party ging mit neuem Schwung weiter. Beide Sänger sprangen selber während des gesamten Auftritts mit unbändiger Power über die Bühne. Das kann man schon als beachtliche Leistung bezeichnen. Sänger Keith Flint hatte sehr Recht als er sagte: „It‘s nothing else than a fucking Party!“

Tag 2 - Der Festival-Sonntag, 12.08.2018

Am zweiten Tag verzögerte sich der Einlass um knapp eine halbe Stunde. Der Soundcheck lief noch. Als sich die Pforten dann endlich öffneten, gab es einen riesigen Ansturm auf die Main Stage. Alle Achtung an die Festivalbesucher, dass sie am zweiten Tag noch so viel Motivation mitbrachten! Was also sollte auf der Mainstage passieren, dass um 11:30 Uhr so einen Ansturm auslöste? Die Senkrechtstarter Schattenmann, wurden als der heutige Opener dafür belohnt, dass sie im letzten Jahr unermüdlich Live-Auftritte gespielt hatten. Im Vergleich zum Samstag war es direkt nach Einlass unglaublich voll und die Zuschauer standen dicht gedrängt vor der Bühne. Und dann ging es auch schon los. Mit einem großen Knall aus Feuerkanonen eröffneten Schattenmann mit ‘Brennendes Eis’ den zweiten Festivaltag. Bei dem folgenden ‘Gekentert’ wurde fleißig gewunken und die Fans vor der Bühne sangen wirklich laut mit. An einer wachsenden Fanbase besteht also kein Zweifel, was aufgrund der ausgefeilten Bühnenshow und Songs, die ins Ohr gehen, jedoch auch gerechtfertigt erscheint. “Habt ihr Bock ein bisschen mit uns zu ficken?” fragte Frontmann Frank Herzig und es folgte das provokative ‘Generation Sex’. Zu ‘Amok’ wurde eskaliert: Die Menge klatschte und schüttelte die Köpfe, die Feuerfontänen schossen in die Höhe, Sänger Frank wirbelte eine Kettensäge durch die Luft und ließ zum Schluss einen umgeschnallten Pyro-Gürtel für Funkenflug sorgen. Keine Frage: Das war Unterhaltung pur am Vormittag.

Wer dachte, dass elektronische und Mittelalterklänge nicht vereinbar sind, der durfte sich von Heimataerde nun eines Besseren belehren lassen. Die sechs Herren in Ritterkostümierung ließen es ordentlich krachen. Der Sound erschien deutlich lauter als bei den anderen Auftritten und der Bass wummerte. Los ging es mit ‘Der Verfall’. “M’era Luna! Wollt ihr mit uns hoch hinaus?” sagte Sänger und Ritter Ashlar von Megalon ‘Hoch hinaus’ an. Das Publikum machte ordentlich mit, so auch bei der darauffolgenden Klatsch-Dauerorgie zu ‘Tanz’. Zu ‘Hick Hack Hackebeil’ wurden auf der Bühne begleitend ordentlich die Äxte geschwungen und für mich hieß es jetzt auf in den Hangar. Dort gaben sich als nächstes die Briten von Massive Ego mit ihrem Dark-Electro-Pop die Ehre. Leider konnte mich der Sound im Hangar auch dieses Jahr nicht überzeugen. Mag sein, dass er von weiter hinten besser ist, aber vorne ist es für meinen Geschmack immer deutlich zu leise, so dass keine richtige Stimmung aufkommen will. Hinzu kamen weitere technische Unstimmigkeiten beim Song ‘Drag Me In, Drag Me Under’, bei dem der Gesang stellenweise nicht zur Musik zu passen schien. Sänger Marc Massive mit Mickey Mouse-Ohren und wirklich ausgefallener Gesichtsbemalung sowie pinkfarbenen Lackschuhen forderte das Publikum auf: “Let’s see your hands!” und viele folgten seiner Aufforderung. Songtechnisch hatten sie ein wirklich schönes Set zusammengestellt: ‘Low Life’, ‘I Idolize You’, ‘Beautiful Suicide’ und zum Abschluss das kraftvolle ‘Haters Gonna Hate’ ließen unter anderem die Menge tanzen. Auch ‘For the Blood in your Veins’ mit der Begleitstimme Chris Pohls vom Band fehlte nicht. Die Show wurde unterstützt von einer äußerst farbenfrohen Lichtshow, viel Nebel und einer Videoanimation auf der Leinwand. Insgesamt lieferten Massive Ego eine gute Performance und mit “Oh, M’Era Luna! I love you boys!” verabschiedeten sie sich von der Bühne.

HeimataerdeWieder unter brennender Sonne ging es mit Bannkreis weiter oder eben auch erst mal nicht. Nach dem Intro mit einer Erzählung starteten die fünf Musiker, von denen die vier Herren allesamt auch Mitglieder bei Subway To Sally sind, mit dem gleichnamigen Song ‘Bannkreis’. Nach kurzer Zeit jedoch gab es Tonaussetzer und kurz darauf fiel der Ton ganz aus. Eric Fish und seine Gefährten machten tapfer weiter bis zum Ende des Lieds. Das Publikum unterstützte die Folk Rocker gutgelaunt und macht Stimmung. Eric Fish feuerte sie daraufhin weiter an und nach endlos langen fünf Minuten konnte er endlich rufen: “Es geht!” Danach ging es glücklicherweise ohne Probleme weiter mit den Liedern ‘Lebenslinien’ und ‘Hilf mir zu glauben’. Bei Letzterem fiel besonders Sängerin Johannas glasklare Stimme auf. Im Anschluss stellte Eric Johanna Krins vor, die seiner Meinung nach der Ursprung der Idee zu Bannkreis war. Nach ‚Rabenflug’ gab es noch ein Drehleiersolo und mit ‚Lebewohl‘, welches auf ein irisches Volkslied zurückgeht, endete dieser Auftritt der noch recht jungen Band, die zwar noch nicht viele Auftritte hatte, dafür aber direkt auf vielen namhaften Festivals spielen durfte. Den Anwesenden Zuschauern hat es auf jeden Fall gefallen.

Es wurde Zeit für den Auftritt der Goth Rocker von Lacrimas Profundere. Für die Bandhistorie sollte dies ein denkwürdiger Auftritt werden. Im Vorfeld war bereits bekannt geworden, dass Rob Vitacca, der seit zehn Jahren die Position am Mikro innehat, sich mit dem Auftritt auf dem M’era Luna verabschieden wird. Auch der Neuzugang wurde bereits angekündigt und durfte sich im Juni auf dem Donauinselfest in Wien bereits beweisen. Es handelt sich um den 26jährigen und bisher hier in der Szene unbekannten Julian Larre. Es wurde demnach vorab wild unter den Fans diskutiert, ob es ein Duett der beiden Sänger geben würde. Dieser Wunsch sollte sich jedoch nicht erfüllen. Die fünf Musiker rockten sich durch eine Songauswahl quer durch die Bandgeschichte. Altsänger Rob übernahm die ersten sechs Songs, u.a. ‘Dead To Me’, ‘Remembrance Song’ und ‘My Mescaline’. wobei leider auffiel, dass es mehr als nur einen Texthänger gab, der dem ungeübten Hörer zwar nicht aufgefallen sein wird, jedoch die Vermutung nahelegt, dass die Luft raus war. Oder lag es vielleicht doch an der Aufregung wegen seines Abschieds? Vor ‘Hope is here’, dem letzten von Robs Songs, den er mit Akustikgitarre begleitete, ergriff er das Wort und bedankte sich bei allen Leuten, die ihn in den letzten zehn Jahren begleitet haben. “M’era Luna! Hier fing es an und hier endet es.” Nach dem letzten Ton umarmten ihn seine Bandmitglieder und er verließ die Bühne. Ohne eine Ansage startete Julian seinen Einsatz mit ‘My Velvet Little Darkness’. Es war ein richtiger Umbruch zu spüren. Julian nutzte den Platz aus der Bühne voll aus, rannte von links nach rechts und wieder in die Mitte. “I wanna see your hands“ rief er und schaffte es tatsächlich, das Publikum aus seiner Lethargie zu reißen. Bei den letzten beiden Songs ‘Again It’s Over’ und ‘Ave End’ gab es für ihn kein Halten mehr. Er sprang runter in den Graben und ging auf Tuchfühlung mit den Fans. Das Publikum dankte es ihm mit Zugabe-Rufen. Wie sich schon in den Wochen vor dem M’era Luna herauskristallisierte und was einige Tage nach dem Festival offiziell verkündet wurde, verließen auch Drummer Steele, Bassist Clemens und Gitarrist Tony Lacrimas Profundere. Bei der Spielfreude, die die Musiker an den Tag legten, scheint dies fast unerklärlich. Doch die Neubesetzung steht schon, so dass Lacrimas Profundere ihr 25jähriges Bandjubiläum doch noch feiern können. Das nächste Album steht bereits in den Startlöchern Und dazu wird es im November eine kleine Tour geben. Wir dürfen also gespannt sein, was die Zukunft bringen wird.

Es wurde wieder voller vor der Bühne und es durfte getanzt werden. Zeit für die Österreicher von L‘Âme Immortelle. Der Auftakt erfolgte mit ‚Unendlich‘ ihres aktuellen Albums ‚Hinter dem Horizont‘, gefolgt von ‚‘Stumme Schreie‘ aus ihrem in bislang erfolgreichsten Album ‚Gezeiten‘ aus dem Jahre 2004 (Platz 16 der Deutschen offiziellen Albumcharts). Thomas Rainer, der am Vortag bereits mit seinem Projekt Nachtmahr im Hangar aufgetreten ist, sang voller Inbrunst und Sonja Kraushofer sang mit ihrer unverwechselbaren Stimme, die sie wie immer perfekt einsetzte, um Emotionen und eine zu den Texten passende, durchdringende Traurigkeit zu transportieren. Natürlich gehörten zu ihrer Performance auch die gekonnt ruckartigen Verrenkungen samt verzerrter Mimik, mit denen sie unbestreitbar eine Rolle in Tim Burtons Sweeney Todd an der Seite von Johnny Depp und Helena Bonham Carter verdient gehabt hätte. Als nächstes spielten sie die einzigen englischsprachigen Songs im Set ‚Fear‘ und ‚Fallen Angel‘. Zu letztgenannter, wunderschöner Ballade kehrte bedächtige Stille vor der Bühne ein. ‚Es tut mir leid‘ brachte eine gefühlsmäßige Explosion. Sonja und Rainer schrien ihre Gefühle im Zwiegespräch heraus und wurden vom Publikum mit Applaus belohnt. Und damit kamen wir auch schon zum großen Finale mit ihren größten Hits ‚Phoenix‘ und ‚5 Jahre’. Letzterer wurde von Thomas Rainer angekündigt als der Song, der keiner Ankündigung bedarf. Dies war auch die einzige Ansage dieses Auftritts. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass das Publikum recht zurückhaltend war. Da wäre mehr Party möglich gewesen. Es hätte vielleicht nur ein wenig mehr Interaktion mit dem Publikum bedurft.

Als Publikumsmagnet erwies sich Peter Heppner. Kein Wunder: Der Mann im blauen Hemd und mit den grauen Haaren kann auf eine über 30jährige Musikkarriere zurückblicken und es gibt wohl niemanden, der Songs wie ‘Kein zurück’ (Wolfsheim) oder ‘Die Flut’ nicht kennt. Zuerst wurden die Zuschauer mit ein paar aktuelleren Liedern aus seinen letzten beiden Soloalben auf den Auftritt eingestimmt (u.a. ‘I Won’t Give Up’, ‘Alleinesein’). Aber schon mit dem dritten Song brachte er ‘Once In a Lifetime’ aus seiner Zeit mit Wolfsheim und das gesamte Schwarze Meer bewegte sich, klatschte im Takt und jubelte. Auch ‘Meine Welt’, ein Song, bei dem Heppners unverwechselbare Stimme auch sehr schön zur Geltung kommt, erntete viel Applaus. Ein Raunen geht durch die Menge als die ersten Töne von ‘The Sparrows & The Nightingales’ erklangen und welches viele Besucher veranlasste, ihre Arme tanzend in die Höhe zu strecken. Das war definitiv ein weiterer Höhepunkt der Show. Doch die größte Überraschung sollte noch kommen: Heppner bat einen geschätzten Kollegen auf die Bühne. Es war kein Geringerer als Joachim Witt! Die beiden sangen gemeinsam ‘Die Flut’, das sie 1998 zusammen als Witt/Heppner veröffentlicht haben und welches für beide mit der Platinauszeichnung die bislang erfolgreichste Veröffentlichung darstellt. “Wir haben auch nur zwanzig Jahre gebraucht, einen Nachfolger für ‘Die Flut’ zu finden!” kündigte Heppner die vor zwei Tagen erschienene Single zum Song ‘Was bleibt?’ an, bei dem er Unterstützung von Joachim Witt erhält. Zum Abschluss gab es noch ‘Kein zurück’ und ‘Wir sind wir’ und er ließ das Publikum mit mindestens genauso guter Laune zurück, wie er sie während seines Auftritts ausgestrahlt hat.

Saltatio MortisDer frühe Abend gehörte den Mittelalterrockern von Saltatio Mortis. Ab dem ersten Ton von ‚Früher war alles besser‘ war das gesamte, bis zum Platzen gefüllte, Infield in Bewegung. Es wurde geklatscht, gewunken und auf der Bühne schossen die Flammen in die Höhe. Richtig ab ging es direkt bei ‚Wo sind die Clowns?‘. Die gute Laune, die die Spielleute ausstrahlten, verbreitete sich auch im Publikum wie ein Lauffeuer. Es wurde gesungen, geklatscht und getanzt. Sänger Alea der Bescheidene zeigte sich völlig überwältigt von der großartigen Stimmung: „Ich kämpf‘ gerade hier oben mit einem Haufen Adrenalin! Das ist der absolute Wahnsinn!“. Gleichzeitig kündigte er das neue Album ‚Brot und Spiele‘ an, das fünf Tage nach dem M’era Luna erscheinen und wieder auf Platz 1 der Offiziellen Deutschen Albumcharts klettern sollte. Zu hören gab es vom neuen Album nun den Song ‚Große Träume‘. Im weiteren Verlauf gab es auch noch die neuen Lieder ‚Dorn im Ohr‘, ‚Heimdall‘ und ‚Brunhild‘, die das Publikum aus den vorab erschienenen Videos bereits kannte. Es gab keine Verschnaufpause für die Fans. Zu Beginn von ‚Wachstum über alles‘ ließ der sportliche Sänger das Publikum niederknien und dabei klatschen, bevor es auf Kommando in die Höhe ging. ‚Bei Prometheus‘ wurde gewunken und auf das Stichwort ‚Feuer‘ wurden die Hände in die Höhe gerissen. Das wurde ein richtiges Workout bei sonnigen 28 Grad und die Feuerfontänen heizten Band und Publikum gleichermaßen ein. Aber Alea der Bescheidene durfte sich bei ‚Rattenfänger‘ etwas erholen, denn er ließ sich den kompletten Song auf Händen über das schwarze Meer tragen. Das Publikum durfte weiterhin in Bewegung bleiben. An der Schulter des Nachbarn festhaltend wurde zu ‚Koma‘ gesprungen. Von hinten aus betrachtet (und sicherlich auch von vorne von der Bühne) ergab dies einen fantastischen Anblick, als die gesamte Zuschauerschar in Reihen unterteilt auf und ab sprang. Mit lautem Gesang und winkenden Armen soweit das Auge reichte, verabschiedeten sich Saltatio Mortis in einem stimmungsvollen Augenblick mit dem ‚Spielmannsschwur‘. Nein, eigentlich verabschiedeten sie sich mit Deichkinds ‚Krawall und Remmi Demmi‘, während Alea der Bescheidene im Graben CDs an die Fans verschenkte.

Dann rückten sie an: sieben große, aufgeblähte, gelbe Pikachu-Figuren, in denen jeweils eine Person steckte. Sie hüpften am Rande des Infields herum und posierten freudig für Fotos. Kurz darauf sollte man sie während des Auftritts von Eisbrecher immer wieder aus der Menge herausragen sehen, in der sie sich quirlig tummelten. Auch Alexx Wesselky entging der lustige, springende Trupp nicht und wurde weiter angespornt mit einem eingeschobenen „Pokémon go!“. Aber erst einmal der Reihe nach. Während es langsam dämmerte, waren wohl die meisten der 25.000 Besucher, die gerade nicht im Hangar bei Hocico waren, vor der Main Stage versammelt. Als das Intro endete, fiel der eigens für den Headliner aufgehängte Vorhang mit einem Eisbärenschädel vor gekreuzten Eispickeln und Kapitän Alexx Wesselsky, mit Sonnenbrille und in adretter Uniform, entstieg einer silbernen Kammer, die das U-Boot darstellte. Und schon ging sie los, die ‚Sturmfahrt‘. EisbrecherFür ‚Das Gesetz‘, ebenfalls vom aktuellen Nummer 1-Album ‚Sturmfahrt‘, wurde die Kapitänsmütze gegen einen Cowboyhut getauscht. Sänger Alexx führte gewohnt wortreich als smarter und gutgelaunter Animateur durch das Programm. Er sparte dabei auch nicht an Lob an die Crew und erläuterte die Hintergründe der sozialkritischen Songs knapp. Für das härtere und impulsive ‚Amok‘ trommelten die vier Musiker auf Metallfässern, deren Oberfläche mit Wasser gefüllt war. Dies sorgte für spritzige Akzente bei der imposanten Lichtshow. Das Publikum klatschte dazu laut im Takt. ‚Prototyp‘ verbrachte Herr Wesselsky im Graben bei den Fans und schüttelte zahlreiche Hände in der ersten Reihe. Die Stimmung kochte. Die ganze Menge reckte die Fäuste und brüllte ‚Himmel, Arsch und Zwirn‘. Bei ‚Eiszeit‘ fing es an auf der Bühne an zu schneien und bei ‚1.000 Narben‘ folgte das Publikum der Aufforderung mitzumachen und sang, sprang und klatschte. Die Party war in vollem Gange. Von Jahr zu Jahr lässt sich beobachten, dass Eisbrecher auf steilem Kurs nach oben sind. Stillstand gibt es hier nicht und so bekam ‚This Is Deutsch‘ als Bühnenelement eine mit vielen LEDs bestückte Kanzel spendiert, von der Sänger Alexx seine Botschaft predigen konnte. ‚Ton-Minister‘ Noel Pix durfte mit seinem kleinen Synthesizer zwischen den ganzen Nebelfontänen auch einmal die ganze Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Nach einem Drum-/Synthesizer-Solo wurde Drummer Achim Färber gelobt und auch noch einmal betont, dass er zuvor bereits mit Peter Heppner auf der Bühne einen guten Job erledigt hatte. „Springt in die Luft! Lasst alles raus!“ rief der zeitweilige Kapitän und ‚Miststück‘ brach samt Mitgrölpart und Rapeinlage über die Fans herein. Was sehr lange Zeit als Abschlusssong im Set diente, sollte heute noch nicht das Ende gewesen sein. Die Zugaberufe wurden erhört und was mit einer ‚Sturmfahrt‘ begonnen hatte, endete ‚In einem Boot‘ und zugleich endete ein wunderbares Festival.

www.meraluna.de

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Fotograf für HELL-ZONE: Andreas Noack

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