TRANSIT POETRY Sascha Blach Interview 2011

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TRANSIT POETRY - Interview mit Sascha Blach Februar 2011

aktuelles Album: "Pedestrian In The Sky"

Mit "Pedestrian in the Sky" veröffentlicht die Band um Mastermind Sascha Blach soeben ihr viertes Studioalbum. Wir fragten ihn jetzt dazu kräftig aus.
 
Außerdem haben wir das neue Werk sofort unserem "CD-Check" unterzogen >>>>>

 

"Wir machen Musik, die man aufgrund der schönen Melodien und Grooves leicht konsumieren kann, die aber auch für eine tiefergehende Beschäftigung genug Inhalte und Details enthält." - Sascha Blach


 
HELL-ZONE (HZ): Hi Sascha, wie geht es dir?

Sascha Blach: "Gut, ich habe immer noch recht viel zu tun mit der Promotion von 'Pedestrians In The Sky' und als Freiberufler hört die Arbeit ja eh nie auf, aber es macht Spaß ..." 
 

tp-pressefoto HZ: Euch gibt es ja mittlerweile bereits ein paar Jahre und mit „Pedestrian in the sky“ veröffentlich ihr bereits das 4. Album. Stell eure Band bitte trotzdem für alle potentiellen „Neuhörer“ kurz vor!

Sascha: "Ja, Transit Poetry gibt es nun seit etwa 2002 und wir haben seitdem die Alben "Themes From A Desolate Ocean", "Shamanic Passage Through The Embers", "Evocation Of Gaia" und nun eben "Pedestrians In The Sky" veröffentlicht. Die ersten drei Werke sind via Omniamedia veröffentlicht worden, die neue Scheibe in Kooperation von Remote und Danse Macabre. Die Alben sind jeweils einem der vier Elemente zugeordnet und wir haben nun mit 'Pedestrians ...' die Tetralogie fertig gestellt und somit gewissermaßen ein kleines Gesamtkunstwerk geschaffen, was man auch grafisch erkennen kann, wenn man sich die Cover ansieht."
 

HZ: Wie fühlt es sich an, eine neue „Platte“ fertig gestellt zu haben?
Sascha: "Dazu muss ich sagen, dass das Album bereits seit über einem Jahr in der Schublade liegt und nur aufgrund von Labelproblemen und weil wir Verzug mit der Grafik hatten, so spät veröffentlicht wurde.
Zunächst mussten wir überhaupt ein Label suchen und als Remote dann zugesagt hatten, haben uns vertriebliche Fragen zunächst mal einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber ich freue mich, das Album nun endlich auch als fertiges Produkt in den Händen halten zu können. Wenn man sich so das Booklet durchblättert und sein Werk, das man gewissermaßen aus dem Nichts heraus erschaffen hat, betrachtet, weiß man, dass es die immense Arbeit wert war."

HZ: Euer 4. Album beschäftigt sich mit „Luft“, dem 4. Element.
Die Elemente Wasser Feuer, Erde wurden davor schon behandelt. Wie kamt ihr auf diese Konzeptidee und war es nach all den Jahren seit dem ersten Werk noch einfach, dem angestrebten Konzept der Elemente treu zu bleiben?
Sascha: "Ich gebe zu, ich dachte mir schon manchmal zwischendurch, dass ich auch gerne mal was anderes machen würde. Aber da bin ich konsequent, wenn ich mir erstmal ein Ziel gesetzt habe. Außerdem sind die 4 Elemente ja nur eine grobe Richtlinie, die mir dennoch viele Freiheiten lässt. So drehen sich die neuen Songs keinesfalls nur um das Thema Luft, sondern decken auch viele Themen ab, die sich erst auf den zweiten Blick damit assoziieren lassen.
Wie ich überhaupt auf das Konzept gekommen bin, weiß ich gar nicht mehr so genau. Das hatte sich während der Arbeit am Debüt so ergeben, dass dieses zu einem Wasseralbum wurde – entsprechend lag es nahe, die anderen Elemente auch abzuarbeiten. Und ich mag es halt, mir größere Herausforderungen zu setzen, anstatt einfach 'nur' normale Alben aufzunehmen."
 

Transit Poetry LogoHZ: Wie seid ihr an das neue Album und das Thema heran gegangen?
Sascha: "Zunächst einmal mit einem Brainstorming zum Thema Luft. Daraus haben sich die ersten Textthemen ergeben und die Songs und Texte sind dann parallel in einem Zeitraum von zwei Jahren entstanden.
Ich musste diesmal leider sehr in Etappen arbeiten, da mir die Zeit gefehlt hat, mich für eine längere Zeit ins Studio zurückzuziehen. So hatte ich meist nur am Wochenende Zeit und die Songs haben oftmals mehrere Monate geruht. Das ist einerseits gut, weil man so immer wieder Abstand zum eigenen Schaffen gewinnt, andererseits war es aber auch anstrengend, weil man das Gefühl hat, dieses Projekt nie richtig abschließen zu können. Aber wie schon gesagt bin ich als Freiberufler für verschiedene Auftraggeber tätig, da hat man quasi nie Feierabend."
 

HZ: Was steckt hinter dem etwas mysteriösen Album-Titel?

Sascha: "Ich wollte den Journalisten eine gute Steilvorlage für interessante Fragen geben ;-)
Nein, im Ernst, der Titel bezieht sich auf die Seelen, die sich vom Körper gelöst haben und nun frei von Raum und Zeit wandeln können, wo immer sie wollen, so z.B. im Himmel. Es ist also ein Synonym für alles Geistige, das ja auch in diesem Album wieder eine große Rolle einnimmt, denn Transit Poetry ist ja für mich das Medium zu meiner spirituellen Suche.
Ich glaube daran, dass der Geist den Körper erschafft und sich irgendwann wieder von ihm löst, um die nächste Stufe in der Reinkarnation zu gehen. Darauf spielt der Titel indirekt auch an. Außerdem sollte er natürlich einen direkten Bezug zur Luft haben – und der Himmel war eben meine erste Assoziation."
 

HZ: Wirken eigentlich alle Bandmitglieder an der Entstehung aktiv mit? Wie können wir uns die Entstehung eines Songs bei euch vorstellen?
 
Sascha: "Transit Poetry ist schon in erster Linie meine Spielwiese und der Großteil des Songwritings, der Recordings, der Produktion, des Mixes und des Masterings wird von mir bewerkstelligt. Selbiges gilt für die Grafiken und Webseiten.
Aber die anderen in der Band sind dennoch in einigen Songs zu hören und haben für mich eine wichtige Rolle, da sie mir mit konstruktivem Feedback zur Seite stehen und mich motivieren. Naja, und live kann ich natürlich auch nicht alleine auftreten. Wir sind also eher so eine Art Bandprojekt, aber das ist okay für alle, da die anderen ja noch ihre eigenen Projekte haben, in denen sie sich austoben."
 

HZ: Fast alle Bandmitglieder von euch leben vegan. Ab und an kommt der moralische Appell auch im Album vor. Hab ihr hier gezielt eine Absicht verfolgt?
 
Sascha: "Eh sich nun jemand aus der Band falsch repräsentiert sieht, würde ich den Satz lieber so formulieren, dass fast alle in der Band vegetarisch und vegan leben, da nicht alle meine Konsequenz an den Tag legen ;-) Aber ich denke der Gedanke zählt.
Mir war es wichtig, dieses Thema nicht mehr so plakativ zu verarbeiten wie in dem Song 'Vegan Revolution', sondern eher etwas subtiler. So kommt diesmal eher die generelle Respektlosigkeit zur Sprache, mit der die Menschen die Natur und ihre Umwelt behandeln. Ich finde es einfach total krank, mit welcher Kaltblütigkeit und Gleichgültigkeit wir jedes Jahr Millionen an Tieren quälen und töten und dass man sich dann als Veganer auch noch rechtfertigen muss.
Die Gesellschaft ist leider voller Vorurteile was das Thema Veganismus angeht, daher versuche ich zu informieren, wenn man mich lässt, allerdings nicht zu missionieren – das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied, finde ich."
 

HZ: Was sind deine persönlich favorisierten Stücke?
 
Sascha: "Kann ich so nicht sagen. Sie sind alle meine Babys und ich habe in jeden Song unheimlich viel Zeit investiert. Ein Elternteil liebt ja im Idealfall auch nicht ein Kind mehr als das andere. So ist das bei mir auch."
 

transitpoetry-cover HZ: Kannst du uns etwas zu einzelnen Stücken erzählen?

Sascha: "Also ... 'Monsters' ist das wohl treibendste Stück des Albums mit einer deutlichen Rock-Schlagseite. Textlich geht es um die Kraft negativer Gedanken, die in der Tat zu Monstern werden können.
Zu 'Little Buddha' haben wir auch ein Video gedreht – das ist ein sehr poppiger, eingängiger Song, der auch gut ins Radio passt. Ein Stück über Spiritualität und darüber dass man sie nicht irgendwo, sondern in sich selbst findet. '
A Prayer To The Planet' ist das erste Mal, dass wir mit afrikanischen Einflüssen und Ethno-Elementen experimentiert haben – ich finde, dieser Weltmusikeinfluss passt gut zu der textlichen Botschaft 'and every war you fight will return one day to you', die an den Karma-Gedanken angelehnt ist.
'Der Nachtwandler' ist unser erstes deutsches Stück überhaupt. Das hatte sich so ergeben, weil ich beim Komponieren einen deutschen Blindtext neben mir liegen hatte. Seitdem bin ich da irgendwie von der deutschen Sprache nicht mehr weggekommen. '
Storm' ist der härteste, clubtauglichste Song der Scheibe und geht um einen kathartischen Sturm, den dieser Planet dringend nötig hätte.
'Rhyhme Of The Fairies' ist ein Song über Naturgeister und mein erster Versuch, durch einen Vocoder zu singen. Ich finde das Ergebnis sehr cool.
Und dann erwähne ich mal noch 'Aeroplanes Into The Sun' aufgrund der Akkordeons und 'Luminous Stars' wegen unserer Gastsängerin Leandra. Ich denke es wird klar, dass es viel zu entdecken gibt auf 'Pedestrians In The Sky' :-)"


HZ: Musikalisch seid ihr schwer in allseits so beliebte Schubladen zu stecken. Wo ordnet ihr euch selbst musikalisch und speziell mit „Pedestrians in the sky“ ein?
 
Sascha: "Keine Ahnung, ich mache ja nicht Musik, um bestimmte Schubladen zu bedienen, sondern setze einfach die musikalischen Ideen um, die sich mir aufdrängen. Und ich finde, am Ende klingt es einfach nach Transit Poetry, denn ich wage mal zu behaupten, wie haben im Laufe von vier Alben einen eigenen Stil entwickelt, den man zweifelsohne wiedererkennt.
Als Journalist würde ich dabei vor allem auf Elemente aus Pop, Gothic, Wave, Metal, Electronica, Trip Hop und Alternative hinweisen und die hohe Eingängigkeit und Abwechslung betonen."

 

HZ: Worauf legst du grundsätzlich Wert? - Möchtest du die Masse einfach gut unterhalten oder wünschst du dir, dass die Leute genauer hinhören?
Sascha: Also, zunächst einmal wünscht man sich, dass die Masse überhaupt mal hinhören würde, wenn sie dann auch noch genauer hinhören würde, wären wir natürlich überglücklich. Ich sag's mal so: Wir machen Musik, die man aufgrund der schönen Melodien und Grooves leicht konsumieren kann, die aber auch für eine tiefergehende Beschäftigung genug Inhalte und Details enthält."

 

 
HZ: Wie ist es dir gelungen über die 9 Jahre das Konzept der Tetralogie durchzuziehen und zu verfolgen?

Sascha: "Ich scheine da einfach recht beharrlich zu sein und bringe Dinge, die ich anfange auch zu Ende. Es hat sich mir nie die Frage gestellt, aufzuhören. Die stellt sich mir erst jetzt, nachdem das Konzept beendet ist."
 

HZ: Die 4 Elemente sind nun „durchbehandelt“.  ;-) Wie geht’s es musikalisch nach der Beendigung der Tetralogie nun weiter?
Gibt es da bereits wieder Ideen?
  Transit Poetry
Sascha: "Die Frage beschäftigt mich auch gerade sehr und ich weiß die Antwort noch nicht. Fakt ist, dass die Band unheimlich viel Zeit und Geld verschlingt und ich erstmal schauen muss, ob ich das künftig noch stemmen kann. Wenn dann wäre jetzt ein guter Punkt aufzuhören.
Einerseits würde mir sicher etwas fehlen, andererseits ist es manchmal auch gut, Dinge zu einem Ende zu bringen und frei zu sein für etwas Neues. Meine Gedanken pendeln schon seit Monaten hin und her und ich denke, die Entscheidung wird noch etwas dauern. Was ich aber sicher sagen kann, ist, dass die nächsten Monate erstmal meiner anderen Band Eden Weint Im Grab gehören werden, denn wir werden im Mai ebenfalls ein neues Album veröffentlichen – 'Geysterstunde I'."
 

 
HZ: Wie ist es um Live-Aktivitäten von euch bestellt? Ist eine Tour geplant oder eventuell Festival-Auftritte?

Sascha: "Tja, wir würden gerne Touren und Festivals mitnehmen, aber das Problem bei den Festivals ist, dass wir eine unter tausenden Bands sind, die sich bewerben und die Touren kosten immer viel Geld, das wir momentan auch nicht haben.
Es ist ja nicht so, dass wir einfach 'hier' schreien müssen und die Veranstalter stehen Gewehr bei Fuß. Daher müssen wir mal schauen, was möglich ist."

 
Sascha Blach HZ: Und was könnte die Besucher bei euren Shows erwarten? Mit den 4 Elementen läßt sich bestimmt gut experimentieren, was zum Beispiel Videoanimationen angeht?!

Sascha: "Das wäre sicher eine Idee, aber dazu ist es bislang leider noch nicht gekommen, weil uns das Know-how für solche eine Animation fehlt und uns bislang noch niemand in die Hände gelaufen ist, der mal eben eine komplette Transit-Poetry-Show visuell untermalen wollte :-)
So müssen wir uns weiterhin auf die Qualität unserer Songs und unser Stageacing verlassen."

 
HZ: Mit welcher Band würdest du gern einmal zusammen auf Tour gehen?

Sascha: "Jede Band, die stilistisch passt, wäre mir recht. Aber es ist nicht so, dass ich nun ständig darüber nachdenke, dass ich so gerne mal mit Band xy auf Tour gehen würde. Ich wäre eher froh, wenn es überhaupt mal mit einer Tour klappt."
 

HZ: Danke für das Interview! Wir wünschen euch weiterhin viel Freude und Erfolg an dem Projekt TRANSIT POETRY!
 
Sascha: "Danke auch an euch beide und an alle, die dieses Interview gelesen haben. Wer neugierig geworden ist, darf nun gerne mal unter www.myspace.com/transitpoetry oder www.reverbnation.com/transitpoetry reinhören - und natürlich freuen wir uns auch immer über persönliches Feedback, denn gerade dieses ist, was einen Künstler anspornt und motiviert."

 

 

 

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