Quo vadis WGT? - Gedanken nach dem 27. Wave Gotik Treffen in Leipzig

Geschrieben von Gastbeitrag Detlef Fink.

Quo vadis WGT

Das WGT 2018 ist nun bereits Geschichte. Wie immer schwingt es aber emotional noch nach. In diesem Jahr leider nicht nur positiv.
Euphorisch betrachtet war alles wie immer. An vielen Veranstaltungsorten, verteilt über die ganze Stadt, agierte eine Unmenge von Künstlern. Das Wetter spielte mit.
Feste Programmpunkte, wie das Viktorianische Picknick oder das Steampunktreffen boten das und noch mehr, was man erwarten durfte.

Doch was die musikalische Ausstattung des Treffens angeht, gibt es aus meiner Sicht Grund zur Besorgnis. Schleichend lässt das Line-Up über die letzten Jahre nach!  Und wie bei diversen Gesprächen während des Treffens zu hören war, sehe nicht nur ich das so. Angesagte Künstler, echte Headliner aus den ersten Reihen der Genres der so vielschichtigen Szene waren arg dünn gesät. Mit dieser Aussage will ich  niemandem der in diesem Jahr aufgetretenen Künstler zu nahe treten, doch betrachte ich das Line-Up für dieses Jahr in Hildesheim beim M‘ERA LUNA oder beim AMPHI in Köln, werde ich schon etwas neidisch. Was in diesem Jahr beim WGT musikalisch abging, war mir einfach zu unspektakulär. Vielleicht ist das aber auch so beabsichtigt. Die meisten der zurzeit genutzten Veranstaltungsstätten sind für große Bands und Künstler einfach nicht geeignet. Wo könnten wirkliche Publikumsmagneten denn noch auftreten?

Kein KOHLRABIZIRKUS, kein HAUS AUENSEE, keine PARKBÜHNE, keine MESSEHALLE 5 - welche große Halle gibt es noch neben der AGRA – Halle? Die momentan genutzten Veranstaltungsorte sind auch nur suboptimal selbst bei einem verschlechterten Line-Up des Treffens. Trotz der immer noch riesigen Anzahl von auftretenden Künstlern entscheiden sich viele Gäste für vermeintliche Highlights, die dann eben in eher kleineren Hallen, wie im WESTBAD, im FELSENKELLER, im STADTBAD oder im TÄUBCHENTAL gastieren. 

Ich bin seit 2002 beim WGT dabei und musste, wie wohl jeder andere Gast, schon immer die Veranstaltungen der einzelnen Tage planen. Doch zum Anfang meiner WGT-Kariere gab es dafür ganz andere Gründe. Ich musste genau planen, weil ich nicht wusste, wo ich täglich zuerst hin sollte. In diesem Jahr musste ich die wenigen Konzerte koordinieren, die mich wirklich interessierten. Da wurde es z.B. am Sonnabend eng: OST+FRONT im WESTBAD. Danach DIORAMA im FELSENKELLER. Dann sollte es SAMSAS TRAUM wieder im WESTBAD sein. Theoretisch wäre alles möglich gewesen. Doch der Auftritt von DIORAMA verspätete sich ohne eigenes Verschulden der Band um ca. 1 Stunde. Zum WESTBAD hätte man es danach noch geschafft, doch schon beim Verlassen des WESTBAD nach dem OST+FRONT Auftritt wurde mir durch die Security mitgeteilt, dass ich, wenn ich die Halle nun verlasse, nicht wieder hinein könnte. Die endlos lange Warteschlange von dunklen Gestalten vor der Halle zeigte mir dann warum.

Wenige Top-Acts, zu kleine Hallen, unter Umständen dann noch die falschen Bands am falschen Ort. Das ist ein akutes Problem, welches so einige Leute veranlasst, dann andere, nicht WGT- eigene Veranstaltungen, zu besuchen.

Will man bestimmte Künstler unbedingt erleben, muss man sich für einen Veranstaltungsort entscheiden und früh genug da sein. Wohl oder übel erlebt man dann vorher Künstler, welche einem vielleicht zusagen oder aber auch gar nicht. Im besten Fall erlebt man eine positive Überraschung. Auf jeden Fall aber nimmt man anderen Gästen die Möglichkeit, ihre Favoriten zu erleben. Gleichzeitig versagt man den ungewollt besuchten Künstlern unter Umständen sogar den Respekt und den Beifall, den sie von den eigentlichen Fans erhalten hätten.

Scheinbar haben schon Gäste ihre Konsequenzen aus der o.g. Misere gezogen. Augenscheinlich waren weniger Schwarze mit den obligatorischen Bändchen in der Stadt unterwegs.Auch ohne Obolus von gut 120 Euro für vier Tage kann man sich entsprechend gestylt unter das dunkle Volk mischen.

Es gibt genügend Veranstaltungen, auch mit entsprechender künstlerischer Untermalung, die ohne WGT-Bändchen besucht werden können. Das HEIDNISCHE DORF, die MORITZBASTEI, die SIXTINA sowie das DARKFLOWER sind seit Jahren für die bunten Besucher genauso zugänglich, wie für die Besucher mit Bändchen.  Aber auch das NONTOX und andere sind mittlerweile auf den schwarzen Zug aufgesprungen.

Wie man von über die Jahre bekannten Händlern im Verkaufstempel der AGRA hören konnte, werden die Veränderungen der letzten Jahre nun auch ihre Wirkung zeigen. Händler werden sich komplett vom WGT zurückziehen. Es lohnt sich einfach nicht. Da die Konzerte nun erst später beginnen und kaum Acts auftreten, die von der breiten Masse gefragt sind, kommt überhaupt weniger Kundschaft und niemand schon nach dem Mittagessen auf die AGRA.

Dass das Gefühl, dass überhaupt weniger zahlende Leute unterwegs sind, nicht täuscht, wird durch die Tatsache deutlich, dass man ohne längere Wartezeit Sitzplätze im TREFFEN-CAFÉ findet, und nicht erwähnenswerte Schlangen vor den Toiletten vor dem Café zu sehen sind. Hierher können nur Leute mit dem entsprechenden Bändchen kommen. Vor 10 Jahren wäre das undenkbar gewesen!

Ich denke, die Veranstalter des WGT müssen sich Gedanken machen. Auch wenn das WGT mit seiner großen Tradition und seinem Treffen- Charakter einen ureigenen Charme zu bieten hat, so verführt es mich persönlich maßgeblich über die Musik. Deshalb bin ich auch bereit, den notwendigen, und wie ich finde, immer noch günstigen Obolus zu entrichten.

Doch wie gesagt, den o.g. Charme kann ich zu Pfingsten in Leipzig auch ohne Bändchen genießen. Die entsprechende Musik dann leider weniger. Wobei, es war ja in diesem Jahr schon weniger!

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