DAF - Leipzig - 2009 - Bericht

am . Veröffentlicht in Photoreports 2009

DAF Bericht Review Leipzig 2009DEUTSCH AMERIKANISCHE FREUNDSCHAFT
DAF ++ RUMMELSNUFF ++ SEQUENZ-E
 
Leipzig - Club Lagerhof - 28.02.2009
 
Seit dem Reunion-Konzert des Duos beim Wave Gotik Treffen 2003, hofften viele Leipziger, DAF würden in der Hauptstadt der schwarzen Szene bald ein Einzelkonzert geben. Doch erst nach sechs Jahren, am 28. Februat 2009 war es dann endlich soweit. Der Club Lagerhof, vielen noch als Rockfabrik Leipzig bekannt, öffnete seine versteckten Pforten.

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Copyright Fotos: Falk Scheuring


Rummelsnuff als Support von DAF LeipzigNostalgische „Underground Atmosphäre“, wie man sie in Leipzig sonst in dieser Form gar nicht mehr kennt, schaffte der unzulänglich ausgeschilderte Weg zum Lagerhof, vorbei an Fabrikhallen und Bahngleisen. Der Weg war beidseitig von zahlreichen Fahrzeugen verschiedenster Regionen gesäumt, man reiste von überall her an. Die über 400 BesucherInnen waren allerdings für die Location etwas zu viel des Guten, denn die Sicht durch Säulen Vorhänge und Vorsprünge war für viele doch durch die Leiberfülle sehr eingeengt. Das Publikum im Club präsentierte sich vom Alter und Zugehörigkeit äußerst breit gefächert. Vom "Normalo" über EBMer, Gothic und Punker waren jeweils zahlreiche Fans vertreten. So zeigt sich deutlich, wie vielfältig prägend DAF und ihre Werke wirk(t)en.
Ziemlich puenktlich 21 Uhr startete die Vorband. Das Duo SEQUENZ-E aus der Electric-Tremor-Riege spielte circa ein halbe Stunde relativ unspektakulären Old-School-EBM. Fans hatten sie dennoch im Gepäck und so wurde vor der Bühne von einer handvoll enthemmter Tanzwütiger mächtig gepogt.
Nach einer noch akzeptablen Pause polterte dann Support Nummer Zwei auf die Buehne. Anfänglich für eine Art Lückenfüller gehalten, entpuppte sich der an den Endgegner aus „Silent Hill“ erinnernde Freak auf der Bühne als stimmgewaltiger Frontmann von RUMMELSNUFF (Motto: "Derbe Strommusik – Elektro-Punk") aus Berlin. DAF Publikum LeipzigUns bis dato völlig unbekannt, schien ein ganzer Teil der Besucher diesen Künstler bereits zu kennen, wie an den teils euphorischen Reaktionen auszumachen. In die Atmosphäre dieses Abends schien er auf ungewöhnliche Weise irgendwie hinein zu passen. Die „Natalie“ Coverversion nahm dann die Ehrfurcht vor der imposanten Erscheinung weg und man schunkelte wie auf einer Volksfestveranstaltung.  Inserts mit Schweinemasken und Vollnarkose liessen schmunzeln, allerdings brachten er dann als lautstark geforderte Zugabe ausgerechnet Barry Manilows Ätz-Song „Mandy“ als Cover. Wir fühlten uns wie diese Neuseeländischen Jugendlichen, die man derzeit in einem Einkausfzentrum in Christchurch via Dauerbeschallung mit diesem Lied quält, um „ruhiggestellt“ zu werden.  Die Reaktion der Teenies: sie wollen ihre eigene Musik mitbringen und lauter stellen als das  unsägliche Lied. Exakt den selben Impuls hatten wir bei dieser Darbietung allerdings auch. Doch war diese  Darbietung noch amüsante Kurzweil, gestaltete sich die Wartezeit danach schwieriger als gedacht. Gabi Delgado - DAF Leipzig 2009Gedränge, Hitze, Nikotinmangel und schlechte Luft, sowie das angestrengte Position  in einer der vorderen Reihen halten, trugen nicht unbedingt zu einer guten Stimmung bei. Somit gestaltete sich die Zeit bis zum eigentlichen Main Act als zäh und endlos. Als dann auch noch zeitweise das Gerücht  aufkam, es sollten noch zwei weitere Vorbands spielen, waren einige drauf und dran den Club zu verlassen. daf_flyer_2009 Die DAF Diven liessen zwar lange auf sich warten, aber als es dann endlich nach 23 Uhr los ging, tanzte und jubelte die Audience vvm ersten Takt an vereint zu den Greatest  Hits von Gabi Delgado und Robert Goerl, ganz nach dem  derzeitigen DAF-Motto „30 Jahre Krieg – Als wär's das letzte Mal!“. Im Publikum floß zu diesen Beats abwechselnd der Schweiß und reichlich Mineralwasser, welches Frontmann Gabi nach fast jedem Song großzügig über sich und dem Publikum verteilte. Robert Goerl arbeitete dazu fleißig im Hintergrund an den Drums.
Unter anderem „Der Sheriff“, „Alle gegen Alle“, „Verschwende Deine Jugend“,  „Als wär’s das letzte Mal“ und "Mussolini" wurden gemeinsam zelebriert. Die Liedzeile „Tanz den Adolf Hitler“ wurde von einem äußerlich nicht zum Rest passenden Nerd etwas falsch verstanden, der mit permanenten Hitlergrüßen die Stimmung deutlich brauner färbte. Gewollte Provokations-Zusatzerscheinungen? Nebenwirkungen? Ein Verwirrter? Lautstark mitsingen konnte man aus tiefstem Herzen dann später „Deutschland stirbt vor Langeweile, Deutschland ist die Langeweile!“ Treffender kann man es kaum formulieren. Gabi kommentierte die vorhandene Stimmung mit einem Lächeln und den Worten „Es macht Spaß bei euch!“.
Nach der ersten guten halben Stunde hatten sich beide Seiten allerdings etwas erschöpft und der Rest des Konzerts zog sich irgendwie hin.
Eine gute Stunde Spielzeit hatten die Elektro-Pioniere ihr reguläres Set absolviert  und  verließen die Bühne, um diese alsbald unter den nicht zu überhörenden Zugaberufen erneut zu entern. Robert schmunzelnd: „Wir haben noch mehr CD’s dabei.“ Daraus wurden schließlich vier Zugabenstücke.  Darunter "Der Räuber und der Prinz" sowie „Kebabträume“. Als Finale wurde nochmals der „Mussolini“ angestimmt. Musik für den Hintern und fürs Hirn - gleichzeitig rhythmisch und intelligent. - Dies boten DAF!  Danke!
Langsam zerstreute sich hernach eine über den Abend  größtenteils sehr zufriedene Zuschauerschar in alle Richtungen und ließ den Club Lagerhof einsam zurück, bis zum nächsten Underground-Event.

 
Da uns etwas Hintergrund zum Supportact und RUMMELSNUFF-Kunstprodukt sehr interessierte und wir beim googeln auf einen lesenswerten Artikel von SPIEGEL Online gestossen sind, möchten wir euch dieses natürlich nicht vorenthalten: