MANOWAR - Leipzig - 2010 - Bericht

am . Veröffentlicht in Photoreports 2010

MANOWAR - „Death To Infidels Worldtour“ in Leipzig 2010

MANOWAR - Start der Worldtour

Support: METALFORCE & HOLYHELL
Leipzig - Haus Auensee - 16.01.2010

„Ich bin eine Sexmachine – heiß und geil!“ (Joey Demaio)
2010 – ein neues Jahrzehnt voller Schandtaten, Krawall und Metal. Und wer hat die Eier, das Jahrzehnt klangtechnisch einzuleiten? Genau – die Kings of Metal: MANOWAR. „Death To Infidels Worldtour“ steht auf ihren Fahnen. Wer davon nicht überzeugt ist, kommt unter die Räder des riesigen MANOWAR-Trucks, der einmal mehr vor dem Haus Auensee parkt.

 

Copyright Fotos: Falk Scheuring 


 
Eine Toureröffnung von MANOWAR ist immer etwas ganz besonders. Keiner weiß bislang, was ihn erwartet, welche Songs auf dieser Tour gespielt werden und wer von Joey dieses Mal eine Standpauke erhält. Lasst die Spiele beginnen...!   
Der bereits einige hundert Meter vor der Location beginnende Stau lässt erahnen, was heute auf alle Besucher zukommt. Es wird kuschlig warm. Auch vor der Haus Auensee stapeln sich die Fans, um Einlass zu erhalten. Ohne Frage – die 68€ Eintritt haben wohl nur die wenigsten Anhänger abgeschreckt. Auch im Inneren das selbe Bild: Kutten wohin das Auge reicht. Schnell die Faust in die Luft gereckt, „Hail And Kill“ gegrölt und schon fühlt man sich heimisch.metalforce 66 20100118 2079606603
 
Punktgenau um 20 Uhr drehen die Boxen zum ersten Mal richtig auf, denn es ist Zeit für METALFORCE.
Oft belächelt für ihren zwanghaften Versuch, als nervigster MANOWAR-Klon in die Geschichtsbücher einzugehen, können sie heute auch die härtesten Zweifler überzeugen. Die Stimmung im Auensee ist auf 180 und Tarek in Feierlaune. „Metal Crusaders“ pfeift es durch den Auensee, die Fäuste strecken sich um die Wette und die Kehlen bekommen Durst. So manch internationaler MANOWAR-Fan hat sich auch diesmal wieder in die erste Reihe geschlichen. So trifft man altbekannte Gesichter, die teilweise aus Bulgarien angereist sind, freudestrahlend in der Enge der Vorderfront. Im Fotograben tummeln sich an diesem Abend aber nicht nur taube Fotografen sondern auch die Inhaber des ultimativen Fan-Passes, die 150€ löhnten, um diverse Gimmicks abzustauben und die Show aus dem Graben zu sehen. Wie begeistert die Fotoschar war, kann man sich an einem Finger abzählen.
 
Unterdessen treiben METALFORCE die Meute mit „Freedom Warrior“ und dem obligatorischen Kracher „Faster, Louder Metalforce“ weiter an. Klar, METALFORCE werden nie als beste der Band der Welt gelten, aber heute Abend machen sie einfach Spaß. Tarek singt akzeptabel und die Instrumentenfraktion hat auch ihren Spaß – was kann man mehr verlangen? Vielleicht „Into The Stadium“? Lieber nicht, denn die Gemütlichkeit und Intimität des Haus Auensee schlägt doch jede anonyme Stadionatmosphäre um Längen. Der Sound zeigt sich zu Beginn auch gleich von seiner besten Seite. Viele Einheimische befürchteten Tod und Verderben, da das Haus Auensee nicht immer mit dem besten Tone glänzt. Doch heute haben die Kings Of Metal die Zügel in die Hand genommen. Was soll da schief gehen? Eher würde die Tour abgesagt werden, als das auch nur ein Fünkchen Zweifel an der Präzision des Sounds aufkommen sollte. Nach genau 30 Minuten und dem tierisch abgefeierten „Metal Law“ heißt es Abschied nehmen von Tarek und seinen Jungs. Prima Opener, der heiß auf mehr macht. holyhell 11 20100119 1966174134Während der Pause wird die große Leinwand genutzt, um auf diverse Produkte und Events hinzuweisen. So wird das nächste Magic Circle Festival (in Slowenien), genauso umworben wie Metal On Demand. Darauf Prost! Apropos – die Bars werden natürlich, wie es sich für ein MANOWAR-Konzert gehört, überflutet von Interessenten. Wie es sich für MANOWAR gehört, wird der eigene musikalische Nachwuchs auch immer gerne mitgenommen.  Es war so sicher wie das Amen in der Kirche, dass HOLY HELL erneut die Kings Of Metal supporten dürfen. Immerhin sitzt mit Rhino am Schlagzeug ein ehemaliger MANOWAR-Felldrescher und mit Francisco Palomo der Live-Keyboarder der Brothers Of Metal. Und wer sich die Mühe macht und nachschaut, wer alle seine Finger bei den Songs des Debütalbums hat, der weiß, dass sich diese Live-Konstellation auch in den nächsten Jahren nicht ändern wird. Leider kommen die Jungs und Frontfrau Maria Breon nicht so richtig in die Gänge. Gerade die sonst so kraftvolle Stimme Marias zeigt heute ungewohnte Schwächen.
Auch das Publikum bleibt reserviert und hält sich lieber am Gerstensaft auf. So wird zwar viel Beifall gezollt, aber auch der ein oder andere MANOWAR-Sprechchor brandet schon durch die Location. Das wird nicht einfach für HOLY HELL. Doch sie können sich im Laufe der 50 Minuten steigern. Maria bekommt ihre tolle Stimme in den Griff, Gitarrist Joe Stump ledert ein Solo nach dem anderen raus und Franzisco tanzt auf seinem Keyboard Ballett. Songs wie „Wings Of Light“, „Prophecy“ oder das abschließende „Apocalypse“ sorgen dafür, dass dieser Gig am Ende dennoch positiv stimmen kann. Unmittelbar mit dem Abpfiff beginnen die lauten MANOWAR-Sprechchöre – die Zeit ist reif. Leider verschiebt sich der geplante Beginn um knappe 15 Minuten, sodass zwischen HOLY HELL und MANOWAR tatsächlich 45 Minuten Pause sind. Den Fans ist es egal – so können sie eben noch ein Bier mehr trinken, bevor man sich bierlos in der Schlacht behaupten muss.
 
Dann aber ist die Zeit gekommen: MANOWAR. Während des obligatorischen Intros bleibt der schwarze Kabuki wie ein Fels vor der Bühne hängen. Dann ein Knall – der Vorhang fällt und die Kings Of Metal legen zur Überraschung aller mit „Call To Arms“ los. Wann hat man zum letzten Mal ein Konzert gesehen, bei dem nicht mit ‚Manowar’ eröffnet wurde?
manowar 22 20100118 1109871970Joey’s Bass haut den Anwesenden sofort den Brustkorb raus, während Eric strahlend wie immer einen tollen Start hinlegt. Die Fans singen sich die Lunge aus dem Hals und recken wie auf Kommando ihre Fäuste in den Himmel. Fetter Beginn und der Start in ein ungewöhnliches und modernes MANOWAR-Set. Mit „Hand Of Doom“ bleiben die Jungs beim überaus erfolgreichen „Warriors Of The World“-Album.
Eric erhebt sein Wort und begrüßt die Fans in Leipzig mit einem herzlichen Willkommensgruß. „Are you ready fort he Kings Of Metal?“ – der Auensee bebt, denn das gleichnamige Stück lässt die Grundfesten erzittern. Was für ein Sound?! Was für eine Stimmung?!
 
Um den Fans mehr als nur das Bild der Bühne zu bieten, wird die Show auf der großen Leinwand teilweise live übertragen, was so manchen intimen Einblick in die Spielkünste der Protagonisten erlaubt. Kurz darauf geht es weiter, aber noch 20 Sekunden bricht der Sound einfach ab. Eric erklärt gutgelaunt, dass wohl ein paar Stromprobleme aufgetreten wären, die aber gleich behoben sind. Stimmt – nach wenigen Augenblicken kann der Marsch weiterziehen. ‚God Or Man’ von der aktuellen „Thunder In The Sky“-EP donnert in das weite Rund. Schon nach wenigen Songs erahnt man, in welche Richtung das heutige Set gehen wird. Das anschließende wunderschöne „Swords In The Wind“ vertreibt die Vermutung nicht – eher im Gegenteil. Eric schmachtet wie ein junger Gott, während sich die Fans in den Armen liegen. Lange wurde dieser Songs live nicht mehr dargeboten, obwohl er laut Eric eines seiner Lieblingsstücke ist. Dennoch ist auch er nicht immun gegen den Fehlerteufel – auch ein Eric Adams vergisst mal eine Textpassage. Herrlich – er lächelt verschmitzt in die Masse und die Fans feiern ihn tierisch ab. Es menschelt bei den Kings Of Metal.manowar 1515 20100118 1120513843
 
Im Anschluss stellt Eric kurz Joey DeMaio vor, der sich seinen Bass umschnallt, ein kleines Solo spielt und mit einigen kleinen Spielchen die Zuschauer in Stimmung bringt. „Die For Metal“ steht als nächstes auf dem Programm und nun ist wohl endgültig klar, dass sich MANOWAR heute auf eine moderne Set-List eingelassen haben.   Gefährlich, wenn man bedenkt, wie uneins sich die MANOWAR-Gemeinde bei der Akzeptanz des vor allem letzten Albums „Gods Of War“ war und immer noch ist. Dennoch ist die Meute in Feierlaune – auch wenn offensichtlich ist, dass noch nicht jeder die Songs der „Thunder In The Sky“-EP kennt, denn wie schon bei „God Or Man“, wird auch bei „Die With Honor“ und bei „Let The Gods Decide“, der Anteil der Mitsingenden spürbar geringer.
 
Erst bei „The Sons Of Odin“ steigt der Lautstärkepegel der Fans wieder. Was für ein Song?! Majestätisch und völlig erhaben breitet sich endlich mein persönliches MANOWAR-Gefühl aus, auch wenn man kleine Abstriche machen muss. Denn heute treten die Jungs komplett ohne Keyboard auf, was so manchen Chor in der Konserve stecken lässt. Heute soll einfach nur gerockt werden – ohne Schnickschnack, ohne Kompromisse.
 
Doch zuvor ist endlich Zeit für Joey DeMaio. „Mein Deutsch ist das schlechteste Deutsch der Welt“ (den Akzent müsst ihr euch natürlich dazudenken). „Leipzig ist eine schöne Stadt“ erntet Cheap-Pops. Er bezeichnet Deutschland als Heimat des Heavy Metals und schimpft über Länder wie Frankreich, Schweden und die Schweiz, weil sie mittels eines Soundlimit-Gesetz die Fans davon abhalten, den besten Klang und somit MANOWAR zu erleben. „Und DAS ist so!“. Daher müssen diese Fans bis nach Leipzig kommen um gemeinsam mit den deutschen Fans der Welt zu zeigen, wer die Kings Of Metal sind. „Hau weg die Scheiße“ prostet Joey seinen Fans zu und kippt sich ein Pils hinter die Birne.
 
manowar 2323 20100118 1531915923Nach der Erfrischung sucht einer einen fähigen Gitarristen, welcher die Eier hat, zusammen mit MANOWAR die Bühne zu entern. Ein Herr namens Willi nimmt die Gelegenheit beim Schopfe und kann im Anschluss seine Kunst darbieten. Zunächst erhält er ein Band-Shirt und die Profis überlassen dem guten Mann für drei Minuten die Bühne. Ganz allein zieht er ein wirklich gutes Solo herunter und lässt so manches Bier in der Hand vergammeln. Danach erhält er von Joey ein Bier und darf zusammen mit der ganzen Band „The Gods Made Heavy Metal“ zocken. Immer wieder ein Highlight! Nach Willi kommen die Götter des Krieges – „Sleipnir“ und „Loki God Of Fire“. Richtig donnern muss es aber auch noch, daher darf „Thunder In The Sky“ natürlich nicht fehlen. Richtig Action kommt aber erst wieder als die ersten Töne von „Warriors Of The World“ angestimmt werden. Leipzig und der Rest der Welt singen gemeinsam die wohl beste Metal-Hymne des vergangenen Jahrzehnts.
 
Wenn es am schönsten ist, soll man bekanntlich aufhören, daher verabschiedet sich Eric von den Fans – „You have been fucking great!“. Natürlich glaubt keiner, dass hier nach 90 Minuten schon Schluss ist. Trotzdem branden die Zugabe-Rufe lautstark auf und lassen den Putz von den Wänden rasseln. Joey kehrt unter lautem Jubel zurück und verspricht, dass sich MANOWAR niemals ändern werden und das sie nicht, wie andere Bands, in die Gesichter der eigenen Fans pissen würden. „With A MANOWAR-Shirt you are no asskisser, you are a asskicker!!!“. Dann legt Joey noch mal richtig los: „Ich bin eine Sexmachine – heiß und geil!“. Göttlich!
Lasst ihn schimpfen, lasst ihn von mir aus auch hetzen, aber für solche Sprüche muss man diesen Mann lieben. Mit „House Of Death“„Black Wind, Fire And Steel“ rappelt es noch einmal kräftig im Gebälk, bevor diesen Abend abschließt. Joey, Karl und Eric machen noch einige Stunts mit ihren Gitarren, bevor „The Crown And The Ring“ ertönt und zwei Stunden MANOWAR der Geschichte angehören.  
Fazit:
Natürlich muss man über die Setlist sprechen. Über was sonst? Joeys Sprüche sind bekannt, der Sound wie immer perfekt, aber Fans der alten Alben werden mit der Songauswahl unausweichlich ihre Probleme haben. Bis auf drei Stücke wurden nur Songs der letzten beiden Alben und der aktuellen EP gespielt. Das wird für Diskussionen sorgen. Beinharte Traditionalisten werden darüber hinaus auch mit dem ungewohnten Opener ihre Probleme haben. Dafür wurde heut weniger auf Bombast, sondern auf Heavy Metal gesetzt. Kein Keyboards, keine künstlichen Sounds – purer Metal in seiner reinsten Form. Hail And Kill!!!manowar 1010 20100118 1100737288
 
 
  
 
Setlist Leipzig - 16.01.2010
 
01.    Call To Arms
02.    Hand Of Doom
03.    Kings Of Metal
04.    God Or Man
05.    Swords In The Wind
06.    Die For Metal
07.    Die With Honor
08.    Let The Gods Decide
09.    The Sons Of Odin
10.    The Gods Made Heavy Metal
11.    Sleipnir
12.    Loki God Of Fire
13.    Thunder In The Sky
14.    Warriors Of The World
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15. House Of Death
16. Black Wind, Fire And Steel
17. The Crown And The Ring

 

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