21. WAVE GOTIK TREFFEN Leipzig - 2012

Geschrieben von Detlef Fink am . Veröffentlicht in Photoreports 2012

Wave Gotik Treffen 2012 BerichtXXI. WAVE GOTIK TREFFEN 2012
 
WGT - Leipzig -  25. bis 28.05.2012
 

Obwohl das WGT stetigen Veränderungen unterliegt (oder gerade deshalb), beweist es Jahr für Jahr in seiner künstlerischen und organisatorischen Grundausrichtung seine Einmaligkeit nun schon seit über 20 Jahren. So hat sich der unsägliche, allgegenwärtige Geruch von Patchouli in den letzten Jahren glücklicher Weise mehr und mehr verflüchtigt, und nur noch selten müffeln schwarze Gestalten süßlich modrig. Neue Trends in der Gewandung haben Einzug gehalten.

Copyright Fotos: Falk Scheuring [www.FS-DIGITAL.de


 

 

 Schon seit geraumer Zeit vermischen sich die Neon - und Cyber - Punks mit dem immer noch überwiegend schwarzen Volk. Seit ca. drei Jahren nun verschönern Steam-Punks mit ihren aufwändig durch diverse  technische Geräte aus Messing drapierten wunderschönen Fantasiekostümen das Treffen. Die oftmals in braunen und orange bis gelblichen  Farben gehaltenen Kostüme bereichern den Laufsteg des WGT nochmals. Das WGT entwickelt sich. Es lebt!
Combichrist-Fans WGT 2012 Auch weit über 20.000 Besucher, wie aus der Presse zu erfahren war, stellen Jahr für Jahr einen beredten Beweis dafür dar. Mehr als 20.000 Besucher, das ist beachtlich, wenn auch nicht unbedingt verwunderlich für den, der schon viele Jahre dabei ist. Die Medien sind in den letzten Jahren bedeutend offener für dieses Treffen geworden und es wird fast immer, soweit dies überhaupt möglich ist,  objektiv berichtet. Seit der Pleite im Jahr 2000 gibt es auch keine Negativnachrichten über diese für die Außenwelt recht mysteriöse Veranstaltung. Es geht friedlich und harmonisch zu beim weltgrößten Treffen der Gruftis.  Zudem wird immer mehr anspruchsvolle und vielfältige Kunst in den unterschiedlichsten Veranstaltungsstätten geboten, eine Kunst, die in keine gemeinsame Genreschublade passt. Wo gibt es das noch? COMBICHRIST und MONTSERRAT CABALLÉ auf einem Festival! Über 200 Künstler und Darbietende an ca. 50 sehr unterschiedlichen Veranstaltungsstätten, da kann sich jeder für seinen Geschmack und seine Gemütslage den Soundtrack und das Bühnenbild für sein Pfingstwochenende zusammenstellen. Und das zu einem unschlagbaren Preis. Die Wertigkeit der agierenden Künstler liegt ganz im Auge / Ohr des jeweiligen Gastes. Über Geschmack kann man sowieso nicht sinnvoll streiten. Deshalb ist es unerheblich, ob und wie „groß“ die Stars beim WGT sind. Vor leeren Rängen hat nach meinem Erkenntnisstand hier noch niemand auftreten müssen. Dafür konnte und kann man vor den Auftrittsorten oft schwarze Schlangen sehen. So vielfältig wie die auftretenden Künstler sind, sind ihre Fans.
 
Was sich in den letzten 3 - 4 Jahren andeutete, bestätigte sich ganz klar in diesem Jahr: Bei den Besuchern wächst prozentual die Anzahl der älteren, nun wirklich gruftigen Besucher. Der Zuwachs dieser Altergruppe kann nicht nur damit erklärt werden, dass das Treffen älter wird. Es finden ganz einfach immer mehr Ältere, meist Paare, neu den Weg in die „Szene“. Dabei muss man sich bewusst sein, dass das WGT kein Szenetreffen ist, sein kann. Es gibt keine gültige Definition für die riesige Gruppe von Menschen, die sich seit mehr als 20 Jahren jährlich zu Pfingsten in Leipzig zusammenfindet.
Aus welcher Szene sich dieses Weltereignis im Eiskeller (heute Conne Island) entwickelte, ist bekannt. Was es jetzt darstellt, ist wohl nur im Rahmen einer größeren Forschungsarbeit zu ergründen. Doch es ist nicht wichtig, wer sich warum hier trifft. Wichtig ist, dass man sich trifft.
Doch nicht nur das WGT ändert sich. Man selbst als Besucher hat sich geändert, ändert sich. Noch vor 10-15 Jahren hatte man als gelernter DDR-Bürger einen kulturellen Nachholbedarf, der einen veranlasste, so viele Konzerte von Bands wie möglich an einem Tag zu erleben. Heute hetzt man nicht mehr von Veranstaltungsstätte zu Veranstaltungsstätte. Heute werden Pufferzeiten genommen, die genutzt werden, um mit Gleichgesinnten zu plaudern und dabei mit den Augen und der Kehle zu genießen. Nun verbringt man auch nicht mehr jeden Tag bis zum letzten Ton vor den Bühnen. Es wird alles etwas ruhiger angegangen. Die Veranstaltung wird nicht als Festival, sondern wirklich als besagtes Treffen angenommen!
Trotzdem bleibt die Musik immer noch die Haupttriebfeder, die mich veranlasst, das WGT Jahr für Jahr zu frequentieren. Folgende Bands und Künstler erlebte ich 2012 live vor der Bühne: Freitag 25. Mai 2012TANZWUT
Nach nur 5 Minuten zum Antackern der Bändchen am Kohlrabizirkus ging es stracks zur AGRA. Hier sollte für mich das WGT musikalisch mit TANZWUT starten. Die Schlange am Eingang zur Halle war überschaubar, die Einlasskontrolle wie beim WGT üblich. Etwas überraschend war die Halle sehr, sehr gut gefüllt. TANZWUT nur als Opener, das ist schon eher befremdlich. Noch vor Jahren war man Headliner. Doch TANZWUT sind Profis und begeistern auch in neuer Besetzung und zu welchem Zeitpunkt des Abends auch immer ihre Fans. Die eine Stunde, die der bunten Truppe zur Verfügung stand, wurde ohne viel Gelaber genutzt, um sich nachhaltig in Erinnerung zu bringen. Das Gemenge von altem und neuem Material zeigte seine Wirkung. Tosender Beifall zu „früher“ Stunde belohnte die Spielleuten ausgiebig. Besonders die bekannten Nummern wurden gefeiert. WÄCHTER, LÜGNER oder BITTE, BITTE entfalten ihre Magie und begeisterte die Massen. Mit der Zugabe (!) WIE EIN VULKAN WIRD DIE NACHT HEUT SEIN schickten Tanzwut ihre Fans ins weitere WGT.
So konnte es weiter gehen! Stilistisch anders, aber mit ähnlicher, nun aber neuer deutscher Härte, hielten STAHLMANN das Stimmungsniveau. Die musikalischen Enkel von RAMMSTEIN beleihen UNHEILIG, EISBRECHER und MEGAHERZ, die seiner Zeit RAMMSTEIN beliehen, ohne zu stehlen. Silbern (stählern) geschminkt gaben die vier Metal-Unheiligen mit kräftiger Unterstützung des unsichtbaren Kollegen Festplatte eine Stunde lang Vollgas. Auch wenn es an so mancher Stelle sehr bekannt klang, war es eindeutig STAHLMANN, was zu hören war. Das war begeisternd, das war überzeugend. Das reichlich anwesende Auditorium tobte regelrecht. Die nun folgenden CLAN OF XYMOX bedienen eine andere Zielgruppe, als die bisher gehörten Bands. Und auch hier war die AGRA sehr gut gefüllt. CLAN OF XYMOX sind eine Band, die gefühlt irgendwie schon immer da war. Ihre Musik aus der Konserve live mit Bass und Gitarre aufgepeppt ist perfekt gemachter Pop-Rock, der durch seine glasklaren elektronischen Klänge, verquickt mit fast schamanischem Gesang und druckvollen Rhythmen absolut überzeugt. Da das Material der Band nur für eingefleischte Fans abwechslungsreich ist, war die Spielzeit von einer Stunde vollkommen ausreichend. Sie hielten das vorgegebene künstlerische Niveau. Danach war es am ersten Headliner PROJECT PITCHFORK,das Niveau nicht abzusenken. Und das gelang leicht. Peter Spilles PROJECT PITCHFORKDie Halle war nun rammelvoll und PITCHFORK machten das, was sie am besten können: Nach einem überlangen Intro aus der Konserve ohne jegliche Aktivitäten auf der Bühne marschierten sie musikalisch mehr als eine Stunde lang durch ihr Set. Die Massen bekamen das, was sie erwarteten. Große Abwechslung erwartete ich persönlich live von PROJECT PITCHFORK nicht. Massiv wird Mastermind PETER SPILLES von der Festplatte unterstützt. Obwohl es im Songmaterial der Band wirkliche hörenswerte Melodien gibt, die auf CD gut zur Geltung kommen, wird bei Konzerten  durch die elektronisch vergrummelten Vocals und die immer stampfenden Drums alles auf ein recht gleichbleibendes Stimmungsniveau heruntergezogen. Für mich war deshalb das Konzert auch heute wieder lang genug. PROJECT PITCHFORK haben für ihre FANS alles richtig gemacht. Diese waren deshalb auch total aus dem Häuschen.
  Die Meßlatte lag nun hoch für den zweiten Headliner EISBRECHER. Wie erstaunlicher Weise zu bemerken war, lichteten sich die Reihen in der Halle nun etwas, ohne dass die AGRA merklich leerer wurde. Laut Ansage von Fronter Alexx hatten EISBRECHER bisher noch nie vor so viel Publikum gespielt. Das war aber nur dahin gehend zu spüren, als dass die Band rockte, wie noch nie erlebt. Auch bei EISBRECHER geht nichts ohne Kollegen Festplatte. Doch bei ihnen werden die auf der Bühne zu sehenden Instrumente hörbar gespielt. Selbst die beim Titel AMOK auf die Bühne gestellten vier Bezinfässer, auf denen getrommelt wurde, hatten Tonabnehmer. Auch EISBRECHER marschieren musikalisch, kommen dabei aber mehr als Band rüber, wirken greifbarer. So wie das Best-Of-Programm geboten wurde, hatte es seine große Wirkung. Natürlich machen HERZ AUS EIS, AMOK, HEILIG, VERGISSMEINNICHT, THIS IS DEUTSCH, SCHWARZE WITWE und MISTSTÜCK an. Doch mit entscheidend für den grandiosen Erfolg des Auftritts, war die Art und Weise der Präsentation. Alexx ist ein Entertainer. EISBRECHER WGT 2012Seine Entkleidungsspielchen sind bekannt. Heute flog zuerst die Mütze, dann die Brille, dann die Weste und zum Schluss die Krawatte. Mehr blieb uns erspart, wobei es beim sichtlichen, wieder schlankeren Frontmann vielleicht auch auszuhalten gewesen wäre. Gekonnt  spielt er mit seinem Publikum. Erst wird mit der Bayern-Flagge provoziert, um anschließend mit der Sachsen-Flagge die Kurve zu kriegen. Seine Backround-Damen Conny und Tina wurden geschickt in Szene gesetzt, die Kollegen an den Instrumenten in die Show einbezogen. Der Gastauftritt von Tom von [:SITD:] war heute noch ein zusätzliches Schmankerl. MISTSTÜCK zum Abschluss des offiziellen Sets wurde zusammen mit dem Publikum zelebriert. Da jodelte Alexx zum Anfang zünftig, dann wurde mit dem Publikum ausgiebig Call And Answer gespielt und zum Schluss rapte der Frontmann. Ich bin so froh, dass ich nicht auf meine platten Füße gehört habe und doch bis zur letzten Note des Konzertes geblieben bin. Es gab noch mit DIE HÖLLE MUSS WARTEN eine Zugabe, die man mitgenommen hat, die es aber eigentlich nicht brauchte.
Mit dem ersten Höhepunkt des WGT endete für mich der Freitag beim WGT 2012. Sonnabend 26. Mai 2012
Nach einem ausgiebigen Bummel über die MORITZBASTEI durch die Stadt zur SIXTINA führte mich der Weg am Sonnabend auf die PARKBÜHNE, meinem Lieblingsveranstaltungsort des WGT.
Pünktlich zum Auftritt von THE DANSE SOCIETY war ich vor der Bühne und konnte den Wiederauferstehungsauftritt der Formation miterleben, eine Weltpremiere, wenn man den Medien glauben darf. Nach 25 Jahren Bühnenabstinenz rockten die sichtbar etwas betagteren Herren, verstärkt durch eine etwas jüngere Sängerin die Parkbühne, ohne dass zu spüren war, dass THE DANSE SOCIETY überhaupt einmal weg vom Fenster war. Wer mit der Musik von JEFFERSON AIRPLAINE und FAITH AND THE MUSE etwas anfangen kann, wird den Sound von THE DANSE SOCIETY mögen. Dieser Auftritt war künstlerisch und handwerklich absolut überzeugend und begeisterte nicht nur mich. Das reichlich anwesende Publikum honorierte den Auftritt mit viel Beifall und so mancher fand genau wie ich den Weg zum Merchandisingstand, um sich mit einer aktuellen CD zu versorgen. Dope Stars Inc WGT 2012 DOPE STARS INC. bevölkerten dann die Bühne, um mit ihrer Auffassung von Rockmusik das Publikum zu unterhalten. Brachiale Drums, fette Gitarren, dünner, zeitweilig gequälter Gesang und massive Unterstützung vom Kollegen Festplatte machen die Kunst dieser Italiener aus. Es geht mit ihnen musikalisch nur geradeaus, keine fühlbaren Stimmungsbögen und nur wenig laut und leise, und doch wippte man mit den Füßen. Die stärkste Wirkung hatten DOPE STARS INC. für mich, als das meiste zu Hörende von der Festplatte kam. Für über eine Stunde Konzert ist das Material der Band dann doch zu eindimensional, zu spannungsarm. Es fesselt einen Nicht-Fan nicht vor der Bühne.
Und deshalb liebe ich die PARKBÜHNE. Sie liegt eingebettet mitten im Park und man kann außerhalb der Veranstaltungsstätte auf der Wiese liegend den Klängen weiter lauschen und sich mit einem Getränk oder fester Nahrung stärken. So gestärkt war ich pünktlich zum Auftritt von den DREADFUL SHADOWS wieder vor der Bühne. Die Band kannte ich nur von CD. Als die Formation Anfang der 90’er in der Szene richtig Furore machte, ergab sich nie die Gelegenheit, sie live zu erleben. Mit den Soloprojekten einzelner Mitglieder konnte ich wenig anfangen, und so war die Spannung vor dem heutigen Auftritt recht groß. Und ich wurde nicht enttäuscht. So soll guter Rock sein - markante Stimme(n),  handwerklich versierte Musiker, geiles Songmaterial. Wenn der Sound etwas besser gewesen wäre, wäre es das optimale Konzert gewesen. Doch auch so reichte es immer noch zu einem Höhepunkt des diesjährigen WGT. Nicht unwesentlich für diesen Erfolg ist Julia, ehemals bei EMINENCE OF DARKNESS, die neue Stimme bei den DREADFUL SHADOWS. Sven und Julia passen stimmlich hervorragend zusammen. So mancher Titel erfuhr dadurch eine Aufwertung. Die Parkbühne feierte ihre Helden, obwohl es nicht einen neuen Titel zu hören gab. Das alte Material funktioniert heute wie gestern. Nennt man so etwas nicht zeitlose Musik? Offiziell wurde mit dem Tanita Tikaram – Cover TWIST IN MY SOBRIETY das Konzert beendet. Doch es blieb noch Zeit für Zugaben. Und so gab es BEYOND THE VEIL und das meiner Meinung nach unnötige, weil wirklich nicht gelungene NINE INCH NAILS – Cover HURT. Dann war auf der Parkbühne wirklich Schluss, und auch der Sonnabend des WGT 2012 war für mich rum. Sonntag 27. Mai 2012
Traditionell werden jedes Jahr auch die Verkaufsstände in der AGRA-Halle besucht. Auch wenn man nichts wirklich sucht, verlässt man kaum einmal den Kommerztempel, ohne doch zugeschlagen zu haben.
  Danach ging es rechtzeitig zum VÖLKERSCHLACHTDENKMAL. Aus Erfahrung des letzten Jahres klug geworden, sichert besonders frühes Erscheinen gute Plätze. Die über 60 Minuten des Wartens vor dem Einlass hatten sich dann auch gelohnt. Es wurden Plätze ergattert, die eine freie Sicht auf die Musikanten auf der Fläche der Krypta ermöglichten. Auch wenn die Akustik selbst hinter den riesigen Stützpfeilern in der Krypta hervorragend ist, so ist es wirkungsvoller, die Künstler auch agieren zu sehen. In einer weiteren Weltpremier auf dem diesjährigen WGT stellten sich DIE KAMMER dem Publikum. Für die Künstler scheinbar überraschend, für den Fan ganz natürlich, war die Krypta gestopft voll. WGT Fans bei MESHWenn Marcus „Max“ Testory (ehemals ASP und CHAMBER) und Matthias „Matze“ Ambré (ehemals ASP und CHAMBER)  ein gemeinsames Projekt starten, war nichts anderes zu erwarten. Das Volk war einfach gespannt, was gehen würde. Noch beim Soundcheck, der beim Warten hinter der monumentalen Tür verfolgt werden konnte, waren bekannte CHAMBER - Klänge zu vernehmen, beim Konzert, oder besser bei der Inszenierung, denn es gab eingestreute Textbeiträge von Matthias Keller, nicht ein Melodieschnipsel von CHAMBER. Nur neues Material wurde in der kurzen Stunde des Konzertes geboten. Durch die gewählte Instrumentierung ist eine deutliche Unterscheidung zu CHAMBER auszumachen. Ein kleines Jazz-Schlagzeug, welches fast nur mit Besen gespielt wurde, einer Tuba als Bass, einem Cello, zwei Violinen und zwei Sänger mit Akustikgitarre zeugen schon von einer ungewöhnliche Kapelle. Es ist für mich noch mehr Kammer-Gothik. Ob die heute gesehene und gehörte Formation die Stammformation darstellen wird, war nicht zu erfahren. Wenn ja, habe ich die Premiere einer Supergruppe der „Szene“ bei einem beeindruckenden Auftritt erleben dürfen. Max, Matze, Benni Cellini (Cello - LETZTE INSTANZ), M. Stolz (Violine - LETZTE INSTANZ), Aline Deinert (Violine – NEUN WELTEN, EMPYRIUM), Oliver „Himmi“ Himmighoffen (Drums –ASP) das sind Größen!
Auch wenn ich nicht einen Titel kannte, so erzeugt der Gedanke an dieses Konzert allein schon wieder eine Gänsehaut. Nach der Zugabe, die mangels Material noch einmal die Eröffnungsnummer ORPHANAGE (die kommende Single) war, raste das Publikum in der KRYPTA und auf der stramm gefüllten Empore. Sichtlich überwältigt, da bekam Max sogar feuchte Augen, nahmen die scheinbar von der Vehemenz des Beifalls wirklich überraschten Protagonisten die stürmischen Ovationen entgegen. DIE KAMMER – das kann etwas ganz großes werden! Dann ging es schnell zurück zur AGRA. MONO INC. wollten erlebt werden, denn MONO INC. muss man live erlebt haben. Auch wenn ihr quicklebendiger Partyrock von CD super funktioniert, so potenziert sich die Wirkung live noch einmal. Was MONO INC. Bieten, ist vielleicht nicht die hohe Kunst der Musik, auf jeden Fall aber die hohe Kunst der Unterhaltung. Ab dem ersten Ton tobte die straff gefüllte Halle. Dank der geschmeidigen Klangflächen vom unsichtbaren Mitarbeiter, fetten Drums und der stimmlichen Unterstützung durch die Drummerin Katha Mia machten sich MONO INC. sehr beliebt. Auch spielte es für die Massen keine Rolle, dass MONO INC. geschickt alte Helden der Rockmusik beleihen. Mastermind Martin Engler kennt auf jeden Fall Gary Moore und die Sisters Of Mercy sehr gut. Bei der enormen Begeisterung des Publikums funktionierte sogar der nur mit Akustikgitarre begleitete Iggy Pop – Klassiker THE PASSENGER. Und wieder gab es eine Weltpremiere. MONO INC. präsentierten ihre neue Single AFTER THE WAR.
Diary Of Dreams Nach gut einer Stunde Konzert mussten MONO INC. dann die Bühne für den Headliner des Abends räumen. DIARY OF DREAMS gaben sich die Ehre. Etwas befremdend aggressiv das Publikum vom ersten Ton an animierend, begeisterte man mit einer abgespeckten Version der EGO:X – Tourkonzerte das Publikum. Adrian ging vom ersten Ton an sofort mit offenem Haar in die Offensive. Es wurde vehement gerockt. Selbst die leisen Töne waren laut. Dabei gab es die eine oder andere musikalische Überraschung. Überraschung dahin gehend, dass man DIARY OF DREAMS in den letzten Jahren nie mit einer deckungsgleichen Interpretation vieler Titel erleben konnte. Immer wieder werden die Nummern überarbeitet, momentan habe ich das Gefühl, in dem der Härtegrad angehoben wird. DIARY OF DREAMS überzeugten nicht unerwartet auf ganzer Linie. Sie sind in der „Szene“ eine Instanz und man kann immer erwarten, dass wo DIARY OF DREAMS draufsteht auch DIARY OF DREAMS drin ist! Mit ihrem Überhit TRAUMTÄNZER entließen uns Adrian, Gaun:A und ihre Mannen in den Abend. Für mich endete auch der Sonntag des WGT 2012 mit einem musikalischen Highlight! Montag 28. Mai 2012
Der Nachmittag gehörte dem HEIDNISCHEN DORF. Ausgiebig wurden das einmalige Flair und ein Fläschchen Met genossen. Bei Musik von OMDIDÖ und dem Bummel zwischen den Ständen der Händler, Handwerker und mittelalterlichen Gastronomen verflogen die Stunden rasend. Es wurde Zeit für den FELSENKELLER. Eigentlich wollte ich hier nur ARKONA erleben, war aber früh genug da, um den Auftritt von DARKESTRAH aus Kirgisistan zu bestaunen. Erst beim zweiten Hingucken wurde klar, dass der kleine, blonde, keifende Derwisch am Mikro eine Frau war. Was hier geboten wurde, ist wohl nicht für Jeden leicht zu konsumierende Kost. Mich begeisterte das Quintett mit ihrem Pagen-Blackmetal mit gehöriger Doomschlagseite und den langen, oft entschleunigten Instrumentalpassagen absolut, wobei 50 Minuten dieser Kost dann aber auch vollkommen ausreichend waren.
ARKONA dagegen hätten länger agieren dürfen. Zu groß ist das bekannte Repertoire, als dass es in 60 Minuten adäquat hätte musikalisch abgebildet werden können. Doch man muss sich mit dem zufrieden geben, was im Rahmen eines Festivals (Treffens) möglich ist. Und das, was ARKONA ablieferten,war dann schon Oberliga der Pagan-Szene. Ab der ersten Note war zu hören, woher diese Band stammt. Angereichert durch Volklorechöre von der Festplatte und der Instrumentierung auf der Bühne rockten die Mannen um Mascha Scream den Felsenkeller. Welche Töne auch diese kleine Frau ihrer Kehle entlocken kann, ist schon beeindruckend! Diese Russen muss ich einmal als Headliner erleben.
Mit ARKONA, und somit mit einem weiteren Höhepunkt des WGT 2012, beendete ich dann auch musikalisch den Montag des WGT 2012. Wenn die Gesundheit mitspielt und es das WGT weiterhin gibt, bin ich auch 2013 unbedingt wieder zu Pfingsten in Leipzig und hebe zusammen mit meiner Frau und den Freunden den Altersdurchschnitt.

 
Hier entlang geht es zu den Impressionen und Konzerteindrücken des WGT 2012 >>>>

 

 
 
 
 

 

 

Tags: Wave Gotik Treffen WGT

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