Volle Kraft Voraus! - EISBRECHER erobert Leipziger im "Schnee"Sturm

Geschrieben von HELL ZONE am . Veröffentlicht in Photoreports 2016

EISBRECHER Konzert Leipzig 2016 - Volle Kraft VorausZiemlich genau ein Jahr ist es erst her, dass die livespielfreudige NDH-Band aus dem tiefen Süden (sprich Bayern) zuletzt die Leipziger mit einem Konzert in Verzückung versetzten. Damals platzte das Werk II aufgrund des Besucheranstums förmlich aus allen Nähten.
Das schreit nach Wiederholung dachte man sich. Und so lud man nun in die weitaus größere Konzerthalle, im Auwald der Stadt, zum Auftakt einer 6-Städte-Tour durch Deutschland ein und feierte so ganz nebenbei auch noch Gold!
Als Supportbands packten die Tourmanager passenderweise die Bands ONE I CINEMA und UNZUCHT in das Unterhaltungsprogramm.

Eisbrecher Tour 201611.03.2016 - Leipzig Haus Auensee

Zur verkündeten Einlasszeit an diesem frühen Freitag Abend drängte sich dann eine illustre schwarz-bunte Fanschar von Gothic-Lolita über angegrauten Hardrock-Kuttenträger bis zum Ottonormalmusikkonsumer samt Ehegattin an den akribisch durchgeführten Sicherheitskontrollen. Wer diesen heuer sehr flüssig durchgeführten Check hinter sich gelassen hatte, bewegte sich augenscheinlich direkt zum Merchandise-Stand.

Selten haben wir in letzter Zeit einen von Beginn an so dicht umlagerten Fanartikel-Stand gesehen. Da scheint eine Band marketingtechnisch alles richtig zu machen! Einen besonderen Anreiz für den Andrang gab es indessen auch: Die Mannen um Checker Alex (Wesselsky) boten die auf eine Gesamtanzahl von nur etwas über 2000 Stück limitierte und dazu ausschließlich auf dieser 6-Städte-Tour erhältliche „Volle Kraft Voraus“-EP zum Kauf an.
Doch damit nicht genug. „Wir sind Gold!“ - Als Gimmick und Dank bekam jeder Gast die 1-Track-Single-CD „Wir sind Gold!“ kostenlos überreicht. Der neue Song ist inspiriert vom Erfolg ihres Albums „Die Hölle muss warten“, welches jetzt diesen Edelmetall-Status für 100.000 verkaufte Einheiten seit Veröffentlichung im Jahr 2012 erreichte. Das aktuelle EISBRECHER-Album „Schock“ aus dem Jahr 2015 bewegt sich auf einem ganz ähnlichen Trend und hielt sich ganze 16 Wochen in den Media Control Charts.

ONE I CINEMA als Support von EISBRECHER 2016Kurz nach 19 Uhr, da waren es noch über zwei Stunden bis zum Start der Headliner, eröffneten ONE I CINEMA den Konzertreigen. Als erste Vorband wurden sie von dem nach unserem Geschmack leider eher pseudowitzigen „Bandtherapeut“ Herrn Dr. Dietz kurz anmoderiert.
Das Trio ONE I CINEMA begeisterte uns mit seinem Stil und selbstbewusstem Auftreten sofort. Da war ordentlich Druck dahinter und fast hätte ich meinen A.... darauf verwettet, hier eine Band mit amerikanischen Wurzeln vor mir zu haben. Doch oh welches Erstaunen meinerseits, die Jungs stammen aus dem beschaulichen niedersächsischen Städtchen Osnabrück. So den Boden geebnet, hatten UNZUCHT im Anschluss schon leichtes Spiel mit dem geneigten Publikum. Das man mit Zielstrebigkeit und permanenter Livepräsenz auf zumeist deutschen Bühnen zum Erfolg kommen kann, beweisen UNZUCHT aus Hamburg. Die Jungs um Sänger „Der Schulz“ waren auch heute vielen EISBRECHER-Fans ganz offensichtlich bereits ein Begriff. Unzucht als Support von EisbrecherUnd da sie sich mit ihrem Dark-Deutsch-Rock und singalong-fähigen Refrains musikalisch im Dunstkreis von EISBRECHER bewegen, hatten sie die mittlerweile zu einer sehr stolzen Masse angeschwollenen Besucherzahl in der Halle, ziemlich schnell auf ihrer Seite. UNZUCHT waren das, was man guten Gewissens als würdigen WarmUp bezeichnet. Wenn man nach kurzer freundlicher Aufforderung des Sängers so ziemlich sämtliche Hände des Saals hoch erhoben sieht, kann man sich als Band getrost auf die Schultern klopfen. Fehlen durfte natürlich zum Abschluss nicht ihr Hinweis auf die neue Single „Kettenhund“ und die baldige Wiederkehr zu ihrer eigenen Tour, die für Spätherbst diesen Jahres angekündigt wird. Leipzig hat die Band erneut auf der Tour-Route mit verankert.

Nun wurde die dicht gedrängt stehende Menge langsam aufgeregter und ungeduldig, während vorn zügig der Bühnenumbau vonstatten ging. Dann der erlösende Moment: Als die fünf Mannen die Bühne enterten, brandete ohrenbetäubender Jubel von der ersten bis zur letzten Reihe und auf der Rolli-Bühne aus. Eisbrecher mit Alex Wesselsky live in Leipzig 2016Ganz nach dem Tour-Motto „Volle Kraft voraus“ und wie man es von den EISBRECHERn gewöhnt ist, wurde los gelegt.
Alex Wesselsky und seine Bandmitglieder standen im Mittelpunkt des Geschehens. Dafür sorgte nicht zuletzt der terrassenartig und mit Bullaugen optisch an ein Schiff angelehnte Bühnenaufbau. Durch welchen jeder einzelne Musiker perfekt zur Geltung gebracht wurde. So flankierten die drei Gitarristen und Basser den mittig an oberster Stelle thronenden Achim Färber, seines Zeichens Drummer der Band. Dieser bekam an seinem „Platz mit bestem Ausblick“ des öfteren „Besuch“ von Fronter Alex und im Verlauf der Show bekam Achim Gelegenheit für ein eindrucksvollen Drum-Solo. „Zum Glück bin ich verrückt“ singt die Band in einem ihrer Songs und so ein bisschen spiegelt dies auch das  Erfolgsrezept wider. EISBRECHER wollen Unterhaltung schenken und selbst Spaß haben.
Eisbrecher im Haus Auensee 2016Die Band beherrscht das intelligente und immer wohldosierte Zusammenspiel aus hartem Gitarrenriff, deutschsprachigem Text und hintergründig pointierter Gesellschaftskritik sowie der Fähigkeit, sich selbst nicht ganz so ernst zu nehmen. - Diese Dinge kommen sympathisch rüber. An keiner Stelle glitt das Ganze, trotz aller Selbstironie und lockerer Sprüche des Fronters, ins Peinliche ab. Zwischendurch regnete es mal Fontänen aus Gold und passend zum Bandnamen und em Stück "Eiszeiz" tauchte man das Auensee in dichtes Schneetreiben. Von diesem Effekt abgesehen, legte man erstaunlich wenig Wert auf Ablenkung, auf Schnickschnack also, wie es der Frontmann wohl formulieren würde. Eisbrecher live in Leipzig - Alex WesselskyUnsere Erwähnung finden in dem Zusammenhang einmal die Lichttechnikern für Ihren großartigen Job, denn sie setzten die Show perfekt in Szene. Die Songwahl war gekonnt und bot neben einigen Stücken vom aktuellen Schock-Longplayer wie "1000 Narben", "Eiszeit" und "Fehler machen Leute" natürlich ebenso immer wieder gern gehörte "Schmankerl" (wie die unserer Meinung nach total coole "This is deutsch"-Version), aus mittlweile beachtlichen sechs Studioalben. Nach 90 Minuten, selbstverständlich mit Zugabenblock und obligatorischer Wurf-Verteilung von Plüsch-Eisbären ins Publikum, endete die Show. So erfüllten und übertrafen EISBRECHER zu ihrem Tour-Eröffnungskonzert aus Fansicht wieder sämtliche, an sie gestellten Erwartungen und hinterließen allerorts beeindruckt wirkende Gesichter. Während der Stand mit den Fanartikeln nun noch einmal förmlich erstürmt wurde, ging es für die Roadies umgehend an den Abbau und Verladung der Bühnentechnik, denn schon am Folgetag stand das nächste Konzert im gut 500 Kilometer entfernten Köln an.

Band verpasst? Im Sommer habt ihr vor einmaliger Kulisse noch einmal die Chance, EISBRECHER in Sachsen live zu erleben. Dann gastieren sie am 15. Juli „Open Air“ auf einer der größten europäischen Bergfestung – auf der Festung Königstein.